Kultur – Literatur

alter jüdischer Friedhof (c) STADTBEKANNT Mallmann
Alter jüdischer Friedhof (c) STADTBEKANNT Mallmann

Er hat den Besen weggestellt…

20. Mai 2010 • Literatur

Manche Menschen sammeln Bierdeckel und andere Briefmarken. Eine etwas ausgefallenere Leidenschaft pflegt der Deutsche Christian Sprang. Seit nun über 30 Jahren sammelt der Jurist ausgefallene Todesanzeigen. Von denen hat er inzwischen so viele, dass er 2003 eine Hompage eröffnete und im Sommer diesen Jahres zusammen mit dem Autor Mathias Nöllke ein Buch mit den Glanzstücken seiner Sammlung herausgab Aus die Maus. Ungewöhnliche Todesanzeigen.

´s is Feierobnd, lässt beispielsweise eine Familie aus dem alemannischen Raum wissen, die um ihre verstorbene Mutter trauert. „Schüss Oma“, „Und Tschö“ oder kurz und prägnant „Tot!“ waren auch Versuche das Unvermeidliche in aller Knappheit zu formulieren.
Im Gegenzug wollen manche Zeitgenossen wiederum ihre Liebsten in würdigen und vor allem vielen Worten die letzte Ehre erweisen.
„Mein Gott, Walter, es ist wirklich wahr, 15 Jahre Rollstuhl dein Rentenalter war. An deinem 86. Geburtstag am 19. Februar kamst du ins Krankenhaus, oh Graus – nach 3 Monaten als Schwerstkranker kamst du nach Haus.“

„Der Tod gewann schneller als gedacht, dein letztes Würfelspiel ist gemacht. Du wirst nicht mehr über dem Lottoschein schwitzen und nie wieder in geselliger Runde sitzen. Dein Leben waren ASBACH und KIPPEN, du zogst durch die Kneipen trotz nichts auf den Rippen.“ – Zeilen unverkennbar aus dem Lande der Dichter und der Denker.

Manche Trauernden stellen die Sterbeanzeigen ihrer Liebsten auch unter ein Motto. „Er hat den Besen weggestellt“, heißt es da über einen Kaufhausangestellten. Von etwas mehr Vertrautheit zeugt da schon „Wie im Leben – Oma rief – Opa kam“ oder „Ein Gänseblümchen macht nun für immer bubu“.

Doch nicht nur trauervolle und gramgebeugte letzte Grüße scheinen in Sprangs Sammlung auf. Manch verärgerter Zeitgenosse will auch noch auf dem letzten Gang nachtreten. „Zum Tode von Dr. med. Volker P fällt mir nur ein Wort ein: Danke“, lässt ein augenscheinlich verärgerter Patient wissen. Dass dieser noch nicht den Gipfel an Pietätlosigkeit erklommen hat, dafür sorgt ein knapper Zusatz zu einer anderen Sterbeanzeige: „Jetzt wird gefeiert!“

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