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Universität Wien (c) STADTBEKANNT
Universität Wien (c) STADTBEKANNT

Die Uni brennt – immer noch…

16. Mai 2010 • Lifestyle

Wer hätte das gedacht? 
Ein bisschen unvermutet kommen die Studierenden-Proteste ja schon. Zu bemängeln am Zustand der Universitäten gibt es seit langem einiges. Hin und wieder gab es auch Proteste, diese fielen aber eher lauwarm aus. Beteiligt waren die „üblichen Verdächtigen“ – linke politische Organisationen, ÖH und ein paar wenige Studierende. Die etwas lethargische, österreichische Mentalität kam der Besucherzahl diverser Protestaktionen auch nicht unbedingt entgegen.
Was da jetzt abläuft hat einen völlig anderen, neuen Charakter. Im Audimax wird Basisdemokratie gelebt, ÖH und Co treten in den Hintergrund. 

Und wie ist das passiert? 
Der Aufbau und die Organisation dieser Bewegung lassen sich schon mit ihrem Beginn erklären. Am Anfang standen die Proteste der Akademie der Bildenden Künste gegen die Einführung des Bologna-Systems. Am Donnerstag den 22. Oktober wurde so weit mobilisiert, dass sich 700 Studierende im Audimax, einer der größten Hörsäle Österreichs, zu einer Diskussion versammelten. Der gemeinsame Entschluss über eine Besetzung folgte. 

Auf diesen spontanen Beginn der Besetzung folgten Tage der intensiven Planung. Arbeitsgruppen zu den verschiedensten Themen wurden gegründet, Putzteams und Verpflegung durch die Volxküche organisiert und vor allem viel diskutiert. Jede Entscheidung wurde basisdemokratisch, durch eine Abstimmung, legitimiert. 

Das Signal: jede/r kann sich beteiligen. 
Mit diesem niedrigschwelligen, parteipolitisch freiem Ansatz, konnten sich breite Teile der Studierendenschaft identifizieren. Eine Mobilisierung, weit über die Grenzen bisheriger Protestbewegungen, wurde erreicht.
Vor allem in den ersten Tagen der Besetzung kam dieser Aspekt in der Medienberichterstattung oft zu kurz. Der basisdemokratische Aufbau der Bewegung, in der es keine Führungspersönlichkeiten für Fotos und Fernsehen gibt, scheint viele Medien überfordert zu haben. Berichtet wurde von Parties, (völlig utopischen) Schadensummen und chaotischen Zuständen. Wer sich jedoch einmal ins Audimax gewagt hat, wird bestätigen, dass dort den ganzen Tag und oft bis spät in die Nacht hinein gearbeitet, geplant und organisiert wurde und wird.

Die regelmäßigen – oft stundenlangen – Plena, in denen die bisher getane Arbeit präsentiert und über den weiteren Verlauf der Proteste und die gemeinsamen Forderungen abgestimmt wird, sind Ausdruck des enormen Aufwands, der von den BesetzerInnen geleistet wird. 

Gekommen um zu Bleiben
Eine Woche später ist das Audimax noch immer voll. Die Prophezeiungen, dass der spontanen Bewegung bald der Atem ausgehen würde, haben sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, die Proteste weiten sich aus. 
Besetzt sind mittlerweile Hörsäle in jeder österreichischen Universitätsstadt. In Wien werden neben dem Audimax auch Räume der Universität für Bodenkultur und der Technischen Universität, sowie der zweitgrößte Hörsaal der Uni Wien (C1 am Unicampus) blockiert.

Zahlreiche Lehrende und sogar Rektoren haben sich mit den Forderungen der BesetzerInnen solidarisiert.
Unterstützung kommt auch aus dem nicht-studentischen Umfeld: die DruckerInnen, MetallarbeiterInnen, SchülerInnen, KindergärtnerInnen, der ÖGB, der burgenländische Landtag und der Wiener Gemeinderat haben sich beispielsweise solidarisch erklärt. Sogar aus dem Ausland (z.B. Santa Cruz, Berlin, Genua, Turin, London, Tokio und Rio de Janeiro) trudeln laufend Solidarisierungserklärungen ein. 

Auch von prominenter Seite wird Unterstützung signalisiert: Christian Felber (Mitbegründer von attac-Österreich), Peter Pilz, Kurt Grünewald, Filmemacher Richard Broulliette, Robert Misik und die SchriftstellerInnen Robert Menasse, Klaus Werner-Lobo, Isolde Charim und Marlene Streeruwitz waren bereits im Audimax oder haben sich zu einer Podiumsdiskussion bereit erklärt. 

Bei der Verbreitung der Anliegen, aber auch um die große Zahl der Aktivitäten und die rasanten Entwicklungen koordinieren zu können, spielt die Vernetzung über das Medium Internet eine entscheidende Rolle. So können Interessierte die Geschehnisse neben der offiziellen Homepage auch über Twitter, Facebook, Wiki und Live Stream verfolgen.  

Bisheriger Höhepunkt war die Demonstration am Mittwoch den 28.10.2009 in Wien. Zehntausende versammelten sich um für freie Bildung einzutreten. An kreativen Ideen, um Medienaufmerksamkeit zu generieren und auf die Anliegen der BesetzerInnen hinzuweisen, mangelte es nicht:

Die breite, österreichweite Unterstützung aus allen Bereichen der Gesellschaft, verdeutlicht die Dringlichkeit der Forderungen. Gespannt sein darf man auf die kommenden Tage und Wochen.

Auf dass auch durchgesetzt werden kann, was seit langem dringend notwendig ist!

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