Kultur

Narrenturm (c) Mautner stadtbekannt.at
Narrenturm (c) Mautner stadtbekannt.at

Filesharing per Hauswand. Raus aus der Cloud – rein in die Stadt!

23. November 2010 • Kultur

Das Konzept der DeadDrops ist so simpel wie genial: Ein USB-Flashlaufwerk wird so in eine Hausmauer einbetoniert, dass jede/r seinen Laptop (entweder direkt oder per USB-Kabel) daran anschließen kann – und schon können Daten ausgetauscht werden: Peer-to-Peer, anonym und offline.
Die Idee weckt Kindheitserinnerungen – wer hat früher nicht geheime Botschaften in hohlen Baumstämmen oder hinter losen Ziegeln ausgetauscht? Genau um dieses Konzept – das des toten Briefkastens (engl: dead drop) geht es, und es hat nun endlich auch die Welt der Bits und Bytes erreicht: erst im Oktober 2010 wurde das Konzept von Aram Bartholl in New York geboren, keine vier Wochen später überspannt das Guerillanetz bereits die halbe westliche Welt – seit 19.11.2010 ist auch Wien Teil davon.

Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade?

Klarerweise unterscheidet sich das Konzept wesentlich von Soulseek und BitTorrent – schließlich kann man nie wissen, was sich auf so einem USB Laufwerk tatsächlich befindet – und genau das ist auch der Thrill an der Sache: vom Porno bis zum Kunstprojekt, von Familienfotos bis zum selbst programmierten Spiel, alles kann jederzeit von jedem User rauf- und runtergeladen und natürlich auch wieder gelöscht werden. Da das ganze rein offline passiert, sind die einzelnen USB-Drives natürlich nicht miteinander vernetzt und können nicht von Außen eingesehen werden – jeder DeadDrop ist ein Überraschungsei.

Ein paar kleine Makel hat das Projekt natrürlich: die theoretische Anonymität ist durch Tracking-Software und Konsorten eigentlich Illusion, und Viren, Trojaner und Würmer können theoretisch schnell dafür sorgen, dass der Laptop beim anschließen an den DeadDrop gleich mal unbrauchbar wird. Allerdings findet man bösartige Software auch auf den gängigen Filesharing-Plattformen, und mit den richtigen Schutzvorkehrungen sollte das niemanden davon abhalten, Teil des Projekts zu werden!

Dead Drop Vienna

Apropos Teil des Projekts werden: Jeder kann jederzeit seinen eigenen DeadDrop installieren. Eine gute Location, ein altes USB-Laufwerk, Duct-Tape und ein bisschen Beton ist alles was man dafür braucht – schnell einbetonieren, auf deaddrops.com eintragen, und schon ist das Netzwerk wieder ein bisschen gewachsen. Bis es soweit ist müssen wir uns allerdings mit dem ersten und bisher einzigen Wiener DeadDrop begnügen: CrazyTower nennt sich der, befindet er sich doch direkt in der Mauer des ehrwürdigen Narrenturms im alten AKH. Wer dort vorbeischaut wird garantiert ein paar Überraschungen erleben.

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“ (Agamben)

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DeadDrop Wien CrazyTower

Spitalgasse 2
1090 wien
http://deaddrops.com

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