Kultur – Film / TV

Wie der Wind sich hebt (c) 2014 Polyfilm Verleih
Wie der Wind sich hebt (c) 2014 Polyfilm Verleih

Filmkritik: Wie der Wind sich hebt

7. September 2014 • Film / TV

Das Leben des Jiro Horikoshi

2013 für den Oscar in der Kategorie ‚Bester Animationsfilm’ nominiert, 2014 bei uns in den Kinos: In Wie der Wind sich hebt wird das Leben des japanischen Flugzeugkonstrukteurs Jiro Horikoshi erzählt, der auszog um seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen und am Ende Kriegsflugzeuge baute.

 

Ein umstrittener Held

„Wie der Wind sich hebt / wir müssen versuchen zu leben“
Heißt es in jenem Gedicht von Paul Valéry, das den Film den Namen schenkte und wie ein roter Faden immer wieder in den zwei Stunden Laufzeit auftaucht. Darin folgen wir dem Leben von Jiro, der in den 1920er Jahren zu einem der wichtigsten Flugzeugkonstrukteuren Japans aufstieg und dort bis heute noch als wichtiger und zugleich polarisierender Mann gilt. Eins sei hier bereits wichtig: Es ist kein Film, der die Hauptfigur als Held darstellt, den Krieg bejubelt oder Kriegsflugzeuge in ein gutes Licht rückt. Es ist einfach ein Film, der in seiner Ästhetik und mit seinem Inhalt zum Denken anregt.

 

Geschichte meets Fiktion

Mit Jiro Horikoshi als Protagonisten wählte Regisseur Hayao Miyazaki eine Person, die zwar fest in der japanischen Geschichte verankert ist, allerdings nur als Inspiration gilt. Das Drumherum ist Fiktion, mit welcher er aber realistischer nicht hätte umgehen können. Beispielsweise wenn er mit enormer Leichtigkeit Kontext wie Wirtschaftskrise oder das Kanto-Erdbeben in die Erzählung einwebt. So gelingt es ihm, ein authentisches Bild der politischen Lage kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zu zeichnen und nicht an wenigen Stellen Denkanstöße zu geben. Beispielsweise mit der Frage, wie unschuldig ein Traum noch ist, wenn er zum Bau eines Kriegsflugzeuges eingesetzt wird oder anders formuliert: Welchen Platz darf Wissenschaft im Krieg haben?

 

Ein Meister verabschiedet sich

Miyazaki weiß, wie man Geschichten erzählt. Und so gut wie jeder von uns, wird eine seiner Erzählungen kennen. Denn hinter dem Gründer und langjährigem Leiter von Studio Ghibli steckt jemand, der so manchen von uns mit Filmen wie Das Schloss im Himmel, Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland oder auch Die letzten Glühwürmchen durch die Kindheit begleitete. Bei Wie der wind sich hebt, übrigens der erfolgreichste Film in Japan 2013, handelt es sich um seinen letzten. Damit verabschiedet sich ein Könner des Fachs, der nicht zuletzt von der Kritik dafür gelobt wurde, dem Anime auch im Westen einen angemessenen Platz reserviert zu haben.

Wie der Wind sich hebt kann als ein würdiger Ausklang verstanden werden, in dem Miyazaki noch einmal das Fliegen neben der japanischen Geschichte in das Zentrum rückt. Ein schöner Abschluss, den man sehen sollte. Gleich ob aus cineastischer Verehrung (der Herr hat schon Heidi gezeichnet!) oder aus Neugierde.

 

Wie der Wind sich hebt; JPN 2013
Originaltitel: Kaze tachinu
Buch und Regie: Hayao Miyazaki

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