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Cover - Wolfgang Ambros - die Biografie
Cover - Wolfgang Ambros - die Biografie

Heimat bist du großer Autobiographien

5. Oktober 2011 • Skurriles2 Kommentare zu Heimat bist du großer Autobiographien

Nachdem Bob Dylan (mit den genialen „Chronicles Vol.1“) und unlängst Keith Richards („Life“) ja mächtig vorgelegt haben, werden auch die Lebensgeschichten der hiesigen Rock- und Showbusinessgötter in letzter Zeit vermehrt in Buchform veröffentlicht: so hat Wolfgang Ambros ja bereits vor kurzem seine unfassbar langweilige und nichtssagende Autobiographie auf den Markt gebracht, jetzt legt auch der Grand Seigneur der stilvollen Moderation Peter Rapp (der ja in letzter Zeit eine wahre Rapp-Renaissance durch Internet und Willkommen Österreich feierte) nach, Kollege Dillhof wird sich diesem Werk ausführlich widmen. Wir sagen: mehr davon, und bitten folgende Personen, nachzulegen.

Bernhard Paul

Stoisch, mürrisch, zynisch: gute Clowns sind so, im besten Falle auch depressiv und versoffen. Zirkusdirektor, Clown und Castingshow-Jurymitglied Bernhard Paul kennt die Clownsszene von innen, könnte aufdecken, wieviel Rock’n’Roll, Weltschmerz und Verzweiflung das Clownsleben mit sich bringt. Rote Nasen, die über Kerzenschein russische Anarchisten lesen und Absinth trinken, in der Hoffnung zu erblinden: ein Aufdeckerbericht darüber, wie das Clownsleben wirklich ist, ein Blick hinter die Kulissen. Außerdem gibt es ja beinahe kein beklemmenderes Umfeld als den Zirkus, Himmelherrgott, da wäre viel rauszuholen!

Stefanie Werger

Bei Stefanie Werger gäbe es einige Dinge zu klären, so wirft unter anderem ihre ewige Ode an den so schmierig in Liedform gebrachten Urlaubsflirt „Sehnsucht nach Florenz“ einige Fragen auf. Erstens, wer ist dieser ominöse „Ricardo“ (wir tippen auf eine Art Heiratssschwindler/Gigolo, nicht ganz so stilvoll wie Helge Schneiders Figur „Rodriguez Faszanatas aber durchaus bewandert in seiner Profession). Zweitens, warum hat sie diesen Brief zerrissen und geht jetzt davon aus, dass keiner mehr von seiner Existenz weiß. Weiters stellt sich die Frage, wie jemand, der derartige Dichtungen veröffentlicht, mit dem Wort „Rockpoetin“ geadelt wird. Und ohne oberflächlich sein zu wollen, ihr veröffentlichtes Buch über Diäten ist ungefähr gleich glaubwürdig als würden Beppo Mauhart oder Helmut Schmidt ein Buch über die Nikotinentwöhnung schreiben. Mögliche Titel ihrer Autobiographie: „Warum ich den Scheißbrief von Ricardo wirklich zerrissen habe“ oder „Stefanie Werger Chronicles Part 1: Sanft elektrisiert habe ich Liebe inhaliert“.

Thomas Brezina

Um die Person des Thomas Brezina ranken sich allerlei Mythen. Weiß man, dass der Gute mit seinen beinahe am Fließband produzierten Romanreihen von Scheibbs bis Zentralasien Heerscharen an Infanten begeistert und damit Heerscharen an Euros auf sein Konto zaubert, weiß man Privat vom früheren Schnauzbartträger (einer der wenigen Menschen, die ohne Schnauzbart gefährlicher aussehen als mit) kaum etwas. So ranken sich Mythen um ein Peter Pan-artiges Privatrefugium und eine Brezina/TomTurbo Neverland-Ranch. Jeder von uns ist mit Brezinas „99 Heißen Spuren“ und der genialen Dekoder-Karte aufgewachsen – nun wollen wir, alle zwar erwachsen, trotzdem noch Riesenfans und die Dekoderkarte nachwievor benützend – etwas vom Mythos „Brezinismus“ erfahren.

Patrick „Faxe“ Ortlieb

Der Faxe Ortlieb, das war früher ein guter Schirennläufer, und dann ist er zur FPÖ gewechselt. Der Faxe, der hat schon gewusst, dass zum Skisport Disziplin gehört, dass man keine Trainings schwänzt. Bei der Politik hat er das anders gesehen, ein bissi lockerer. Oft war der Faxe nicht bei den Sitzungen, keine Ahnung was er gemacht hat, der Faxe, aber es hat ihm den Titel „Faulster Abgeordneter“ eingebracht. Wir verstehens eh, wenn man solche Arbeitskollegen in der Partei hat, geht man eben nicht gerne in die Hacken. Der Faxe, der könnte das klarstellen, vielleicht auch ein politisches Manifest schreiben. Vielleicht hat man ihn immer falsch verstanden, den Faxe. Vielleicht wollte er ja wirklich etwas verändern, und so könnte er sich mit einem autobiographischem Pamphlet als genialer Politstrage, Moralist, Denker entpuppen und man würde auch nicht mehr über in Schmunzeln und ihn als faulen Abgeordneten sehen.

Tony Wegas

Lange bevor unser Manuel Ortega das Latino-Gott Zepter übernommen hat, hatte Tony Wegas (genausowenig Latino wie Ortega) die musikalische Regentschaft über jenes Ressort inne. Heißblütige Songs voller Sex, die beim Songcontest so geil nicht abschneiden wollten. Dann ein paar unschöne G’schichterln von Substanzerln und deren Beschaffungsstrategien: Rock’n’Roll meets Crime: Tony könnte Ortega, dem Jungspund, und uns allen mit einer Biographie vor die Löffel knallen, wie man leben soll. Dafür brauchen wir keinen Glavinic, das sagt uns der Wegas.

Thomas Spitzer

Und jetzt mal ehrlich und unironisch: wenn es im Austropop eine wirklich coole, pardon, Sau, gibt dann ist das Thomas Spitzer. Weil auch wenn die EAV mittlerweile ein Klamauk-Act ist, war das früher durchaus anarchischer Humor, und dass Spitzer zugegeben hat, dass er jedes Mal bei den neueren Schlagersongs tausend Tode stirbt und keine Lust mehr hat, ist schon ein sehr straighter Move. Spitzer, und jetzt ehrlich, ist wahrscheinlich eine der wenigen Personen, die wirklich interessante Sachen zu erzählen hätten, und Kind von Traurigkeit – eine reine Annahme natürlich – war der bestimmt keines.

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2 Antworten auf Heimat bist du großer Autobiographien – Verstecken

  1. schachian christinger sagt:

    !
    ach geh ihr deppen

  2. Kalifornia Maki sagt:

    Die Vorstellung einer Brezina
    Biografie ist wudnerschön und wahnsinnig toll.

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