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Wien Ausblick Häuser (c) STADTBEKANNT
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Ein kleines beschissenes Land und andere Gemeinheiten

29. Juni 2013 • Skurriles

Seit dem 19. Jahrhundert hat die gute alte Tradition, europäische Nachbarländer zu beschimpfen, immer mehr an Beliebtheit verloren – leider. Wir liefern Anregungen zum gepflegten Beschimpfen der Nachbarn.

Klar, wer sich von Ostbanden, Oststaaten, deutschen Medizinstudenten und Pleitegriechen umgeben sieht, darf nicht wahnsinnig empfindlich sein, wenn aus dem Ausland Schimpfe kommt. Überhaupt dann, wenn es für diese wie im Fall der litauischen Schelte, gute Gründe gibt. Gleichzeitig muss man aber doch auch sagen, dass ein "kleines beschissenes Land" ein seltsamer Vorwurf aus einem Land ist, das auf einer Nussschale Platz hat – um auch gleich einmal gepflegt zurück zu schimpfen. Andererseits wurde das so auch nie gesagt, aber das ist egal, die Geschichte hat sich so schnell verselbstständigt, da kann man ruhig auf den Zug aufspringen.

Bedauerlicherweise, wenigstens aus Sicht des Schimpfenden, ist das Beleidigen anderer Nationen etwas in Verruf geraten. Hatte das Schimpfvokabular vom Piefke bis zum Katzelmacher und Froschfresser, noch vor wenigen Jahrzehnten viel anzubieten, so schickt sich das heute nicht mehr. Manche meinen gar, es wäre nicht politisch korrekt.

Da ist es doch dringend geboten schimpftechnisch upzudaten, um das befreundete Ausland zu beflegeln. Stadtbekannt wagt einen Ausflug durch national(istisch)e Schimpf und Schande.

Europa von Österreich aus betrachtet:

Das Baltikum: Immer noch fällt es den meisten sehr schwer, Lettland, Estland und Litauen auf der Karte zu finden, vor allem aber, sie innerhalb des Baltikums korrekt zuzuordnen. Das ist nun auch kein Wunder, sind doch alle drei Länder kaum größer als Vösendorf. Als Schimpf bieten sich allerlei Größenvergleiche an: "Dein Land ist sooo klein, dass es durch ein Nadelöhr geht.“ „Dein Land ist soooo klein, dass es ins Sommerloch fallen würde“, oder ähnliches.

Deutschland: Vergessen ist längst, dass jahrzehntelang Österreicher nach Deutschland auswanderten. Jetzt ist das nämlich umgekehrt und seither hat Deutschland hierzulande nicht den besten Ruf, oder anders gesagt, der Ruf passt sich immer mehr dem deutscher Touristen in Tirol an und der ist tendenziell nicht gut. Als Beschimpfung bietet sich neben dem Pisaflüchtling (was aus österreichischer Sicht aber sehr peinlich ist) vor allem der Numerus Clausus -Flüchtling an. Wirtschaftswissenschaftler schimpfen hingegen gerne mit „ihr Leistungsbilanzüberschüssler“. Eher aus der Mottenkiste des Schimpfens ist der Verweis auf die Landesküche. Nicht ohne Grund wurden sie in England jahrhunderte lang als „Krauts" bezeichnet und da wird schon was Wahres dran sein..

Skandinavien: Alle Skandinavier haben gemeinsam, dass sie in Gegenden leben, die für die menschliche Besiedelung eigentlich nicht geeignet sind. Zwar können sie sich zugute halten, dass die Isländer in dieser Hinsicht noch unklüger waren. Aber dennoch gilt: Menschen, die freiwillig in bitterer Kälte und tiefster Finsternis leben zu beschimpfen, ist gemein und sollte deshalb unterlassen werden!

Italien: Ist arm dran. Wer jahrelang einen (kriminellen) Premierminister hatte, dessen Witze für den Villacher Fasching zu tief wären und das Ganze auch noch als Politik ausgibt, der ist vom Schicksal nicht verwöhnt. Das Duo des Grauens, Mafia und Müll erledigt den Rest. Auch Italien sollte deshalb schimpftechnisch geschont werden, wer es aber nicht lassen kann, spielt italienischen Gästen einfach Berlusconi Reden im Dauerdurchlauf vor. Wenn es strafverschärft sein soll, bietet sich die Hymne von Berlusconis Partei „Was wären wir ohne Silvio“ an.

Frankreich: Auch auf Frankreich lastet die Vergangenheit schwer: Über das Traumpaar Carla Bruni und Nicolas Sarkozy hilft auch der sympathischere Hollande nicht wirklich hinweg. Aber damit nicht genug. Denn Frankreich hat auch Marine Le Pen und Dominique-Strauss-Kahn. Neben Politikerbashing a la „und ich dachte Strache wäre schlimm, dann habe ich mir eure Politiker mal angesehen“, bietet sich aber Ignoranz an. Der Verweis auf die weltpolitische Unbedeutendheit der Grande Nation ist fast immer erfolgreich, noch schöner sind aber Vergleiche mit Deutschland. „Ihr seid doch das recht unbedeutende Land neben Deutschland?“, oder "Ich fuhr mal Renault, jetzt habe ich ein richtiges Auto“ sind fast immer ein Erfolg.

Niederlande: Niederländer beenden den Österreichurlaub sehr gerne mit dem Heimtransport durch den Gipsbomber, alleine dafür sollte man sie schon mehr bemitleiden als schimpfen. Da noch auf den Schikenntnissen herumzureiten, wäre kindisch. Holländische Freunde lassen sich aber leicht durch ein „Wow gehst du zum selben Friseur wie Geert Widlers?“, aus der Fassung bringen, wenn eine Beleidigung doch mal sein muss.

Ungarn: Ungarn ist in vielerlei Weise eine schlechte Kopie von Österreich. Der Balaton ist so was wie der Neusiedlersee, Budapest versucht sich als Wien, Orban als Strache und von Otto Habsburg bekamen sie nur das Herz.

Schweiz: In der Schweiz spricht man eine Sprache, die aus Wiener Sicht noch unverständlicher ist als Vorarlbergerisch und das will schon etwas heißen. Beschimpfen kann man die Schweizer mangels der Fähigkeit auch nur ein Wort zu verstehen, eigentlich nicht. Aber vielleicht ist das ja schon Schimpf genug.

Großbritannien: Wir haben vielleicht die Kronenzeitung, aber ihr habt News of the World. Das sollte eigentlich genügen, damit manch ein Engländer sich beim fünf Uhr Tee verschluckt. Wer wirklich tief werden will, behauptet aber einfach einmal, dass London auch nicht mehr als ein billiger Abklatsch von Berlin ist oder verweist darauf, dass dieses Land außer Regenwolken und Finanzkrisen eigentlich nichts exportiert.

Griechenland: Hier noch zu schimpfen wäre wirklich zu viel. Außerdem machen das Boulevardzeitungen Land auf Land ab ohnehin schon zur Genüge. Wenn eine Beleidigung aber doch sein muss, spielt griechischen Freunden „Griechischer Wein“ vor. Achtung! Ohrfeigengefahr.

Spanien: Dieses Land ist genug gestraft – nicht nur, dass es zusehends in die Fußstapfen Griechenlands tritt. Nein, viel schlimmer noch: tummeln sich dort doch noch mehr deutsche Touristen als in Tirol. Andererseits könnte man sich ja schon mal fragen, was es über die kollektive Psyche aussagt, dass ein „Sport“, bei dem es um das Abschlachten von Stieren geht, so populär ist. Bestimmt nichts Gutes jedenfalls.

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