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Interview mit Gerda Leopold (c) STADTBEKANNT
Interview mit Gerda Leopold (c) STADTBEKANNT

Gerda Leopold im Gespräch

30. Mai 2016 • Im Gespräch

Interview mit Gerda Leopold

Der Film Karussell, der mit 5 Kameras (Go Pros!) am Kopf gedreht wurde, wird am 19. Juni erstmalig in Wien vorgeführt. Wir haben die Filmproduzentin bei einem Kaffee im Kaffee am Heumarkt zum Gespräch getroffen und mit ihr über ihr Leben als Künstlerin, ihr Projekt und ihre Lieblingsplätze in Wien geredet.

 

Du selber bist ja in einer sehr künstlerischen Familie aufgewachsen, also war es sehr naheliegend, dass auch du was mit Kunst machst, oder?
Ja, die Kunst war immer sehr präsent. Wobei die bildnerische Kunst nicht so präsent war wie die Musik. Im Haus hat es zwei Geräusche gegeben, entweder hat sich wer gestritten – wir waren eine sehr große Familie oder es wurde Klavier gespielt. Alle haben Klavier spielen können mit Ausnahme von mir und meinem Großvater. Ich habe Geige gespielt, aber ich wusste schnell, dass ich keine Musikerin bin, denn ich wollte in die Welt hinaus und nicht bloß acht Stunden irgendwo drinnen Geige üben.

Und wie bist du zum Film gekommen?
Ich habe mich erst als ich, Anfang 20 nach Berlin kam, überhaupt für Film begonnen zu interessieren. Es ist immer dann irgendwie in meinem Kopf herumgespukt, dass ich einen Film oder gar mehrere machen möchte. In den 80er Jahren haben mir die deutschen Filmregisseure, die Aufarbeit betrieben haben, imponiert. Ganz begeistert war ich vom Film “Kinder des Olymp”. Und als ich dann hörte, ich kann durch die digitale Revolution meine Filme Zuhause an meinem eigenen Computer schneiden, da sagte ich mir, jetzt kaufst du dir auch einen Computer, das geht jetzt gar nicht anders, da musst du hin!

Worum geht es im Film Karussell und was ist das besondere an dieser Produktion?
Es geht um Beziehungen. Es ist eine Darstellung wie Leute nicht nett miteinander umgehen, sich betrügen. Wie Menschen verantwortungslos sind und somit ein großes Unglück anrichten können.
Karussell ist ein experimenteller Spielfilm, der aus der Perspektive der Schauspieler mit fünf Kameras gedreht wurde. Die Kameras wurden abwechselnd von den Schauspielern getragen.

Karussell 5 Kameras (c) Amiluxfilm

Karussell 5 Kameras (c) Amiluxfilm

Wie bist du auf die Idee gekommen? Sowohl Geschichte als auch die Idee mit den Kameras?
Ich habe diese Art des Videos bei Trevor Morgan zum ersten Mal gesehen, er ist ein guter Freund von mir. Ich war begeistert und habe mir gedacht, dass ich genau in dieser Art einen Film drehen will und zwar als richtigen Spielfilm mit Schauspielern, Drehbuch und Handlung. Dazu fiel mir auch gleich der Reigen ein. Weil es eines derwenigen Stücke ist, in denen es keine Hauptperson und ihre Gegenspieler gibt, sondern eine Reihe von Personen, die jede den gleichen Wert, wie alle anderen hat. In jeder Szene gibt es zwei Hauptpersonen, jede Szene wurde zwei Mal gedreht, einmal aus Sicht des Schauspielers A dann aus Sicht des Schauspielers B. Der Künstler hat mir auch erlaubt, sein System weiter zu entwickeln.

Wie war die Umsetzung? War es immer leicht? Hat gleich alles so funktioniert, wie du es dir vorgestellt hast? Dein größtes Hindernis?
Das größte Hindernis dabei ist dein eigener Kopf. Man denkt natürlich immer mit der Vorderkamera, weil es halt das klassische Kino ist und erst, langsam und allmählich, wenn man schon einiges gedreht hat, wird einem klar, dass es 4 Seiten und eine Decke gibt und dass man die auch bespielen muss!
Ich bin jemand, die sich wenig vorstellt, ich habe kein wirkliches visuelles Vorstellungsvermögen. Ich glaube, dass das in diesem Fall sogar ein Segen war, das heißt, ich wusste nicht, wie der Film im Endeffekt aussehen würde.

