Fussball Public Viewing (c) STADTBEKANNT
Fussball Public Viewing (c) STADTBEKANNT

„Hoch gewinnen werden wir nimmer“

28. Mai 2010 • Allgemein

Ein Abend im Ernst Happel Stadion.

Ein Spiel der Österreichischen Fußball Nationalmannschaft anzusehen, ist ein durchaus masochistischer Spaß.Absichtlich in Hundescheiße steigen, die Freude am verlieren, oder der Versuch mal eben so Hermann Maier in Ski fahren zu schlagen, sind für mich vergleichbare Vergnügen. Wenns dann auch noch gegen Spanien geht, den aktuellen Ersten der FIFA Rangliste wird’s richtig bitter.

Schon 1999 war ich begeisterter Zuschauer der 9:0 Klatsche gegen Spanien, in Valencia. Der Verteidiger Anton Pfeffer (Toni genannt) fasste den Pausenstand von 5:0 für Spanien mit den legendären Worten „Hoch gewinnen werden wir nimmer“ zusammen und seither denke ich mir das eigentlich immer, wenn ich das Nationalteam irgendwo spielen sehe.

„Hoch gewinnen werden wir nimmer“, das klärt mal die Erwartungshaltung, zu erwarten gibt’s nämlich gar nichts und dabei sein ist alles.
Solcherart bestärkt machten wir von der Neigungsgruppe Pleiten, Pech und Pannen uns auf den Weg in ein neues Debakel.

0:1 schon bei der Abfahrt ins Stadion
Beim Schottentor geht’s in die U2 Richtung Stadion. Zufällig treffe ich auf den Spanischen Fanblock der dasselbe Ziel ansteuert. Die Stimmung ist großartig, die spanischen Fans sind farbenfroh bekleidet, bunt bemalt und heizen sich mit gemeinsamen Schlachtrufen für das Spiel ein. Die U-Bahn bebt, die zahlreichen Österreich Fans die ebenfalls mit der U-Bahn unterwegs sind verlieren stimmungsmäßig schon mal klar.

0:2 Manolo ist der Superfan
Ich komme beim Stadion an. Manolo el del bombo ist natürlich auch da. Der Bar Besitzer aus Valencia und wohl bekannteste Fußballfan der Welt hat seit 1982 kein Spiel der spanischen Nationalmannschaft verpasst. Allein mittels Autostoppen hat er 15.800 Kilometer zurückgelegt um seinem Team nahe zu sein. Leicht erkennbar durch seine überdimensionierten Baskenkappe und die nicht minder große Trommel, ist er ein begehrtes Foto-Motiv. Unzählige Besucher, spanische wie auch österreichische, lassen sich mit ihm fotografieren, wozu er trotz der zahlreichen Anfragen, anstandslos bereit ist. Gegen ihn stinken Österreich Fans mit eher lächerlich wirkendem rot-weiß-rotem Hahnenkamm doch ziemlich ab

0:3 Die Mannschaft
Faktisch jeder Spieler der spanischen Nationalmannschaft hat alleine einen höheren Marktwert als das gesamte Österreichische Team und das zeigten sie auch über die gesamte Dauer des Spiels. Statt Fußball gab’s diesmal „such das Balli“. Österreichs Spieler rannten dem Ball zumeist nach, während Spanien sein berühmtes Tiki-Taka (Kurzpassspiel) weitgehend ungehindert aufziehen konnte. Sollten die Spieler Österreichs im Vorfeld Prämien ausverhandelt haben für jedes mal, wenn es ihnen vor der eigenen Strafraumgrenze gelingen sollte einem Spanier den Ball abzunehmen, dann sind sie wohl arm geblieben.

0:4 der Trainer
Superwissenschaftsminister Didi Constantini gegen Vincente del Bosque, dass ist FC Union Wels gegen Real Madrid (bei diesen Vereinen spielten sie unter anderem). Oder wie es die ebenfalls im Stadion anwesenden Audimax Besetzer auf einem Transparent ausdrückten. „Stadion brennt: Freier Team Zugang für Andi Ivanschitz“. Bei Österreich spielen wie immer die Richtigen und nicht die Besten und das ist auch egal weil „hoch gewinnen werden wir nimmer“

0:5 Das Publikum 
Spaniens Fans waren im Happel Stadion natürlich deutlich in der Unterzahl, stimmungsmäßig gemerkt hat man das – nicht nur Dank Manolo – aber überhaupt nicht. Die Spanier waren über die gesamte Dauer des Spiels mit lautstarkem Support dabei. Außerdem beschränkten sie sich auf positiven Support ihrer Mannschaft; Buhrufe, Schiedsrichterbeleidigungen oder ähnliches konnte ich nicht hören. Ganz anders bei Österreich. Richtig laut wurde es eigentlich nur als es Minutenlang „Schiri du Oaschloch“ durchs Stadion dröhnte und bei Pfiffen gegen den Herren in schwarz bzw. die spanischen Spieler. Peinlich, peinlich muss ich sagen, offenbar der Versuch das Niveau des Publikums sich dem der Mannschaft anzupassen.

1:5 Der Endstand
Ein Tor schoss Österreich auch, dazu noch das erste im gesamten Spiel. Das ist natürlich besser als ein 0:9 und die Zuseher die sich ernsthaft ein Spiel des Nationalteams ansehen, haben sich an ganz winzige Schritte auf der Straße des Erfolgs längst gewöhnt. Wartet nur liebe Spanier, in zwanzig Jahren spielen wir unentschieden, mindestens!

Und außerdem:

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