Kultur – Ausstellungen

Die schlagende jüdische Studentenverbindung Emunah in ihrem Clublokal in der Servitengasse, um 1925 © Ze’ev Aleksandrowicz, Beit Hatfutsot, Tel Aviv

Die Universität. Eine Kampfzone

6. November 2015 • Ausstellungen, Kultur

Aktuelle Ausstellung im Museum Dorotheergasse

Von 3. November 2015 bis 28. März 2016 steht das Jüdische Museum Wien ganz im Zeichen der Universität aus jüdischer Perspektive.

 

650 Jahre jüdisch-universitäre Beziehungsgeschichte in Wien

Als Rudolf IV. die Universität Wien als katholische Bildungsstätte gründete, hatten die Wiener Juden bereits ihr eigenes Bildungssystem in der Stadt etabliert. Nach ihrer Vertreibung 1421 wurde ihr geistiges Zentrum, die Synagoge am heutigen Judenplatz, abgerissen. Mit den Steinen baute sich die Wiener Universität ein neues Gebäude. 1782 oder 417 Jahre nach ihrer Gründung öffnete Kaiser Joseph II. die Universität für die bis dahin ausgesperrten Juden. Hundert Jahre später trugen jüdische Wissenschaftler mit bahnbrechenden Forschungen zur Glanzzeit der Wiener Universität bei. Als 1897 die Philosophische Fakultät der Universität Wien in ihrem 532. Jahr die Tore auch für Frauen öffnete, stellten Jüdinnen sofort ein Viertel der Studentinnen.

Frauen in der Unterzahl. Gertrude Kurth an der Universität Wien, um 1925 © Leo Baeck Institute New York

Frauen in der Unterzahl. Gertrude Kurth an der Universität Wien, um 1925 © Leo Baeck Institute New York

Zwischen Ausschluss und Anschluss

Die Universitäten waren zum Hoffnungsgebiet der stark wachsenden jüdischen Bildungsschicht geworden, entpuppten sich jedoch bald als brutale Kampfzone: Ab den 1880er-Jahren nahmen Übergriffe durch antisemitische Studenten drastisch zu, ab der Ersten Republik fanden regelrechte Pogrome statt. Nationalsozialistische Studenten und deutschnationale Rektoren versuchten, die Zahl der Jüdinnen und Juden an den Universitäten mit Schikanen und Gewalt zu reduzieren. Von dieser Politik des Ausschlusses mit allen Mitteln, die lange vor dem „Anschluss“ 1938 begann, haben sich die Wiener Universitäten bis heute nicht erholt.

Jüdisches Museum Wien

Dorotheergasse 11
1010 Wien

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