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Wien Ausblick (c) STADTBEKANNT
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Die Werbestars des Grauens

28. Mai 2010 • Film / TV1 Kommentar zu Die Werbestars des Grauens

Der Hausverstand: Attwenger haben an sich längst alles zu ihm gesagt: „Am besten mit dem Hausvastand is eine in a Haus, die Diadln und die Fensta zua, dann konna nimma aus“, beim Lebensmittelkonzern Billa ist das jedoch scheinbar nicht angekommen. Seit einer gefühlten Ewigkeit informiert uns jetzt ein Mann in mittleren Jahren der stets als „Der Hausverstand“ präsentiert wird, dass Lebensmittel nirgendwo sonst günstiger wären, dass die Tomaten nirgendwo sonst so wenig mit Pestiziden belastet wären und vieles mehr. Ein Mensch mittleren Alters der sich selbst „Hausverstand“ nennt, andernorts würde man so einer Person wohl professionelle Hilfe zukommen lassen. Nicht so jedoch in der Wunderwelt der Werbung. Immer neue unmündige KonsumentInnen lassen sich bereitwillig vom „Hausverstand“ eines Lebensmittelkonzerns durchs Leben begleiten. Eben dieser Hausverstand lädt sich selbst zu Familienfeiern ein, nervt Menschen bei der Hausarbeit und ist auch ansonsten nie um einen schlauen Spruch verlegen. Zum Glück werden die Weisheiten des Hausverstandes inzwischen auch auf den Sackerln des Konzerns platziert, man wäre ja verloren in der Welt ganz ohne den klugen Rat dieser Kalendersprüche.

Der Erste Bank Mann: Er ist der böse Schwippschwager des Hausverstandes. Ähnlich spießig gekleidet wie sein Kompagnon nervt er ebenfalls herum mit Hausverstandsweisheiten und Kalendersprüchen. Allerdings ist er aktiver als der Hausverstand. Er müht sich beim Eishockey ab, sitzt mit der Geliebten beim Dinner, begleitet die Ehegattin durch den Scheidungsprozess, hilft beim Jobwechsel und vieles mehr. So schön könnte die Realität sein, wenn sie nicht die Realität wäre. Denn der Erste Bank Mann braucht garantiert kein Bail Out, verzockt sich nicht auf den Finanzmärkten und würde einem nie Fonds verkaufen die er selber nicht versteht.

Der Inder & der Speck: Wer ist eigentlich schlimmer, der Inder oder der Speck? Das ist eine Frage für PhilosophInnen die auch wir nicht beantworten können. Der Inder, dieses seltsame Hybridwesen aus verschiedenen Bollywood-Klischees, ist zweifellos eine innovative Idee. Seit geraumer Zeit nervt es jetzt aber gewaltig. Warum wir den Inder irgend etwas fragen sollen haben wir ohnehin nie verstanden und warum er bei Dancing Stars mitwirkte erst recht nicht. Andererseits war der Speck auch nicht besser, definitiv keine Augenweide und ist zum Glück auch schon seit geraumer Zeit verschwunden.

Orange: Das ist Silvio aus Rom, er telefoniert am liebsten mit Lukas seinem Bankberater in Zürich. Wenn man gemeinsam mit Nicolas in Paris diniert, dann lacht man gerne über Angela die alte Spaßbremse aus Berlin. Die wiederum telefoniert am liebsten mit Giorgos dem Athener Bankrotteur, um ihm die Leviten zu lesen. Giorgos redet in letzter Zeit viel mit Karl-Heinz, seinem neuen Freund aus Wien, der ihm ein supersauberes Geschäft versprochen hat. Darüber kann Josef ebenfalls aus Wien nur den Kopf schütteln, wenn er Manuel aus Brüssel zu einer Brettljausen nach Retz einlädt.

Ja! Natürlich Ferkel: Es soll böse Mensch geben die dem armen Ferkerl die baldige Verschnitzelung wünschen. Zu diesen bösen Menschen zählen wir uns auch.

