Wien – Leben

Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT
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Die Wahlverwandtschaften und der wunderliche Herr Piaty

28. Mai 2010 • Leben

„Herbert, trink das“, feixte Andreas Khol sichtlich hilflos, als Herbert Haupt wieder einmal die verbale Abrissbirne kreisen ließ. Es sollte nicht das einzige Mal im gestrigen ORF-„Im Zentrum“ zum Thema „Das Match um die Hofburg – Harte Bandagen gegen den amtierenden Bundespräsidenten“ sein, dass statt harter Argumente schrille Lautstärke ins Feld geführt wurde.

Und das Thema war auch gleich Programm. In gewohnter Eloquenz warf sich Herbert Haupt für seine Kandidatin Barbara Rosenkranz und gegen Heinz Fischer in die Bresche. Oder war es doch für Heinz-Christian Strache? Insofern „zwischen die beiden kein Blatt Papier passt“ wird’s wohl ihm und uns einerlei sein. Die ehemalige Kandidatin für das höchste Amt im Staate und nunmehrige Fischer-Unterstützerin Heide Schmidt sorgte wieder einmal für Kopfschütteln. Nicht wegen dem, was sie gesagt hat, das hatte Hand und Fuß, abgesehen von einigen Floskeln zu Beginn, war gewohnt sachlich und nüchtern vorgebracht. Nein, es stellt sich nur immer wieder die Frage, was diese Frau jemals in der FPÖ gesucht haben mag.

Wer sich unter diesen Vorzeichen aber einen gewohnt fad-feindlich einstudierten Politschaukampf a la Klubobleute-Runde erwartet hat, sollte überrascht werden.
Spätestens mit dem Eingangsstatement des wunderlichen Herrn Piaty (ehemaliger Ärztekammer-Präsident und Vorsitzender des Unterstützungskomitees für Rudolf Gehring) war klar: hier wird’s skurril. Da hätten selbst McCarthy selig die Augen geleuchtet mit welcher Verve hier einer Kommunisten, oder die er dafür hält, frisst. Hei, war das eine Freude als der gute Mann gegen die politische Nomenklatura (man beachte die Wortwahl!) loslederte, deren Teil Heinz Fischer sei und dass dieser „in seinem ganzen Leben noch nie einen bürgerlichen Beruf ausgeübt hat“ Ha, das saß, da hatte er ihn, den Wolfgang Schüssel äääh… den Heinz Fischer, aber Sozialist sein ist halt wirklich kein bürgerlicher Beruf.

Da war kein Griff zu tief, es blieb kein Auge trocken. Ein Paläo-Marxist sei er, der Herr Dr. Fischer, nicht irgendein Sozialist sondern der „große Drahtzieher“ unter ihnen, mit Sympathien für totalitäre Regime. Doch da wurde es den ernsthaften DiskutantInnen zu bunt und man rief den Mann am Stock zur Räson.
Zumindest, es war eine Linie zu erkennen. Hätte sich für einen Kandidat, der sich vor Computerchips fürchtet, die uns Menschen implantiert werden, ein vernünftiger Unterstützer eingebracht, es wäre glatte Verwirrung der eigenen Wähler gewesen. Ganz zufrieden mit der österreichischen Demokratie scheint Piaty jedoch auch nicht zu sein, fordert er den Bundespräsidenten doch als „Sachwalter“ der Bürger. Eine eingehendere Beschäftigung mit dem Begriff wäre hier wohl angebracht.

Einem konnte der brave Kämpfer gegen die sowjetische Bedrohung zumindest keine sozialistischen Umtriebe unterstellen und Andreas Khol konnte man die „Parteifreundschaft“ der beiden ÖVP-Mitglieder auch nicht unbedingt ansehen. Sichtlich gut tut ihm die Befreiung von vielen Bereichen des tagespolitischen Dünkel. Klare Worte sprach er zum Kalkül innerhalb der Volkspartei, keinen eigenen Kandidaten aufstellen zu wollen. Zwar wand er sich und wollte auch auf keine noch so dezidierte Nachfrage Sympathien für Heinz Fischer kund tun, doch zumindest Barbara Rosenkranz ist für ihn nicht wählbar. Weiß scheint also der Wahlzettel eines treuen ÖVPlers schlussendlich bleiben zu müssen. Staatstragende Verantwortung sieht anders aus.

Der ehemalige SPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Rudolf Streicher versuchte auch das Amt des Bundespräsidenten hoch zu halten und wacker für Heinz Fischer zu ringen. Doch manches, das musste auch er einsehen, gewinnt mit einer ernsthaften Beantwortung mehr Bedeutung als man ihm zumessen kann.
So tut sich also jeder mit denen zusammen, die er als die seinen sieht und versucht sich von den anderen fern zu halten, wie es auch Robert Misik in seinem heutigen Beitrag erkannt hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass Parteikalkül nicht immer von der objektiven Beurteilung politischer Arbeit abhalten kann und dass dem Herrn Piaty nach der Sendung jemand auf die Rosinante geholfen hat, damit er mit Gehring gen Sowjetreich reiten kann. Der eine bringt ihnen den Glauben und der andere die Freiheit, oder was er dafür hält.

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