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Kino (c) STADTBEKANNT
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Filmkritik: Cave of Forgotten Dreams

9. November 2011 • Film / TV1 Kommentar zu Filmkritik: Cave of Forgotten Dreams

Als er die Chauvet-Höhle zum ersten Mal betrat, wusste Werner Herzog, seines Zeichens Legende des Autorenkinos, dass er seine Dokumentation über die ältesten jemals entdeckten Höhlenmalereien der Welt in 3D Filmen musste – und schon nach wenigen Minuten im Film fragt man sich, wie eine Naturdoku jemals in 2D funktionieren hat können.

Und so betritt man die Höhle, die 30.000 Jahre lang verschlossen war, bevor sie 1994 durch Zufall entdeckt wurde, mit Herzog und seinem kleinen Filmteam: es geht in eine Welt aus Stein, Dunkelheit, Kalcit, hinein durch den Eingang, der mittlerweile durch eine massive Tresortür verschlossen ist, da das Klima nicht gestört werden darf geht es durch enge, abschüssige Gänge und riesige Räume. Nur auf schmalen Metallstegen darf gegangen werden – verließe man diese, zerstörte man den abertausend Jahre alten Boden: Knochenfelder, Fußabdrücke, Feuerstellen, tausende Jahre alte Zeugen einer Kultur, die, wie der Film sagen möchte, unserer gar nicht so fremd ist: denn geträumt und vor allem gemalt wurde auch damals.

Steinzeitliche Medientheorie

Die Hauptakteure sind also die bemerkenswerten Höhlenmalereien von Menschen, die vor 30.000 Jahren hier waren, einer Zeitdauer, die für heutige Maßstäbe unvorstellbar ist – und die nicht nur mit einer erstaunlichen Detailkenntnis und Kunstfertigkeit erstaunen, sondern auch mit pointierter Erzählweise; sogar Bewegung wird mit vielbeinigen Bisons angedeutet. Wenn sich also damals mit dem flackernden Licht der Feuerstellen die Bilder zu bewegen begannen, sah man da nicht die Urform des Kinos vor sich? So sitzt man also vor der Leinwand wie der damalige Mensch vor der der Höhle und trifft sich irgendwie im Geiste – solche und ähnliche Gedanken wirft Herzog, der den Voice-Over Text selbst spricht, in den spirituelleren Momenten des Films auf, die es durchaus schaffen, zu berühren.

Archäologie der Gegenwart

Dass Archäologie zwar nichts mehr mit Indiana Jones zu tun hat, sondern eine exakte Wissenschaft geworden ist, tut ihrer Spannung keinen Abbruch – die Fragen, mit denen sich das Team der Wissenschaftler beschäftigt, reichen weit in die Gegenwart hinein und drehen sich um die Conditio Humana per se – und auch die Wissenschaftler selbst sind durchaus interessante Gestalten, wie etwa Maurice, ein ehemaliger Parfumeur, der noch versteckte Höhleneingänge „erschnüffelt“, oder ein anderer, der mit einer Jahrtausende alten Elfenbeinflöte die Amerikanische Bundeshymne spielt.

Aber egal, wer in diese Höhle hinein geht, heraus kommt ein anderer Mensch – die spektakulären Höhlenformationen, die Jahrtausende alten Gesteins- und Kalkablagerungen, das Spiel mit der Licht und Dunkelheit und vor allem die Jahrtausende alten Felsmalereien, die so frisch wirken, als wären sie erst gestern gemalt worden, lassen den Homo Sapiens seine eigene Verankerung in der Geschichte hinterfragen.

Cave of Forgotten Dreams, deutsche Fassung
4.11. – 2.12.2011
täglich 16.45, 19:00, 21:15
Gartenbaukino

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Eine Antwort auf Filmkritik: Cave of Forgotten Dreams – Verstecken

  1. an_na sagt:

    Cave of Forgotten Dreams
    Klingt wirklich sehr spannend – werde ich mir ansehen! Danke für den Tipp!

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