Kultur

Burggasse Straßenschild (c) STADTBEKANNT
Burggasse Straßenschild (c) STADTBEKANNT

Inoperable – Wiens erste Urban Culture Galerie

29. Mai 2010 • Kultur

Am Mittwoch war ich zu Gast bei den Galeristen Nicholas Platzer und Nathalie Halgand in der Galerie Inoperable. Sie betreiben die erste „Urban Culture Gallery“ Wiens, welche 2006 gegründet wurde. Zuerst war sie in der Lindengasse beheimatet, wo Nicholas die Galerie zuerst alleine betrieb. Er selbst war früher Künstler, nun widmet er sich ausschließlich der Arbeit als Galerist. Seit 2008 ist auch die Kunsthistorikerin Nathalie mit an Bord.

Ihr Gemeinschaftsprojekt, die Graffiti Galerie, sehen beide als Pionierarbeit. Es ist die erste Graffitigalerie Wiens und damit bis dato einzigartig in der Stadt. Sie sehen das Projekt als „Experimentalraum“, wo neue Dinge erprobt werden können. Es werden Werke von Graffiti Künstlern und aus dem Bereich Street Art gezeigt. Sie wollen einen Beitrag dazu leisten, Street Art einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
Ein Besuch in der Galerie lohnt sich, egal ob ihr aus Neugierde vorbeischauen wollt oder ein Unikat für die eigenen vier Wände sucht. Die Kunstwerke sind zu erschwinglichen Preisen zwischen 30€ und 200€ zu erstehen. Dabei reicht das Angebot von T-Shirts, Comicheften, Street Art bis hin zu Grafiken und Bildern. Es gibt auch einen Onlineshop, wo man einige der Werke erwerben kann. Das Publikum in der Street Art Gallery Inoperable ist eher jung und alternativ. StudentInnen und Leute aus der Kunstszene zählen zur Stammklientel, wobei im Publikum Menschen aus jeder Altersklasse zu finden sind.

Infos zur aktuellen Ausstellung “Walled In” in der Galerie Inoperable

Die Ausstellung “Walled In” findet in der Galerie Inoperable in der Burggasse 24 vom 08.04. bis zum 31.04.2010 statt. Es ist eine Werkschau von sieben Künstlern aus Tel Aviv. Gezeigt werden Graffties, Zeichnungen, Siebdrucke, Paste-Ups und Schablonen. Mehr Infos zur Ausstellung findet ihr hier.

Urban Guide Vienna

Einen Beitrag zur breiteren Auseinandersetzung mit Street Art soll das aktuelle Projekt  „urban guide vienna“ leisten. Der von Inoperable produzierte Stadtplan weist Interessierten den Weg zu den urbanen „Hotspots“ in der Stadt. Dabei wendet sich die Stadtkarte an Szeneneulinge, an urbane Flaneure und soll Touristen als Wegweiser zu den „places to be“ der „Urban Art“ in der Stadt weisen.

Was findet man auf der „urban guide vienna“?

Die Wegweiser der Stadtkarte sind vielseitig, sie bilden ein buntes Potpourri aus:

Artspaces – Orte wo sich urbane Kunst wider findet. Wie beispielsweise das Projekt Street Art Passage Vienna im MQ. Dort finden wechselnde Ausstellungen von Graffiti- und Street Art Künstlern statt. Nicholas ist Co-Kurator des Projekts. 

Legal Graffiti Walls – Das Projekt „Wienerwand“ ist eine Initiative der Stadt Wien, welche Raum für Graffiti Künstler bietet, wo sie sich ungestraft und ganz offiziel künstlerisch austoben können.

Shops – Auf der Karte findet sich auch eine lange Liste an Shops wider, die „Urban Art“ entweder selbst produzieren oder/ und verkaufen. Eines der bekanntesten Lables ist Sixxa in der Kirchengasse. Sixxa entwirft „Urban Toys“ und hat ein eigenes Modelabel, in ihrem Shop sind ihre Werke käuflich zu erwerben und zu bestaunen.

Food/Drinks – Ein zusätzliches „goodie“ auf der Stadtkarte sind die Lokal und Restaurant-Tipps, wie das Möbel, das Badeschiff, der Deewan oder das Sapa.

Skate/BMX – Für alle Skateboarder und BMX Fans gibt es auch Tipps, wo man sich mit dem Skateboard oder dem BMX im Stadtraum austoben kann.

Auf die Idee für den „urban guide“ kamen die Galeristen, weil sie immer wieder von Touristen angesprochen wurden, wo man in Wien Street Art findet, wo sie „Urban Art“ Shops finden können, oder wo es die besten Futterplätze der Stadt gibt. Man kann also sagen, die Stadtkarte hat auch pädagogischen Wert. Eine Anleitung für einen Stadtspaziergang, der Wien in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Wo bekommt frau den „urban guide vienna“?
Es führen mehre Wege zur Stadtkarte. Ihr könnt einfach auf den Link urban guide vienna klicken und euch die Karte in PDF Form downloaden. Für alle, die sie in Papierform haben wollen, lohnt ein Besuch in der Street Art und Graffiti Galerie in der Burggasse 24. Natürlich könnt ihr die „urban guides“ an allen Orten, die auf der Stadtkarte markiert sind bekommen. Die Stadtkarte ist übrigens gratis!

