Wien – Wienerisch

Wienerisch - Flitscherl (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - Flitscherl (c) STADTBEKANNT

Ein Beruf, viele Worte

14. Mai 2016 • Wienerisch

Freudenmädchen in Wien

Auf den Berufsstand der Prostituierten weisen in Wien zahlreiche Wörter hin.

Freundlich-liebevoll bezeichnet man sie als Liebesdienerin, leichtes Mädchen, Freudenmädchen oder Blosengerl („Blasengel”, wobei ersteres Wort für die Tätigkeit und zweiteres für Qualität steht). Weniger freundlich sind Flitscherl („Flittchen”), Hua („Hure”), Schnoin („Schnalle”, bei Arbeitsplatz am Wiener Gürtel auch Girtlschnoin), oder Baa (von „Bein”, „Knochen”; wohl eine Anspielung auf die oftmals dürre Körperform der Frauen). Die derbsten Schimpfwörter für besonders unfreundliche oder unansehnliche Prostituierte sind Nudlfriedhof, Beidlgruft (keine näheren Erläuterungen!)
und Huanviech.

Ähnlich wie Richard Lugners Frauenbekanntschaften werden in Wien Prostituierte auch oft mit Tiernamen bedacht: Gebräuchlich sind etwa Betthaserl, Strichkotz („Strichkatze”), Schnepfm („Schnepfe”), Drossl („Drossel”) oder Pfertal („Pferdchen”).

Wohl in Anlehnung an den 1906 erschienenen erotischen Skandalroman „Josefine Mutzenbacher. Die Geschichte einer Wienerischen Dirne” existiert auch das Wort Muddsn als Bezeichnung für eine Prosituierte. Pikant: Als Schöpfer des pornographischen Buches vermutet man heute Felix Salten, den Autor des von Disney verfilmten Kinderbuches „Bambi”.

Sie gehören zu Wien wie die Tauben zu Venedig: Die Beserlparks; innerstädtische Grünflächen meist erbärmlich kleinen Ausmaßes. Dass das Beserl- vor dem Park aber keineswegs auf die mickrigen, büschelartigen Bäume bezogen ist, sondern auf die ursprünglich in diesen Parks agierenden Dirnen, wissen nur wenige. Im Gegensatz zu offiziell registrierten Prostituierten arbeiteten Beserln eher im Verborgenen.

 

Tipp für Vielschimpfer

Wer jemanden einfach nur so beleidigen möchte, kann dies mit Sätzen wie „Schleich di, schiaches Huankind!” oder „Hupf in Gatsch, du Huankind” (beides: „Entferne dich aus meinem Gesichtsfeld, du Kind einer Käuflichen!”) effizient tun (siehe auch Huanbeidl).

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »