Kultur

Qualtinger Grab (c) Mautner stadtbekannt.at
Qualtinger Grab (c) Mautner stadtbekannt.at

Helmut Qualtinger – zum 30. Todestag

29. September 2016 • Kultur

Erinnerungen an einen der vielseitigsten Künstler Wiens

Heute vor 30 Jahren ist Helmut Qualtinger gestorben, und mit ihm nicht nur ein großer Humorist sondern auch ein Erzieher, ein Aufmerksammacher.

Man hat sie oft gleichgesetzt, den Herrn Karl und den großen Qualtinger, der heute vor 29 Jahren verstorben ist. Der Herr Karl, wir erinnern uns, der entstand 1961, aus der Feder von Qualtinger und Carl Merz. Wie auch immer man die Form nennen mag: Theaterstück, Monolog, Charakterstudie einer Figur: der Herr Karl ging in die Geschichte dieses Landes ein, wie es auch Qualtinger selbst tat.

 

Der Herr Karl

Mit dem Herrn Karl hat Qualtinger die angebliche österreichische Liebenswürdigkeit und Gemütlichkeit demaskiert, aufgeblättert, als Unsinn entpuppt. Mit dieser Figur hat Qualtinger eine ganze Generation vielleicht sogar erzogen, an eine Wahrheit herangeführt, an eine Wahrheit über Österreich, das Labyrinth in dem sich jeder auskennt. Den Spruch hat man sogar auf Briefmarken gedruckt – ob sich seit damals viel geändert hat, sei dahin gestellt.

Journalist, Erzieher, „grantelnde Instanz“ (was für eine dumme Bezeichnung), Bildungsbürger, Antifaschist, Humorist. Manchmal auch an der Naseherumführer, zum Beispiel als er alle mit einer Zeitungsente aufgeblättert hat, und die Journaille am Bahnhof den Eskimodichter Kobuk erwartet hat und Qualtinger in Pelzmontur ausgestiegen ist.

 

Moralische Entrüstung

„Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen“, so ein berühmtes Zitat von Qualtinger. Treffender hätte er, der müde Unermüdliche, es nicht sagen können. Ab den 1970er Jahren ist er immer öfters auf Lesereise gegangen, hat auch aus „Mein Kampf“ gelesen. Die Aufzeichnungen dieser Lesungen sind immer wieder sehenswert.

 

Der Mensch Qualtinger

„In Wien mußt‘ erst sterben, damit sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst‘ lang“, ein weiteres berühmtes Zitat von Qualtinger, das gerne Falco zugeschrieben wird. Nicht, dass man ihn zu seinen Lebzeiten nicht hochleben hätte lassen, aber irgendwie auf die falsche Art, anscheinend eine Art mit der er nichts anfangen konnte.

Qualtinger, das war nicht der Herr Karl, und dass man ihn oft mit ihm gleichgesetzt hat, hat ihn furchtbar angewidert. Der glücklichste Mensch war er privat mit Sicherheit nicht, und sein Alkoholmissbrauch zeugt davon. Jener Alkoholmissbrauch, der auch dazu beigetragen hat, dass Qualtinger viel zu früh, im Alter von 57 Jahren verstarb. „Wer sich verheizt fühlt ist meistens auch versucht, mit Alkohol zu löschen“, hat er einmal gesagt.

Den Herrn Karl hat sein Freund Andre Heller gemeint, sollte man eigentlich in den Schulen aufführen, und hat damit durchaus recht. So hat die Materie auch heute noch, besser gesagt, gerade heute wieder, leider nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Vielleicht erinnern sich die jüngeren Generationen eher an den „G’schupften Ferdl“ oder den „Bundesbahnblues“, sicher aber an die Figur des Herrn Karl. An die Chansons, viele aus der Feder Bronners. Oder natürlich an Ecos „Im Namen Der Rose“, Qualtingers letztem Film.

Mit Helmut Qualtinger ist vor einem guten Vierteljahrhundert jemand und etwas von der Bühne verschwunden, den/das es seit dem nicht einmal mehr ansatzweise gegeben hat.

„In Wien kann man es nicht aushalten, woanders wo auch nicht“, wieder ein Zitat von ihm. Und wieder eins, dass es auf den Punkt trifft, wie so vieles, das er gesagt hat.

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