Die Familie Putz vom Lutz: Ja, ohne Zweifel ein Teil der Spots ist wirklich gelungen. Auch muss man den MacherInnen lassen, dass sie es schaffen die Familie Putz in immer neuen Situationen abzubilden und ihnen auch nach vielen Jahren die Ideen nicht ausgehen. Trotzdem, diese Familie wohnt seit Jahren im Möbelhaus, dass muss doch irgendwann an den Nerven zehren. Nach all den Jahren wäre eine Scheidung wirklich nichts ungewöhnliches. Wir hoffen auf das verflixte siebte Jahr.

Möbelixman: Genau so unsympathisch wie Jerry von Tom & Jerry. Wenn die großen Preise ihn jetzt nicht endlich einmal besiegen, muss man wohl UNO Truppen zur Unterstützung schicken. So was von ungerecht! Hat dem Möbelixman niemand beigebracht, dass es nicht ok ist ständig schwächere zu verhauen?

Der Waschmaschinenheld: Werbungen für Waschmaschinenpulver, Spülmaschinen und ähnliches sind das letzte. Seit den 50er Jahren scheinbar unverändert, wartet in jedem dieser Werbefilme eine Desperate Housewife darauf, dass ein strahlender Held, zumeist der Installateur, zu ihr kommt und sie vor verkalkten Rohren und ähnlichen Tragödien zu retten.

Halbnackte Frau: Zum Thema halbnackte Frau und irgend ein Produkt ist längst alles gesagt. Es bleibt trotzdem dabei: das ist langweiliger, innovationsloser, sexistischer Scheiß.

Die Blähbauchfraktion: Ein neuer Trend in der Werbung. Menschen reden miteinander über Blähungen und probiotische Joghurts die sie angeblich von diesen Blähungen befreien. Wo soll das hinführen? Kommt als nächstes ein entspanntes Gespräch über Verstopfungen, Inkontinenz, oder Mundgeruch? Ehrlich, das braucht kein Mensch.

Fresh Hands: Es soll tatsächlich Zeiten gegeben haben, als Menschen sich die Hand gereicht haben, ohne sofort an eine Desinfektion der selbigen gedacht zu haben. Angeblich hat es damals auch weniger Allergien gegeben. Zum Glück gibt´s jetzt „Fresh Hands“ und wir müssen die verschwitzten Pratzen dieser ekelhaften Spezies namens Mensch nicht mehr ungeschützt angreifen.

Das S-Budget Börserl: Eine stilisierte Geldbörse mit Kulleraugen, quatscht uns mit Quietschstimme an und unternimmt somit alles um das Kindchenschema zu bedienen. Dazu wird dann noch ein Liedchen über „s-budget“ geträllert und der Wunsch das Börserl mit der Fernbedienung zu vertreiben steigt ins unermessliche. Außerdem welche Person unter 85 verwendet das Wort „Geld-Börserl“ noch?

Das KiK T-Shirt und Verona Feldbusch: Das KiK T-Shirt hat sich Verstärkung von Frau Feldbusch geholt. Zusammen versucht man das Image der Textilien Diskont Kette zu verbessern. Statt KonsumentInnen zu nerven, könnte man ja mal die Arbeitsbedingungen bei KiK verbessern. Denn scheinbar ist bei k.i.k. nicht nur die Werbung sittenwidrig.

Die Preiskampftruppe: soll am besten in Billigsdorf bleiben

Mediamarkt Blödmänner: Blödmann!

Das Kind des Finanzministeriums: Mit traurigen Augen starrt es uns an, um uns von dem immensen Schuldenberg zu klagen auf dem er jetzt sitzen müsse. Ganz so als würde demnächst der Gerichtsvollzieher bei ihm auftauchen, um die Staatsschuld einzutreiben. Früher gab es einmal eine Zeit, als wir nicht verschuldet waren. Die Mehrzahl der Menschen lebte von der Hand in den Mund, man war arm aber nicht verschuldet. Diese Zeit nannte sich Mittelalter. Später dann erfand man den Geschäftskredit und zahlreiche anderen Kreditformen. Seither ist Verschuldung der Normalzustand. Schade eigentlich, dass wir das Mittelalter hinter uns ließen, denn diese Zeit war hart aber gut und vor allem schuldenfrei.

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  1. name sagt:

    ich habe noch nie
    eine blähbauch-werbung mit männern gesehen

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