Wien – Wienerisch

Hin in der Marille - Maria Antonia Graff
Hin in der Marille - Maria Antonia Graff

Dümmliche Typen in Wien

20. April 2016 • Wienerisch

Von Hirnhapplern und sonstigen hirnwaachen Gesellen

Wie kann man jemanden zuverlässig beleidigen, ohne die Gürtellinie zu unterschreiten oder gar in Fäkalsprache zurückzufallen? Man unterstellt dem Streitpartner unzureichende intellektuelle Kapazitäten. Aus diesem praktischen Grund gibt es im Wienerischen zahlreiche Möglichkeiten, das Hirn des Gegenübers zu diffamieren.

Jemanden, der einfach nur ein bisserl deppat ist, bezeichnet man etwa als hirnwaach („hirnweich”), waach in da Marüün („weich in der Marille” = wirr im Kopf) oder hirndeppat. Ist das Gehirn nicht nur leicht aufgeweicht, sondern gänzlich abwesend, ist das passende Vokabel hirnamputiert oder hin in da Marüün . Eine weitere Möglichkeit ist ein löchriges Hirn: Jemand, der ein Hirn wia’ra Nudlsieb hat, gilt als vergesslich – die Gedanken entrinnen ihm, wie Wasser, das durch ein Nudelsieb rinnt. Wenn jemand einen Hirnpecker hat, wurde das Hirnkastl vermutlich durch stumpfe Gewalteinwirkung beschädigt. Das Spotznhirn („Spatzenhirn”) ist klein, geradezu winzig.

Wer nach einem passenden Wort zur gebrüllten Anwendung sucht – etwa aus dem offenen Autofenster im zähen Abendverkehr Wiens – dem ist eventuell mit einem lauten, deutlichen „Sie gstörter Hirnhappler!” geholfen. Was den
„Happler” angeht, ist man sich über die Bedeutung nicht gänzlich im Klaren, vermutet wird eine Ableitung von „Haupt”, also „Kopf”. Ein Hirnederl („-ederl” von „öde”) ist jemand, in dessen Schädel gähnende Leere vorherrscht. Der Hirnwixer hingegen ergeht sich derartig ausgiebig in sinn- und fruchtlosen Gedanken, sodass man seine absurden Hirnaktivitäten getrost als geistige Masturbation bezeichnen kann.

Ist das Hirn des Gegenübers geradezu überquellend vor Blödheit, so trifft dieser Satz den Nagel auf den Kopf: „Dir ham’s ins Hirn gschissn und net owelossn!” („Dir hat man wohl in den Kopf gekackt und vergessen, die Klospülung zu betätigen!”)

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

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