Wien – Leben

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Falscher Fuffziger

29. Mai 2010 • Leben

Da lacht er, Mahatma Gandhi und neben ihm prangt eine dicke, fette Null. Ansonsten sieht der Schein aus wie eine echte Banknote, nur eben mit dem Nennwert von Null Rupien. 
Erfunden wurde das geschwundene Geld um das große Problem der Bestechung in Indien anzuprangern. 

Fast nichts geht am Subkontinent ohne eine kleine Handsalbe. Besonders im öffentlichen Bereich ist ohne Spende oft nichts zu holen. Ob Grundbucheinträge oder Geburtsurkunden, alles hat seinen illegalen Preis.
Dagegen kämpft die Organisation 5th Pillar an, indem sie seit 2004 rund eine Million der dem 50 Rupien-Schein nachempfundenen, aber wertlosen Noten gedruckt und verteilt hat. Immer öfter bekommen nun korrupte Beamte die Protestnote in die empfangsbereiten Hände gedrückt. Und diese tun ihre Wirkung, wie der Präsident des Projekts Vijay Anand stolz feststellt. Widerstand habe es bis dato kaum gegeben. Ein verdutzter Beamte soll sogar bereits das Geld zurückgezahlt haben, das er für den Elektrizitätsanschluss einiger Dörfer eingetrieben hat. 

Allein im vergangenen Jahr sollen laut Transparency International in Indien 5 Milliarden Euro an Schmiergeldern gezahlt worden sein. Dabei geht die Bestechungspraxis durch alle gesellschaftlichen Schichten. Doch besonders die Ärmsten litten unter der Erpressung durch Behörden und Polizei.
Andere müssten sich Berufschancen oft erst erkaufen. Jeder zweite Inder soll laut der Schätzung schon einmal Schmiergeld gezahlt haben.

Erfunden wurden die Zero Rupees vom in den USA lebenden Physiker Satindar Bhagat, der sich bei einer Reise in die Heimat über die dortige Korruption geärgert hat. Bald wurden sie in insgesamt fünf indischen Sprachen gedruckt.
In der Zwischenzeit bietet 5th Pillar sogar Protestnoten für andere Länder an. Für Österreich leider nur eine veränderte 500 Schilling Note, sollte es aber bald null Euro Scheine geben dürften die Schulden der Hypo Alpe Adria kein Problem mehr sein.

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