Kultur

Schloß Schönbrunn Brunnen (c) Mautner stadtbekannt.at
Schloß Schönbrunn Brunnen (c) Mautner stadtbekannt.at

Die weite Reise des Schönbrunner Gelbs

23. Juli 2015 • Kultur

Das kaiserliche Ockergelb

Fassaden in Schönbrunner Gelb gehören zu Wien wie das Krügerl zum Wiener Schnitzel. Ursprünglich erstrahlte das Schloss Schönbrunn, die kaiserliche Sommerresidenz, nach einigen Farbirrungen- und wirrungen (eine Zeit lang war das Schloss sogar… rosa) in dem satten, erdigen Gelbton, daher leitet sich auch, nomen est omen, der Name Schönbrunner Gelb als Farbbezeichnung ab.

 

Habsburger Marketing

Betrachtet man diesen ominösen Farbton mit farbtheoretischem Zugang, so handelt es sich beim Schönbrunner Gelb um simples Goldocker, einer Erdfarbe, die je nach Mischungsverhältnis mit Kalk heller beziehungsweise dunkler erscheint. Der Gelbton stand damals für Glanz und Gloria der Monarchie und bezog sich bewusst auf das schwarz-gelb im Habsburgerwappen, das sich wiederrum auf die Farben des Römischen Reiches bezog. Im Prinzip war das Schönbrunner Gelb ein äußerst perfider Marketing-Streich: Indem das Habsburger-„Streich“ nun die kaiserliche Sommerresidenz in ockerfarbenem Glanz erstrahlen ließ, wurden nicht nur sämtliche offiziellen Amtsgebäude in Schönbrunner Gelb getsrichen, sondern auch das Bürgertum wollte etwas kaiserlichen Glanz sein Eigen nennen und so wurde die Farbe spätestens seit 1918, dem Ende der Monarchie, weltberühmt.

 

Was Vexillologie und Schönbrunner Gelb gemeinsam haben

Da sich die Monarchie zu diesem Zeitpunkt von Ungarn bis Moldawien erstreckte, folgten natürlich auch dort die Amtsgebäude dem Wiener Vorbild und glänzten in gelb. Noch heute kann man in zahlreichen europäischen Städten den mittlerweile vergilbten und teilweise abgeblätterten Anstrich bewundern. Dass der Schönbrunner-Gelb-Hype aber sogar in Brasilien seine Spuren hinterließ, wissen die wenigsten: und zwar in der brasilianischen Flagge.

Der Grund für die transkontinentale Verbreitung dieser Farbe war die expansive Heiratspolitik der Habsburger. So wurde die Erzherzogin Maria Leopoldine von Habsburg, Tochter von Kaiser Franz I., kurzerhand mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro vermählt. Dadurch war sie, Kraft ihres Amtes, ab Dezember 1822 Kaiserin von Brasilien – daher auch das k. u. k. Schönbrunner Gelb der brasilianischen Flagge.

Wer sich für weiter skurille Wiengeschichten- und Mythen interessiert, dem sei unser Unnützes WienWissen sehr ans Herz gelegt – Nach der Lektüre dieses kleinen, aber unterhaltsamen Buchs sieht man Wien mit anderen Augen!

Schloß Schönbrunn

Schönbrunner Schloßstraße 47
1130 Wien

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