Im Gespräche mit Inoperable über Street Art und Graffiti

Wir alle kennen das, frau läuft durch die Stadt und sieht Graffitis im Stadtraum. Meist stellt sich dann die Frage: Was bedeuten die Zeichen an der Wand? Und man geht einfach daran vorbei. Graffitis und Street Art sind meist Codes die von der Mehrheit nicht „gelesen“ werden kann. Man könnte auch sagen, es ist eine eigene Sprache die erlernt werden muss, um die Codes entschlüsseln zu können. Im Gespräch mit den GaleristInnen wurde dies zum Thema gemacht….

Prinzipiell wird die Unterscheidung zwischen traditionellem Graffiti und Street Art getroffen. Graffitis sind für den Normalverbraucher meist nicht entzifferbare Hieroglyphen im Stadtraum. Jeder Künstler hat seinen eigenen „Tag“ – seine „Unterschrift“, welche die unterschiedlichsten Formen annehmen kann. In Europa sind sie oft Grußbotschaften innerhalb der Graffitiszene, welche meist nur von den Szene -Mitgliedern gelesen werden können. Graffiti ist natürlich nicht gleich Graffiti. Die Bandbreite reicht von einfachen Markierungen im Stadtraum, bis hin zu ausgefeilten Kunstwerken, wie sie in Wien beispielsweise entlang des Donaukanals, z.B. beim Schwedenplatz oder bei der Alten und Neuen Donau, zu finden sind. Es sei nur soviel gesagt, es gibt unendlich viele Stilrichtungen und Codes in der Graffiti-Szene, die hier natürlich nicht alle beschrieben werden können. „Street Art“ ist ein sehr weitläufiges Feld, welches zusammengefasst als moderne Form von Kunst im öffentlichen Raum bezeichnet werden kann. Es reicht von Schablonen Graffitis über Sticker-Graffitis, Skulpturen und bis hin zu Installationen im öffentlichen Raum.

Zur Situation von Street Art und Graffiti-Künstlern in Wien
Prinzipiell ist die Situation von Graffiti- Künsterlnnen in Wien besser als in anderen Metropolen, wie in New York oder London, wo es eigene Spezialeinheiten der Polizei gibt, welche sich auf die Jagt nach Street Art Künstlern begeben und den Stadtraum von dieser Kunstform säubern wollen. In Wien versucht man, wie so oft, einen Mittelweg zu finden. Die Stadt Wien hat beispielsweise das Projekt „Wienerwand“ gegründet, wo Flächen angeboten werden, an welchen die Künstler – ganz offiziell – ihre Werke an die Wand „werfen“ können. Wird man in Wien beim illegalen Sprayen erwischt, dann bekommt man, wie in den meisten Städten, ein Problem. Ein Schutzmechanismus der Künstler ist natürlich die Anonymität. Jeder Künstler hat sein Synonym – seinen Künstlernamen – unter welchem er auftritt. Dies bietet den einzigen Schutz für die Künstler von der Polizei entdeckt zu werden.

Die „Wienerwand“ ist in Wien aber nicht das einzige Projekt, welches Street Art fördert. Im MQ gibt es die „Street Art Passage Vienna“, wo sich die unterschiedlichsten KünstlerInnen im halböffentlichen Raum präsentieren können. Den Auftakt bildete damals der französische Street Art Künstler, welcher unter dem Synonym „Invader“ mit seinen Space Invaders bekannt wurde. In Wiens Stadtraum findet man seine Werke an vielen Stellen. Er bringt die Space Invaders in Mosaikform an Hauswänden, den U-Bahnbögen oder im MQ an. Sie sind eine Avance an das Computerspiel aus den 80iger Jahren.

Bekannte Wiener Street Art Künstler
Busk – Cmod (City Modification)

Ist wohl einer der bekanntesten Künstler des Genres in Wiens, mit seinem unverkennbaren Busk Masken – in Form eines Affenkopfmotives, die man meist als Klebe-Graffitis an den Wänden findet und großflächigen Graffitis entlang des Donaukanals. Ein weiteres interessantes Projekt, war eine Aktion wo der Künstler Busk sich mit Busk Maske am Gesicht, von einem Straßenkünstler portraitieren ließ.

Die Made
Die Werke des Künstlers der unter dem Namen „die Made“ bekannt geworden ist, sind aus Wiens Stadtbild eigentlich nicht mehr wegzudenken. Man findet seine Sticker-Graffities – in Form einer Made – am Donaukanal (bei der Urania) ebenso wie im 7.Bezirk. Er verteilt seine Werke überall im Stadtraum. Die Sticker ziehen sich wie eine Spur durch die Stadt. Im Gespräch mit den Betreibern der Galerie Inoperable, erzählen sie, dass es eine Gruppe von Jugendlichen gibt, welche eine Trophäensammlung mit den Arbeiten der Made hat und sie sammelt.

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