Lifestyle – Skurriles

Mariahilfer Straße (c) STADTBEKANNT
Mariahilfer Straße (c) STADTBEKANNT

Zu Gast auf der grünen Dachterrasse

14. September 2015 • Skurriles

STADTBEKANNT Homestory

Wir stellen euch als kleine Wahlhilfe für die Wiener Gemeinderatswahl das private Umfeld der KandidatInnen der größten Parteien vor, ihre Ansichten und Themen. Heute zu Besuch bei den GrünInnen.

Auf einer Dachterrasse im 7. Wiener Gemeindebezirk steht auf einem ökologisch abbaubaren Tisch eine Flasche ungeschwefelter Beaujolais Supérieur, dazu 2 Gläser. Die Teller daneben sind bereits leer, nur ein kleiner Rest ist vom laktosefreien und veganen Süßkartoffel-Kürbis-Curry übergeblieben. Es gab nach der gesellschaftskritischen Impulstanz-Vorstellung noch ein Abendessen zu Hause.

„Meinst du ich sollte mein Hybrid-Auto verkaufen? Die Parkplatzsituation wird immer schlimmer – außerdem fahr ich eh fast nur mit meinem Klapprad herum“, fragt der mit dem Béret und der dioptrinlosen Hornbrille in perfektem Neu-Wienerisch. „Naja, willst deine Club-Mate Kisten in Zukunft schleppen?“ – antwortet die Andere während sie sich ihre Hippie-Hose zurechtzieht – „I find übrigens, dass deine selbst angebauten Tomaten gar nicht um so viel besser sind als die Bio-Tomaten vom Supermarkt …“.

 

Die Weinflasche leert sich zusehens

Es entwickelt sich ein freundliches Streitgespräch über die Qualität von Bio-Lebensmitteln und die Situation von Urban Gardening in Wien. Wie man die Stadt „grüner“ machen kann, vom Individualverkehr befreit und warum der 13A nicht im 30 Sekunden Intervall fährt. Nach einer halben Flasche Rotwein werden die Gespräche dann tiefsinniger, es wird über die konservative Bourgeoisie geschimpft, die mit ihrer Kleinkariertheit den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt blockiert und in ihrer Weltunoffenheit unübertroffen ist. Die sind auch nicht bereit für eine basisdemokratische Verantwortung, so die einhellige Meinung.

Der Wein transzendiert langsam weiter in den Blutkreisläufen. „Wie kann man die Welt nur besser machen?“, fragt der vermeintliche Brillenträger. „Wahrscheinlich, “ so antwortet sein Gegenüber, „ist es Zeit, das Weltverbessern aufzugeben und es wie alle anderen zu machen.“ Es bricht Gelächter aus, weil Gutmensch ist man aus Überzeugung.

Zum Abschluss gibt es noch ein Foto, das direkt auf Instragram hochgeladen wird und noch keine kurze Verabschiedung, man sieht sich ja sowieso beim Brunch am Samstag.

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