Kultur – Musik

Die Gesangskapelle Hermann (c) Gesangskapelle Hermann
Die Gesangskapelle Hermann (c) Gesangskapelle Hermann

Gesangskapelle Hermann

14. Juni 2015 • Musik

Das Urösterreichisch und Da Knedl

Fast wäre er in Vergessenheit geraten, der männliche Acapella-Gesang in wienerischer Manier. Dass man über den Grant, den Tod und die Bauern aber auch äußerst aktuell und witzig singen kann, zeigt die achtköpfige Gesangskapelle Hermann.

 

Hermann, wie Heimat

Der Name kommt von der Hermanngasse im siebten Bezirk, wo die acht jungen Herren ihren Probenort gefunden haben und damit auch ein Stückchen Heimat. Wien-Bezug haben sie alle und den lassen sie auch sehr gekonnt in ihren Stücken zum Vorschein kommen. Dennoch werden die ein oder anderen Hauptstädtler bei genauerer Inspektion draufkommen, dass sich auch ein, zwei, drei Oberösterreicher in die Runde mischen. Begonnen hat die Gesangskapelle nämlich ganz schleichend, wenn man das so sagen kann. Die Hermänner haben sich allesamt als Chorkollegen bei den Academy Singers kennengelernt, wo sie auch aktuell noch aktiv sind. Zuerst war da die Idee ein paar selbstkomponierte Lieder mit den Männerstimmen auszuprobieren, dann hat es Spaß gemacht und zum Schluss blieb der „harte Kern“, eben die paar jungen Herren, die ihren Weg nach Wien gefunden haben.

 

Die Hermänner

Die acht Hermänner werden von dem Alpha-Hermann Bernhard Höchtel geleitet, der das Hirn und kompositorische Herz der Kapelle ist. Die Stücke wurden allesamt von ihm komponiert, arrangiert und teilweise auch getextet. Trotzdem handelt es sich bei der Vereinigung um eine „Demokratie“, wie das Simon Scharinger, der uns freundlich Auskunft gibt, betont. „Einer von uns kontrolliert die Finanzen, ein anderer kümmert sich um Social Media, wieder ein anderer zieht Gigs an Land, und so weiter und so fort“, sagt er. Für das neue Album „Mei Goaddnzweag & I“, das im Herbst 2015 herauskommt ging man textlich eine Kooperation mit dem Mundartdichter Hans Kumpfmüller ein. Der Oberösterreicher (schon wieder!) ist ein Meister darin, lustige Texte mit einer Note der Nachdenklichkeit zu versehen und immer wieder ein kleines bisschen Sarkasmus durchblitzen zu lassen.

 

Bühnenshow und Textgenüsse

Hört man der Gesangskapelle zu, ist man schneller in den Bann gezogen, als man bis drei gezählt hat. Die Bühnenshow, wenn man sie denn so nennen kann, entsteht ganz von selbst, wenn man den im Halbkreis stehenden Sangeskünstlern bei ihrer ausschweifenden Mimik zusieht. Ein leichtes wippen des Oberkörpers dazu, der Schmäh bei den Ansagen zwischen den Liedern und schon kann man nicht anders, als die Hermänner einfach sympathisch zu finden.

Gesangskapelle Hermann Youtube - Knedl

Gesangskapelle Hermann Youtube – Knedl

Die Texte machen ihre Konzerte noch einmal kurzweiliger und der Besucher wird definitiv in Atem gehalten – immerhin muss man ganz schön gut zuhören, wenn man alles verstehen will. Gesungen wird von vielen kulinarischen Genüssen, wie Knedln, Nudelsuppen, Most und Fleisch aber auch von der Panier – die dem ersten Album den Namen gegeben hat. Urösterreichisch à la Gesangskapelle eben.

 

Weltverbesserung mit Most und Knedl

Dass jetzt 8 so junge Burschen von Schweinen, Landwirtschaft und Wirtshäusern singen und das noch dazu in Mundart, würde man so eigentlich nicht erwarten. Und obwohl es scheinbar nicht zusammen passt, könnte es besser gar nicht kombiniert werden. Simon bringt es auf den Punkt:

„Volksmusik, und das ist letzten Endes doch auch irgendwie etwas, was wir machen, hat zumeist, in den Ohren der meisten jungen und auch modernen, aufgeschlossenen Menschen einen eher negativen Beigeschmack. Vielleicht wäre es an der Zeit eben eine neue Volksmusik zu machen, die auch mit Tradition und dergleichen spielt, aber dies weit frischer und innovativer macht. Irgendwie macht dieser Zwiespalt, dass wir ja doch alle recht junge Männer sind und dann auf der anderen Seite Volksmusik singen, die man eher aus den Mündern von alten Säcken vermuten würde, auch unsere Komik aus, denke ich.“

 

Ohne Panier und mit Gartenzwerg

Das erste Album „Ohne Panier“ gibt’s im Shop auf der Website zu kaufen, oder auf jedem Konzert der Gesangskapelle Hermann. Die acht Herren sind grundsätzlich in ganz Österreich unterwegs und immer wieder auch in Wien. Derzeit befinden sie sich aber in der verdienten Sommerpause, bis am 30. September im Theater am Spittelberg das neue Album „Mei Goaddnzweag & I“ vorgestellt wird.

Reinhören kann man auch beim Soundcloud Account der Gesangskapelle!

 

Die Mitglieder der Gesangskapelle Hermann: Simon Gramberger (Tenor 1), Simon Scharinger (Tenor 1), Lukas Sachsperger (Tenor 2), Stephan Wohlmuth (Tenor 2), Robert Pockfuß (Bass 1), Joachim Rigler (Bass 2), Bernhard Höchtel (Bass 2), Johannes Sachsperger (Bass 2)

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