Wien – Leben

Früher war alles besser - Billiger (c) STADTBEKANNT
Früher war alles besser - Billiger (c) STADTBEKANNT

Früher war alles billiger

13. Februar 2018 • Leben

Lebten unsere Eltern noch in Saus und Braus?

Ach, wie schön war’s damals, als das Eis nur ein paar Schilling kostete und das Kilo Brot nur umgerechnet 40 Cent! Doch ist heute wirklich alles teurer? Ein Vergleich.

Die Zahlen sprechen auf den ersten Blick eine klare Sprache: Kostete ein Kilo Brot um 1960 noch etwa 40 Cent, waren es 1990 schon um die 1,40 Euro. Heute zahlt man gut 2,30 Euro für einen Kilo-Laib Mischbrot vom Billa. Auch das Biertrinken im Wirtshaus ist nicht mehr, was es einmal war. Anno 1990 kam man für den Konsum eines Krügerls noch mit wohlfeilen 1,80 Euro davon, heute berappt man stolze 3,80 Euro, also mehr als das Doppelte.

Eines gleich vorweg: Die Preise sind tatsächlich gestiegen. Doch die Katastrophen-Optik täuscht. Neben den Preisen sind nämlich auch die durchschnittlichen Reallöhne gestiegen. Im Klartext bedeutet dies, dass wir für einen Laib Brot in etwa gleich lange arbeiten müssen wie unsere Eltern früher einmal.

 

Was ist billiger geworden, was teurer?

Betrachtet man die Preise für Alltägliches im Zusammenhang mit der Lohnentwicklung, so ergeben sich ein paar interessante Trends:

Tendenziell teurer als zur Zeit unserer Eltern sind Benzin und Diesel – wobei es hier starke Schwankungen gibt. Um sich ein Auto leisten zu können, muss man dafür heute kürzer schuften: In den 1950ern arbeitete man 13 Monate je 50h/Woche für einen VW Käfer. Heute braucht man 7 Monate bei einer 38,5h/Woche für einen VW Golf als fahrbaren Untersatz.

Wesentlich billiger als früher sind Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Fernseher, PCs, Kameras und Handys. Auch die Mobilfunktarife beschreiben einen Abwärtstrend.

Lebensmittel sind nur unwesentlich teurer geworden, obwohl uns hier selbst kleinste Veränderungen nach oben am Übelsten aufstoßen.

Für einzelne Lebensmittel – so etwa Bohnenkaffee, Huhn, Rind- oder Schweinefleisch – musste man in den 1960ern noch 8 mal so lange arbeiten wie heute.

 

Eine Sache des Gefühls

Wie bereits angesprochen sind es oft die kleinen Teuerungen bei häufig gekauften Dingen, die uns zur Weißglut bringen: So stört es uns etwa mehr, wenn die Butter plötzlich um 20 Cent mehr kostet, als wenn ein Paar Schuhe um 15,- Euro teurer wird.

Viele Menschen tendieren außerdem dazu, die Vergangenheit zu verklären: Früher war bekanntlich alles besser, also war auch alles billiger. Dass einiges früher teurer war und heute vergleichsweise wenig kostet, wird da schnell einmal vergessen. Immerhin ist es leichter, sich über die teure, schlechte Welt aufzuregen, als sich ehrlich über Verbilligungen zu freuen. Stichwort: Selektive Wahrnehmung.

 

Der Haken an der Sache

Einen gewaltigen Haken hat die Sache jedoch: Nicht alle verdienen im Reallohn tatsächlich mehr als anno dazumal. Da die soziale Ungleichheit über die Jahrzehnte gestiegen ist, mag der durchschnittliche Reallohn zwar heute höher sein – aber das untere Lohnspektrum verdient weniger denn je. So gesehen verwundert es kaum, dass immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze abgleiten und das (nicht unberechtigte) Gefühl haben, sich selbst das Notwendigste nicht mehr leisten zu können.

Das Jammern über Teuerungen ist allerdings quer durch alle Schichten verbreitet: Auch jene, die eigentlich auf der Schokoladenseite des Lebens gelandet sind, sudern. Zurecht? Oder handelt es sich hier bloß um den chronisch österreichischen Pessimismus? Das steht wohl in den Sternen …

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