Lifestyle – Skurriles

Antiquierte Sportarten
Antiquierte Sportarten

Eine Hommage an antiquierte Fortbewegungsmittel

4. Juni 2013 • Skurriles

Nicht in Verwendung und trotzdem nicht vergessen

Was jetzt genau der dernier cri ist, um sich durch den Großstadtdschungel zu bewegen, konnten wir nicht so genau eruieren. Am ehesten lässt sich noch ein Retrotrend im Sinne von „Zurück zum Ursprung (der urbanen, nicht motorisierten Fortbewegung)“ ablesen, indem der gute alte Drahtesel wieder zum state of the art gekürt wurde.

Scheinbar verschwunden sind die Fortbewegungsmittel der 90er- und Nullerjahre: Diese etwas skurrilen Transportmittel, die mithilfe seltsamer körperlicher Verrenkungen angetrieben und trotz Behinderung sämtlicher anderer Verkehrsteilnehmer rücksichtslos-leidenschaftlich durch den Stadtverkehr manövriert wurden. Wir haben sie nicht vergessen. Wir zollen den antiquierten Fortbewegungsmitteln Tribut.

 

Snakeboards

Snakeboards sind so etwas wie eine Art reptilo’eske Skateboard-Derivate. Irgendwann Mitte der Neunziger sah man zahlreiche Jugendliche, die sich auf zwei Spannholzplatten mit Rollen darunter, mithilfe spastischer Körperzuckungen am Gehsteig vorwärts bewegten. Laut Wikipedia konnten „die Füße rhythmisch zueinander und wieder auseinander gedreht werden und gleichzeitig mit dem Oberkörper unterstützende Drehbewegungen ausgeführt werden, das Board (nimmt) fahrt auf. Ohne dass die Füße den Boden berühren, können so Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h erreicht werden.“ Nun diese talentierten Snakeboarder hat man hierzulande eher selten gesehen, häufiger anzutreffen waren etwas ungelenke, pummelige Teenager, die ohne Kontrolle und erkenntliche Richtung die Gehsteige behinderten. Wir vermissen sie trotzdem.

 

Kickboards

Ein grausames Hybrid zwischen Skateboard und Scooter sind die gemeingefährlichen Kickboards. Was genau Sinn und Zweck dieses Gefährt sein soll hat sich uns nie zur Gänze erschlossen. Man ist weder so schnell und wendig wie mit einem Scooter, noch kann man die Vorzüge des Skateboards mitsamt seiner Tricks genießen. Ein Kickboard hat Ähnlichkeit mit einem Muli: Zweckgemäßg, aber nicht wirklich überlebensfähig.

 

Scooter

Unseres Erachtens sicherlich die eigenartigste Mobilitätsvariante. Wer bitte kam auf die Idee, ein niedliches Kinderfahrzeug (Zielgruppe 3-5 Jahre) als straßentaugliches Erwachsenengefährt umzufunktionieren? Im Gegensatz zu den anderen antiquierten Fortbewegungsmitteln sind Roller (oder cooler: Scooter) nach wie vor regelmäßig im Alltagsverkehr anzutreffen. Hierbei haben sich mittlerweile drei Gattungen hartgesottener Scooterfahrer herauskristallisiert:

1. Kinder:
Die sicher natürlichsten Benutzer dieses Zweiradgefährts. Zwar erregen auch sie in öffentlichen Verkehrsmitteln Ärgernis, wenn sie ihre Metallroller gegen die Schienbeine unbedarfter Mitfahrgäste schlagen lassen, aber ja. Kinder halt. Etwas eigenartiger ist dann schon die nächste Kategorie.

2. Anzugträger:
Ja es gibt sie immer noch. Diese etwas seltsamen Männer Mitte 40, ausgestattet mit Anzug und Laptoptasche, auf einem dieser Kindergefährte. Und ja, es sieht irgendwie lächerlich aus. Und nein, es wirkt nicht sportlich-aktiv. Es wirkt einfach nur irgendwie deplaziert. Und von den Anzugträgern ist es eigentlich nur mehr ein kleiner Schritt zur dritten Untergruppe der Rollerfahrer.

3. Junggebliebene Pensionisten:
Eine Zeit lang zierten sie das Stadtbild – Senioren in atmungsaktiver Goretexkleidung und Jack-Wolfskin Jacke auf Kinderrollern. Irgendwie ein seltsamer Kurzschluss. Jedoch macht sich eine neue Tendenz bemerkbar: die Best-Agers sind mittlerweile wohl nicht mehr so angetan von körperlicher Anstrengung und werden vermehrt auf Segways gesichtet. Was nicht minder gefährlich ist.

 

Inline Skater

Eine bedrohte Spezies, die Inlineskater. Vereinzelt trifft man sie noch an, zumeist in den Wiener Naherholungsgebieten und dann in Gruppen, vermutlich aus Angst vor Verhöhnung. Doch dem war nicht immer so, Inlineskaten war nicht immer eine Randsportart. Ihre Hoch- und Blütezeit hatten die generalüberholten Rollschuhe definitiv in den Neunzigern: Kein Gehsteig, kein Skatepark, den die flinken Rollerblader nicht unsicher gemacht hätten. Und damals war das ja auch irgendwie cool, wenn man entweder als Hausfrau in engen Radlerhosen und Knieschützern auf der Donauinsel dahincruiste oder als prä- oder postpubertierender Jugendlicher im überdimensionalen Skatepark irgendwelche Tricks vorführte. Tja, das goldene Zeitalter der Rollerblader ist jetzt wohl vorbei.

Jetzt also, in den Terrific Tens fahren wir unsere sündhaft teuren Rennräder mit Alurahmen oder auf customised bicycles und ja, vermutlich sehen wir nicht ganz so peinlich aus wie damals in den Neunzigern. Aber irgendwie vermissen wir die antiquierten Randsportarten wie Inlineskaten oder Snakeboarden.

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