Lifestyle – Im Gespräch

Wien Ausblick Häuser (c) STADTBEKANNT
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Herr Hermes

28. Mai 2010 • Im Gespräch, Kultur

„Conferencier, und der einzige der noch ein bisserl einen Anstand hat“. Herr Hermes im Gespräch.

Viele biographische Mythen ranken sich um die Person des Herrn Hermes, seines Zeichens Fm4-Conferencier, Connoisseur von Stil, Anstand und Contenance und TV-Star, unterwegs im Auftrag der Leidenschaften, im Herzen der Donnerstag Nacht auf FS1, wie es weiland so schön archaisch geheißen hat. Abenteuerliches Seemannsgarn von einer Kindheit auf einer Ranch in Alabama, frühem Kontakt zu Cowgirls und Whiskey und einer von den Eltern befohlenen Emigration nach Wien liest man da. Wurde also Zeit, dass Stadtbekannt den stets im feinen Zwirn auftretenden Elmayer-Absolventen (Goldnadel) zum Gespräch traf.

Wir treffen Hermes in einem Café im 4. Wiener Gemeindebezirk, er ist schon ein wenig früher gekommen, sitzt mit dem Lokal-Chef und einer Freundin am Tisch. Und nein, er ist privat nicht in weiß gekleidet, sondern in dezenten Schwarz- ein bisschen was von einem Rockstar hat er an sich, wie er mit Sonnenbrille so dasitzt. Ob die Brille dem Mythos zuträglich sei fragt er scherzhaft und nimmt sie ab, einzig beim von mir angeschnittenen Wort „Kultfigur“ setzt er sie für eine Sekunde kokett wieder auf. Weil wir aber naturgemäß gnadenlose Aufdeckerjournalisten sind, vor denen sich sogar Hans Peter Martin in seine selbstgerechte Hose machen müsste, geht’s hier natürlich nicht ums Weiterspinnen von Mythen. Im Ernst jetzt, besonders viel ist von der Person Hermes ja nicht bekannt, und ohne Mythen dekonstruieren zu wollen, fragen wir dann doch ein wenig genauer nach.

Vor Fm4, da hat er studiert, und zwar Raumplanung, mit Schwerpunkt auf Verkehrsplanung. „Ich bin ja auch ein seriöser junger Mann„, sagt er schmunzelnd, mit seiner prägnanten, tiefen Stimme die jeder– ob bewußt oder nicht – irgendwo schon einmal gehört hat. Die Materie interessiert ihn nach wie vor, als ehemaliger Schüler des Verkehrspapstes Hermann Knoflacher steckt da schon ein gewisses Herzblut für ihn drin: „Wohnumfeldgestaltung, da sollte doch eigentlich jeder Interesse daran haben, egal ob man in der Stadt wohnt oder am Land“.

Neben dem Studium hat er für Studenten nicht ganz unüblich, jeden existierenden Job gemacht, darunter auch Nachtportier in einem Hotel. Genau hier kommen dann Christoph Grissemann, Dirk Stermann und Radio Fm4 ins Spiel:

Das war in Schwechat, am Arsch der Welt, da muß man mit der Schnellbahn rausfahren und geht in der Nacht durch die Raffinerien durch, also wirklich ein häßlicher Job. Und dort hab ich die zweite oder dritte Sendung von Grissemann und Stermann gehört, Radio Blume damals noch, und hab ich mir gedacht ‚da ruf ich jetzt an und hab einen Spaß in der Nacht‘. Das hat insofern nicht funktioniert, weil ich wahnsinnig fertig gemacht worden bin, das war ja auch Konzept der Sendung. Ich hab mir gedacht ‚Da sitzt du jetzt am Arsch der Welt und wirst von deinen zwei Lieblingswastln auch noch zermärschert‘. Ich hab‘ dann noch zwei Mal angerufen, um mich durchzusetzen, das hat dann auch funktioniert. Und dann haben’s mich vier Jahre um dreiviertel eins in der Nacht angerufen“.

Irgendwann hatten Grissemann & Stermann keine Lust mehr, die Show zu machen und schlugen Hermes, mittlerweile ein fixer Bestandteil der Show, vor, die Sendung zu übernehmen. Was auch er getan hat – eine gute Entscheidung, wie sich mehr als eine Dekade, diverse Radiosendungen und eine TV-Show später herausgestellt hat. „Die hatten damals das Bild von mir, wie die meisten Eurer Leser: dieser 50jährige, dicke Herr, 1,20 groß“. So hat er sich damals, als sein Gesicht noch keiner kannte, ja immer dargestellt. Bei Fm4 erreichte die Sendung bald Kultstatus, im Rahmen von Fm4s sehr guten Late Night-Sendungen („Martin Blumenau, Projekt X – find ich alles sehr, sehr wertvoll“). Zuerst die berüchtigte Kuppelshow („Könnts Euch an den Einbeinigen erinnern? (lacht) Einbeiniger, schau oba!“), und später eben Hermes‘ Talkshow. „Das funktioniert jetzt glücklicherweise seit elf Jahren, und ist auch ein großer Antrieb in meinem Leben„.

Mit der Bezeichnung Conferencier ist er grundsätzlich zufrieden: „Ja, Conferencier, und der einzige, der noch ein bisserl einen Anstand hat„.

