Wien – Gut zu wissen

(c) stadtbekannt.at
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Henzls Ernte

16. Oktober 2014 • Gut zu wissen, Lebensmittel

Eingelegtes und Eingekochtes abseits der industriellen Produktion gibt es in einem kleinen Laden in der Kettenbrückengasse, wo die Inhaberin höchstpersönlich ausgewählte Delikatessen per Hand verarbeitet und verkauft.

Die Redewendung „jemanden einkochen“ bekommt gleich beim Betreten des Geschäftes Henzls Ernte auf der Kettenbrückengasse 3 im 5. Bezirk eine ganz neue Bedeutung. Lässt man seinen Blick über die liebevoll befüllten Regale schweifen, wird man schnell schwach, und vor allem auch neugierig. Gezuckerte Blüten? Rohkost-Fruchtmatten? Ja, das kann man wirklich alles essen, erzählt uns Gertrude Henzl, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat.

Wildkräuter, Obst und Gemüse.

Das Wissen darüber, wie man Kräuter, Obst und Gemüse in den verschiedensten Varianten so verarbeitet, dass sie schmackhaft sind, und vor allem darüber, welche Kräuter und Blüten dem menschlichen Magen keinen Schaden zufügen, das hat sich Frau Henzl im Selbststudium angeeignet. Grundlage für die Beschäftigung mit Lebensmitteln und deren Verarbeitung jenseits industrieller Massenproduktion war zum einen ein leidenschaftliches Interesse für „Herkunft, Verschiedenheit und Geschmack von Nahrungsmitteln“ beziehungsweise dafür, welche Wirkungen diese in unserem Körper erzielen können. Im Laden befindet sich genau in der Mitte ein großer, heller Holztisch, der laut Frau Heinzl zum Erfahrungsaustausch mit jenen Lebensmitteln einladen soll, die vordergründig oftmals nicht als solche wahrgenommen werden.

Direkt angeschlossen und räumlich nicht abgetrennt, beherbergt der kleine Laden eine Küche, in der Frau Henzl all das verarbeitet, was sie entweder im Garten ihrer Eltern – die ihr teilweise bei der Manufaktur behilflich sind -, in Gärten ihrer Freunde und Bekannten, oder beim Wildsammeln in den Hügeln rund um Wien erbeutet hat. Und diese Ausbeute ist so vielfältig wie erstaunlich.

Gezuckerte Primel und Löwenzahnhonig.

Die gezuckerten Blüten, die wundervoll einladend und bunt aussehen, werden erst getrocknet, dann mit Gummiarabicum konserviert schließlich in Zucker gewälzt. Besonders gut eignen sie sich als Dekoration für Nachspeisen und Torten, wobei vor allem das sehr lange Haltbarkeitsdatum überraschend ist – so lädt eine bereits neun Monate alte Primel unter einem Glassturz zum Kosten ein. Fast genauso ungewöhnlich wie die essbaren Blumen ist beispielsweise der Löwenzahnhonig. Um diesen herzustellen, werden die gelben Blütenfäden mit Zuckerwasser zu einer honigartigen Konsistenz eingekocht – und landen schließlich in einem hübschen Einmachglas mit liebevoll handbeschriftetem Preisschildchen in einem der Regale.

Wen es zu viel Überwindung kosten sollte, in eine Blume zu beißen, für den gibt es von verschiedenen Sirupen in den Geschmacksrichtungen Rosmarin oder Zitronenmelisse und Aufstrichen wie Holunder-Birne, über in Essig eingelegte Zucchini und Orangenblütensalz, bis hin zu Vogelbeer-Gelee noch alle möglichen Leckereien. Auch die Rohkost-Fruchtmatten klingen vielversprechend. Damit eine Frucht in „Mattenform“ im Zellophansäckchen landet, muss sie erst roh püriert, anschließend ohne Zuckerzusatz auf eine Matte gestrichen und bei unter 40°C Grad gedörrt werden.

Wer mehr über Frau Henzls Manufaktur erfahren möchte, der ist im kleinen Laden in der Kettenbrückengasse herzlich willkommen, und kann neben einem persönlichen Gespräch auch in einem der vielen Sachbücher schmökern. Auch die Homepage bietet allerlei aufschlussreiche Informationen und von Zeit zu Zeit wird auch der eine oder andere Kurs angeboten.

Henzls Ernte

Kettenbrückengasse 3/2
1050 Wien
+43 676 7552526
http://www.henzls.at

Öffnungszeiten: 
Dienstag bis Freitag: 13 bis 18 Uhr
Samstag: 9 bis 17 Uhr

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