Kultur

(c) Stephan Wyckoff
(c) Stephan Wyckoff

I’m Isa Genzken, The Only Female Fool

5. Juli 2014 • Kultur

Als „The Only Female Fool“ bezeichnet sich Isa Genzken im selbst gewählten Titel ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Wien. Dieses Statement charakterisiert den fließenden Übergang zwischen tiefer Ernsthaftigkeit und exzentrischem, überbordendem Übermut, der ihren Arbeiten innewohnt.

(c) Stephan Wyckoff

(c) Stephan Wyckoff

Isa Genzken gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihr facettenreiches Werk überrascht immer wieder durch Ideenreichtum und findet dennoch eine klare Verankerung im Feld des Skulpturalen. Im Zentrum der groß angelegten Schau in der Kunsthalle Wien steht Genzkens Faszination für das Urbane, das anhand von stetig wiederkehrenden Themen in ihrem Werk wie etwa dem Spiegelmotiv, der Auseinandersetzung mit Architektur sowie dem Raum als Sphäre des Sozialen untersucht wird. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung gilt Genzkens Künstlerfreunden, deren Positionen sie besonders schätzt – eine Reihe von diesen wird hier Isa Genzkens eigenen Arbeiten gegenübergestellt.

(c) Stephan Wyckoff

(c) Stephan Wyckoff

Isa Genzken wirft in ihrem Werk einen kritischen Blick auf die Gegenwart und nimmt diesen zum Ausgangspunkt einer radikalen Neuerfindung von Wirklichkeit. Formale Strenge trifft auf spielerische Materialkombinationen, das Homogene auf das Disparate. Die Vielfältigkeit des Ausdrucks ist jedoch nie beliebig, sondern korrespondiert mit der Dynamik der Großstadt, die in ihrer Ambivalenz noch immer die wichtigste Inspirationsquelle für Genzken ist. Die klassische Strenge moderner Architektur, die postmoderne Faszination für das Triviale und das zusammengewürfelte Nebeneinander unterschiedlichster Stile im realen Stadtraum bilden den Rohstoff ihrer Skulpturen und Assemblagen, Collagen und Filme.

(c) Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

(c) Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Die Auseinandersetzung mit der Widersprüchlichkeit des Urbanen und dem ihm innewohnenden Potenzial gesellschaftlicher Veränderung teilt Genzken mit Künstlern wie Gordon Matta-Clark und Dan Graham. In I’m Isa Genzken, The Only Female Fool treten ausgewählte Arbeiten beider Künstler erstmals in einen Dialog mit ihrem Werk und zeigen die Parallelen in der Beschäftigung mit dem Stadtraum als ein von wirtschaftlichen Interessen bestimmtes Areal. Des Weiteren werden Werke von Gerhard Richter, Carl Andre, Jasper Johns, Wolfgang Tillmans und Lawrence Weiner präsentiert. In direkter Zusammenarbeit mit Tillmans ist auch die Fotoserie Atelier (1993) entstanden, Porträts von Genzken im Kölner Dom – einer weiteren ambivalent besetzten Architektur.

(c) Andrea Fichtel

(c) Andrea Fichtel

I’m Isa Genzken, The Only Female Fool schlägt auch eine Brücke zwischen den beiden Standorten der Kunsthalle Wien: weithin sichtbar wird dem Glaskubus am Karlsplatz Genzkens Arbeit Haare wachsen wie sie wollen aufgepflanzt. Diese Installation, erstmals 2002 zu sehen in der Galerie Meerrettich in Berlin, besteht aus einer Ansammlung von Bambusstangen, die wie Haare aus dem Dach der Kunsthalle Wien Karlsplatz wachsen. Skulpturen sind für Genzken inhaltlich aufgeladene Objekte, die über ihre Platzierung im Außen- oder Innenraum stets mit diesem in Beziehung treten und mit der jeweiligen Architektur und deren sozialer wie ideologischer Aufladung einen Dialog aufnehmen. Die Widerspenstigkeit der Haare ist so betrachtet auch ein Plädoyer für jenen Wildwuchs im Urbanen, der trotzig auf das allgemein steigende Konformitätsbestreben reagiert.

(c) Courtesy Sammlung FRAC Nord-Pas de Calais, Dunkerque und Galerie Buchholz, Berlin/Köln

(c) Courtesy Sammlung FRAC Nord-Pas de Calais, Dunkerque und Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Vortrag von Jennifer Kabat: The Bauhaus Disco: 18 Thoughts on the Grace Building, Ghost Estates and Isa Genzken, Dienstag, 27. Mai 2014, 18 Uhr Eröffnung: Dienstag, 27. Mai 2014, 19 Uhr

Kunsthalle Wien

Museumsplatz 1
1070 Wien

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