Genau so, wie sich das Radio eben ergab, kam dann auch das Fernsehen hinzu: seit drei Jahren ist Hermes nun Teil von Grissemann/Stermanns „Willkommen Österreich„, dort macht er die Serie „Die Unteren 10.000“. Für die wenigen, die das noch nicht gesehen haben: Hermes besucht, im weißen Anzug, allerlei obskure Veranstaltungen – Feste und Treffen von Bierdeckel-Sammlern, Hendel-Schnapsern, Star Wars-Grillfeste, Vereinstreffen, so etwas eben. Derer gibt es in Österreich ja genug, und so befragt Hermes in seiner eigenen, einer dem Thema augenscheinlich völlig unproportionalen Seriösität, die dortigen Leute über ihre Leidenschaften und Meinungen. Dass da zum Teil allerlei Kurioses und, seien wir ehrlich, verdammt Lustiges dabei rauskommt ist selbstredend – dass er sich über die Leute dort allerdings, auf Wienerisch gesagt, einen Karl macht, findet er überhaupt nicht:

„Natürlich wissen die, wo das rennt – das macht aber insofern kein Problem, weil die im Interview merken, dass ich sie nicht vorführ‘ sondern einfach frage ‚was machst du da, erklär mir dein Glück‘ (…) Ist doch auch tausend mal spannender als Bambis CD-Präsentation. Mich interessiert keine einzige High Society Veranstaltung, mich interessiert viel mehr wie die Leut feiern, was die Leut so tun, wie sie ihr Leben bestreiten. Natürlich ist es auch lustig, die Leut reden halt wie die Leut reden, so wie wir auch. Aber: kein Vorführen, kein Verarschen. Das ist mir wichtig“.

Sicher, manchmal muss er schon schmunzeln, aufpassen dass er nicht beginnt zu lachen – dieses extrem Seriöse, der Habitus als würde er gerade einen hochrangingen Staatsmann interviewen und nicht ein Vereinsmitglied vom Bierdeckelsammlerverein, das ist schließlich auch Teil der Rolle. Außerdem hat er ja auch definitiv Respekt vor deren Geschichte: „Wenn das für ihn das wichtigste auf der Welt ist, kann ich nicht lachen“. Manchmal darf aber auch seinerseits gelacht werden, wie er zum Beispiel in einer Anektote vom Hollabrunner Superhelden-Fest erzählt:

„Superhelden-Gschnas, Motto Superhelden. Wenn ich dann jemanden frag, welche Superkraft er gerne hätte und er meint, er würde gerne fliegen können – ich frag ihn dann, wohin er gerne fliegen würde und er meint ‚Retz‘. Von Hollabrunn nach Retz? – DANN lach ich auch… natürlich schön, die kleine Sicht der Dinge. (lacht). Da würd ich gern Anregungen geben, aktuell auch wegen dem Vulkan: ‚magst vielleicht nicht ein bisschen weiter fliegen?“.

Von solchen Anektoden hat Hermes selbstredend einige parat, und im Laufe des Gesprächs müssen wir naturgemäß oft lachen. Zum Beispiel, wenn er mit einem ORF-Kamera-Team auf eine Veranstaltung kommt, „mit einer Riesenkamera mit dem ORF Zeichen, und dann wirst g’fragt ’seid’s es von Radio Wien?'“.

Geändert habe sich seitdem natürlich einiges. „Jetzt wissen auch die 80jährigen, dass Willkommen Österreich nicht mehr von Lizzy Engstler und Wolfram Pirchner moderiert wird„, lacht Hermes. Natürlich ist der Bekanntheitsgrad sehr gestiegen, früher, wenn jemand um ein Autogramm gebeten hat, habe er noch gesagt ‚komm stell ma uns an die Bar, trink‘ ma ein Bier und red mit mir, das is viel interessanter als wenn ich dir Hermes auf einen Zettel schreib. Das is jetzt halt nicht mehr drin.‘

Natürlich seien weitere Sachen in Planung, über die könne er uns aber natürlich noch nichts erzählen. Radio, Fernsehen, Moderationen, Sprechertätigkeiten („Schöne Zufälle, die mein Leben bereichert haben, und ich bin sehr froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben“) und DJ (Hermes legt alle zwei Wochen im Tanzcafé Jenseits auf) – langweilig wird Hermes so schnell nicht werden, und er dem Publikum auch ganz sicher nicht.

Ob er unseren Lesern als Stil-und Anstandsinstanz („Da hast du vollkommen recht„) noch einen Rat geben möchte?

„Eine kleine Anleihe aus meiner Beziehung. Ich bin jetzt seit acht Jahren mit meiner Holden zusammen, und mir persönlich ist es unmöglich, rechts zu gehen von ihr. Das ist eigentlich eine alte Regel, die auch schon im Elmayer steht: der Herr geht grundsätzlich einmal links, weil früher natürlich, der Degen – die Waffe ist nicht auf der Frauenseite. Außer natürlich bei einem Wechsel der Gefahrenseite. Ich würde das wirklich jedem Herren empfehlen. Ich kann auch beim Händchenhalten nicht auf der rechten Seite gehen, das ist unmöglich, das bereitet mir körperliche Schmerzen. Bitte, links gehen! Das klingt fast politisch (lacht). Aber das is‘ okay“.

(Das Gespräch führten Markus Brandstetter und Daniel Steinlechner. Text: Markus Brandstetter).

(Foto: Lukas Gansterer)

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