Kultur – Musik

Schallplatte Vinyl (c) STADTBEKANNT Hofinger
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Gehasselt werde dein Hoff – zum musikalischen Comeback des Sangesgottes

21. Mai 2010 • Musik

Ecce homo ! David Hasselhoff hat die Freiheit gesucht und sie wieder gefunden: im Musikantenstadl bei Libertine und Freigeist Andy Borg, wo er ein fulminantes und hoch würdevolles (hüstel) Comeback feierte.

Er hat für unsere Sünden gesoffen, mit einem schwarzen Auto geredet, den Bauch eingezogen und Ertrinkende aus dem Wasser gefischt – aber dass David Hasselhoff in erster Linie ein Orpheus ist, ein Barde, der Mensch, Tier und Landschaft bewegt, das haben die Amerikaner nie verstanden. Was war er in den 80er Jahren hierzulande für ein Heiland, mit seinem White Man’s Afro, der inflationären Brustbehaarung und seinen von Jack White produzierten Hymnen – nein, nicht Jack White von den White Stripes sondern der gleichnamige Hansi Hinterseer-Produzent.

Er hat uns den Limbo näher gebracht wie kein anderer, er hat uns mit Duetten mit Minderjährigen die Tränen in die Augen getrieben, er hat die DDR zu Fall gebracht und dabei eine Jacke mit blinkenden Lampen angehabt und die Poster seiner Rettungsschwimmer-Kolleginnen haben unsere Kinderzimmerwände behangen.

In Amerika hat man sich über sein Liedgut immer lustig gemacht, im deutschsprachigen Raum war er damit in den Achtzigern der Gott überhaupt, hat sich über Platin-Schallplatten und Turbo-Airplay von Reinhard Jesionek im Wurlitzer gefreut. Musikalisch als auch lebertechnisch waren die letzten Jahre für „The Hoff“, wie er sich selbst gerne tituliert, eine sprichwörtliche Durststrecke. Das soll sich nun aber ändern, und so hat er sich vor kurzem bekanntlich das musikalische Mekka schlechthin ausgesucht, um wieder als ernsthafter Musiker wahrgenommen zu werden: den Musikantenstadl, und sein Jünger Andy Borg hat ihn auch fürstlich empfangen, mit ihm im Duett gesungen.

Regelrecht ho(f)fiert ist er worden von der Zielgruppe 50 + und hat so allerlei Weisheiten von sich geben können. Unerklärlich, warum Hasselhoffs Autobiographie nicht längst neben Werken von Derrida, Foucault und Heidegger steht. Dann noch eine Live-Schalte zu seinem Vater, spontan und völlig überraschend, die der harte Ex-Rettungsschwimmer mit feuchten Augen goutierte, und der Vater, was für ein Schenkelklopfer, hatte sogar ein Trachtenhemd an ! In Los Angeles! Ich schmeiß mich weg.

Er ist jetzt wieder da, musikalisch und menschlich, er hat es mit fester Stimme verkündet, und Jack White saß im Publikum und applaudierte. Dort, wo er hin gehört, in Österreich, dort wo alles angefangen hat.

Und nachdem er ja mit seiner Musik im Stande ist, ganze Regime niederzureißen, vielleicht könnte er ja ein wenig hier bleiben und bei ein paar Problemen helfen: das Strache-Regime zu Sturz bringen, Karl Heinz Grasser in die Arme der Justiz treiben, die Asyl-Problematik in den Griff zu bekommen und die ganzen neo-faschistoiden Ungustl wegzujagen. Nachdem er ja die DDR zu Fall brachte, sollte das kein Problem sein. Gehasselt werde dein Hoff.

(Markus Brandstetter. Foto: Davidhasslehoff.com)

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