Wien

Schnackseln wie ein echter Wiener - Falco (c) STADTBEKANNT Patricia Fontanesi

„Du, entschuldige, i kenn di…“

8. Dezember 2017 • Wien, Wienerisch

Süßholzraspeln, Sex, Schmerz und echte Liebe im Austropop

 

„Der legendäre Wixerblues“ – Georg Danzer

In diesem melancholischen Lied von 1976 erzählt ein Wiener Schwerenöter von seiner Erfolglosigkeit bei der Damenwelt und der daraus resultierenden Notwendigkeit der Onanie. Nicht einmal die „Blade aus der Trafik“, die „geile Sissi“ oder die „schiachsten Praterhurn“ lassen sich bezirzen! Fazit des resigniert raunzenden armen Tropfs: „Auf mi steht kane, ja kruzifix. Was soll i machen? I wix, sonst nix.“

Weisheit 1: Selbst ist der Mann. (Und die Frau.)

 

„Küss die Hand schöne Frau“ – Erste Allgemeine Verunsicherung

Wie man in einem Lokal einen gelungenen Aufriss hinlegt, führt dieses beschwingt-lustige Lied von 1987 trefflich vor Augen. Süßholzraspelnd („So allein, schöne Frau? Mei, san ihre Augen blau!“) verführt der Protagonist die „Dame seiner Wahl“ und landet schließlich mit ihr im Bett. Blöd nur, dass der notorische Frauenheld verheiratet ist, sieben Kinder und einen Hund hat …

Weisheit 2: „Ich liebe dich, das ist kein Scherz“ kann sehr wohl ein Scherz sein.

 

„Du, entschuldige, I kenn di“ – Peter Cornelius

Schnulzig und romantisch geht es in diesem Lied zu, in dem ein einsamer Kerl im Wirtshaus seinen Schwarm aus der Schulzeit wiedertrifft und dabei in nostalgischen Erinnerungen an ihre engen Jeans und ihre blauen Augen schwelgt. Er spricht sie an und hat trotz interessanter Wortwahl (nächtelange Schlaflosigkeit wegen eines Augenzwinkerns ist doch leicht übertrieben) beim Flirten Erfolg.

Weisheit 3: Die meisten Frauen mögen es gar nicht, mit „Bist du net die Klane?“ angegraben zu werden.

 

„Du Oasch“ – Nino aus Wien

Die Freundin beim Fremdgehen mit einem verheirateten Bekannten zu erwischen, ist hart. Das empfundene Leid in raunzige Liedform und derbe Worte verpackt hat der Nino aus Wien. Wundersam: In einer Zeile zeigt er fast Verständnis für den Freundin-Ausspanner, weil: „mit deiner Oidn kannst nur Kuchen bockn und fernschaun“.

Weisheit 4: „Oasch“, „Bitsch“ oder „Hex“ sind mögliche milieutypische Verbalinjurien von verletzten Wiener Herzen. Zum Alltagsgebrauch eignen sie sich eher nicht.

 

„Die Ballade vom verlorenen Tschurifetzn“ – Georg Danzer

Ein wahres Meisterwerk vom Altmeister des Wienerliedes ist diese Ballade über ein kleines Après-Geschlechtsverkehrs-Helferlein (siehe S. 39, 54), das die Marie ärgerlicherweise verräumt hat. Wer wissen möchte, ob die Katze das das verflixte Fetzerl ergatterte und wo es letztendlich wieder aufgetaucht ist, muss sich das Lied schon selbst anhorchen …

Weisheit 5: Man sollt’ es nicht benutzen zum Schuhe- oder Fensterputzen!

 

„Langsam wachs ma zam“ – Wolfgang Ambros

Langjährige Liebe gibt’s nicht ohne Probleme. Persönliche Differenzen, aber auch monatelanges Nicht-Sehen und alltägliche Querelen gehören dazu. Dennoch ist der Grundton optimistisch: „Wir bleiben zam solang ma wolln, und solang wir uns was geben. Und irgendwie glaub i, i spür, es wird sein fürs ganze Leben.“ Ein Kuschel-Lied für alle, die wie füreinander geschaffen sind!

Weisheit 6: Liebe bleibt bestehen, wenn man sich immer wieder neu entdeckt.

 

„Weu’st a Herz host wia’ra Bergwerk“ – Rainhard Fendrich

In diesem Lied lernen wir, warum manche Beziehungen halten: Nämlich dann, wenn man sich gegenseitig braucht und sich dennoch nicht besitzen will, und wenn man immer weiß, was man am anderen hat. Auch harte Zeiten durchsteht man gemeinsam – selbst „wann da beste Freind si schleicht“, ist der/die Liebste immer noch da. Ein Hit zum Mitschunkeln, häufig gespielt auf Skihütten und vielgesungen von Betrunkenen.

Weisheit 7: Wer ein großes Herz hat, muss noch lange nicht so muffig sein wie ein Bergwerk.
Weisheit 7, Ergänzung: Ein bester Freund, der sich schleicht, ist kein bester Freund.

 

„Die Blume aus dem Gemeindebau“ – Wolfgang Ambros

Ordentlich Granada spielt’s beim Herrn Franz in seiner Ode an die schönste Frau von Stadlau: Das Lied erzählt, wie er sich bei seiner Angebeteten dermaßen einehaut, dass er dabei schon leidet wie ein geprügelter Hund. Es ist die eine oder keine! Und die eine ist sich ihrer erregenden Wirkung auf den Franz nicht einmal bewusst – oder sie ignoriert ihn. Blaue Augen hat die Holde auch noch, „wie ein Stadlauer Ziegelteich“. Hach, kann transdanubische Schwärmerei schmerzlich sein …

Weisheit 8: Wenn sie sich nicht für dich interessiert, sing ein Lied für sie. Vielleicht hilft das.

 

OUT OF THE DARK – Falco

Rauschgift, Après-Scheidungs-Liebeskummer und Todessehnsucht sind eine beliebte Kombination bei Falco. Auch in diesem Lied, wo es etwa heißt: „Muss ich denn sterben… um zu leben?“ oder „Deine Hölle brennt in mir – du bist mein Überlebenselixier“. Ob damit die Verflossene oder das Heroin gemeint ist, weiß man nicht so genau. Ist aber auch wurscht – das Lied ist leiwand!

Weisheit 9: Sterben um zu leben zahlt sich nicht aus. Wer weiß, ob man im Jenseits schnackseln kann?

 

Prädikat: Unverzichtbar.

Wer nun Lust bekommen hat, wie ein echter Wiener zu flirten, zu lieben und auch zu schnackseln, sollte sich diese Lektüre zu Gemüte führen!

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