Kultur – Film / TV

Transcendence (c) 2014 Tobis
Transcendence (c) 2014 Tobis

Filmkritik: Transcendence

2. Mai 2014 • Film / TV

„Logik ist nicht ihre Stärke.“, heißt es über eine neo-ludditische Terrororganisation in Wally Pfisters Science-Fiction-Fabel Transcendence, „Dafür mangelt es ihnen nicht an Ironie.“ Gleiches gilt für das unfertige Regiedebüt des Kameramanns. Nur ist die Ironie leider unfreiwillig.

 

Nicht die Technik ist der wahre Feind
Computerforscher Dr. Will Caster (Johnny Depp) und seine Frau Evelyn (Rebecca Hall) stehen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz kurz vor einem Durchbruch. Herbeigeführt wird er indirekt durch Attentate fortschrittsfeindlicher Terroristen, die ihn eigentlich verhindern wollen. Dem bei einem der Anschläge verwundeten Will bleibt nur wenig Lebenszeit, die Evelyn nutzt, um seinen Geist mit einem Supercomputer zu verbinden. Ihre Schöpfung ist ein digitaler Gott, dessen Macht und Kontrollhunger unkontrolliert wachsen.

Die wahre Bedrohung sieht Pfisters plumpe Parabel jedoch nicht in entmenschlichter Technokratie, sondern überemotionaler weiblicher Intelligenz, die nicht durch „maskuline“ Rationalität gelenkt wird. Ein Zeitsprung zwei Jahre in die Zukunft zeigt Evelyn als Besitzerin eines High-Tech-Labors, das sie und der digitale Will in einem Wüstenkaff mit via Netbanking transferierten Milliarden aus dem Boden gestampft haben. Inmitten der von besseren filmischen Vorbildern abgekupferten Sets sind Morgan Freeman und Cillian Murphy als väterlicher Freund und Kollege Joseph Tagger und FBI-Agent Buchanan nur Staffage. Während Evelyns und Wills früherer bester Freund Max (Paul Bettany), von den Terroristen gekidnappt, in Zeitraffer dem Stockholm-Syndrom verfällt, erkennt Tagger Evelyns seelisches Unglück in der Beziehung mit dem holografischen Will, bevor sie es wahrhaben will – obwohl das plumpe Charakterisierungs-Mittel „von wiederkehrenden Alpträumen geplagt“ keine Zweifel zulässt.

 

Ein bisschen was von allem
Der Plot wirft willkürlich Elemente aus Ghost in the Shell, Invasion of the Body Snatchers und Colossus (und ein bisschen HAL aus 2001: Odyssee im Weltraum) zusammen, ohne sich zu bemühen, die dazwischen klaffenden Logiklücken zu schließen. Was sagen die Medien zu Computer-Wunderheilungen und globaler Computerbedrohung? Was die Regierung? Sind die absehbaren Opfer eines totalen Blackouts, der den übermächtigen Will lahmlegen soll, Kollateralschaden? Gibt es auf der ganzen Welt kein einziges Notstromaggregat? Werden die Terroristenführerin Bree (Kate Mara) und ihre Mitstreiter für ihre Morde bestraft, oder geht das in Ordnung, weil sie mit ihrer Paranoia irgendwo auch richtig lagen? Warum benutzt Brees anti-technologische Organisation radioaktive Waffen? Und haufenweise technologische Geräte? Umgarnt Computer-Will Evelyn nur mit romantischen Bildcollagen oder einem ferngesteuerten Jack Rabbit?

 

„Das Internet sollte diese Welt kleiner machen. War dieses Versprechen nicht ein falsches?“, sinniert Max in Rahmenhandlung, die den Ausgang ungeschickterweise vorweg verrät. Nö. Falsch ist nur das Versprechen von Regisseur, Besetzung und dem bedeutungsvollen Titel: von intelligenter Sci-Fi-Unterhaltung

 

Transcendence
Regie: Wally Pfister, Drehbuch: Jack Paglen
Darsteller: Johnny Depp, Rebecca Hall, Paul Bettany, Cillian Murphy, Kate Mara, Morgan Freeman
Filmlänge: 120 Minuten

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