Wie war es für die Schauspieler? Haben die Kameras das „Spielen“ erschwert bzw. wurden sie abgelenkt?
Wenn der Schauspieler die Kamera aufhatte, musste er ja nicht wie ein Schauspieler spielen, er musste ja „nur“ die Kamera sein. Es gab manche Schauspieler, die einfach das Projekt gut fanden und sich da voll hineingekniet haben, für die war das echt gar kein Problem, das war echt unglaublich, was die hingekriegt haben. Und dann gab es andere, denen fiel das ziemlich schwer, denen konnte ich noch so oft sagen, sie sollen nicht mit dem Kopf wackeln, sollen den anderen direkt anspielen und nicht im 45° Winkel, (da steht dann der andere Protagonist genau in der Ecke zwischen 2 Screens) das half einfach nicht, sie machten es immer wieder.

Wie lang hat die Umsetzung gedauert?
Das erste Mal habe ich im September 2011 bei einer Filmförderungsstelle dafür eingereicht. Die englische Fassung vom Film haben wir am 11. 11. 2015 abgenommen.

Hast du eine Lieblingsszene?
Ja, die Szene mit Mercedes Echerer, als Lyrikerin und ihrem Exmann, den Verleger, das ist Alexander Strobele. Aber auch gleich danach die Szene zwischen Anwältin, das war Tatjana Alexander, und Christian Sengewald, der Puppenspieler und mit seiner Puppe, die verführen gemeinsam!

Karussell Lieblingsszene (c) Amiluxfilm

Karussell Lieblingsszene (c) Amiluxfilm

Wo in Wien hast du gedreht?
Oben am Brigittenauer Spitz bei der Löwenbrücke (die heißt offiziell nicht so, aber wir haben sie immer so genannt.) Bei Auhof in der Winer Westeinfahrt. In einem Busdepot von Dr. Richard im 10., in der Nähe da in einer Trafik, im Rabenhoftheater im 3., in einer Privatwohnung im 5., in einem Kindergarten in der Gentzgasse im 18., im Espresso in der Burggasse, in der Buchhandlung 777 im 1., in der Meyerhofgasse im 4., in der U-Bahnstation Friedensbrücke im 9., dann direkt auf der Straße davor, in einer Wohnung im 17., ein Duplex, in die wollten alle gleich einziehen, am Donaukanal bei den Zaha Hadid Bauten auf Stelzen im 9., und in einem Treppenhaus in der Burggasse im 7., Wie beim Film so üblich kamen wir ganz schön herum.

Hast du durch das Drehen neue Plätze in Wien entdeckt? Hast du Lieblingsplätze in Wien?
Ja klar. Ich habe mit Sebastian Endler, meinem Kameramann, im Winter 2013/14 jede Menge Locationscouting-Spaziergänge gemacht und hab so das ganze Viertel hinter dem Südbahnhof kennengelernt. Und auch mir nicht so Bekanntes auf der anderen Donauseite. Meine Lieblingsorte sind, die schon erwähnten Zaha Hadidbauten am Donaukanal, die Löwenbrücke und die Ecke Ölzeltgasse, Beatrixgasse, weil es da so unterschiedliche Straßenebenen gibt und wenn man so um sich schaut eine totale Mischung von alt und neu ist. Generell mag ich das ohnehin, wenn sich Modernes mit Historischem verbindet.

Interview mit Gerda Leopold (c) STADTBEKANNT

Interview mit Gerda Leopold (c) STADTBEKANNT

Ist Wien eine gute Kulisse?
Ja, Wien ist eine gute Kulisse. Ich meine, eigentlich ist jede Stadt eine gute Kulisse, hat interessante Ecken und man kann immer was rausholen, selbst in Jersey City, was für mich einer der hässlichsten Orte ist. Wichtig ist nur, dass man weiß, was man erzählen will. Dann ergibt sich die Kulisse von alleine.

Wie wird der Film vorgeführt?
Der Film KARUSSELL wird so wie im Making of gezeigt. https://vimeo.com/139397636
Das Publikum sitzt im Projektionsraum und ist somit unmittelbar “im Film”, das heißt, auf alle 4 Wände plus Decke wird projiziert.

Wo wird er gezeigt? Wann?
Vom 5.6. – 12.6. im ZKM, Karlsruhe und (wahrscheinlich draußen) im Belvedere vom 19.6.-26.6. 2016

Rückblickend … würdest du etwas anders machen? Ablauf? Produktion? Umsetzung?
Ja, viel mehr noch mit den Kameras proben.

Planst du bereits ein nächstes Projekt?
Ja, auf jeden Fall. Bin schon dabei ein neues Treatment zu entwickeln.

Werden es genauso viele Kameras geben? Mehr? Weniger?
Ja, auf jeden Fall gibt es auch wieder 5 Kameras. Jetzt weiß ich ja, wie es geht, jetzt kann ich’s nur noch besser machen.

Liebe Gerda, vielen Dank für das nette Gespräch!

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