Wien – Wienerisch

Wienerisch - Tschusch (c) STADTBEKANNT
Wienerisch - Tschusch (c) STADTBEKANNT

Die Tschuschn

2. Juni 2016 • Wienerisch

Menschen ausländischer Herkunft

„Ollas wos ka Wiener is, is praktisch a Tschusch. Wurscht, ob a aus St. Pölten, Buxtehude, Japan oda ausn Uawoid kummt.”
(Mundl Sackbauer)

 

Freundlich ist das Wort nicht gerade. Wenn Wiener jemanden abfällig Tschusch nennen, meinen sie damit einen Menschen ausländischer Herkunft – vor allem einen, der aus den Balkanstaaten oder der Türkei stammt. Mundl Sackbauer geht noch weiter, für ihn sind alle Nicht-Wiener Tschuschen, sogar Gscheade aus Niederösterreich.

Woher das Wort kommt, wird in sprachwissenschaftlichen Kreisen noch immer kontrovers diskutiert. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es sich von dem serbokroatischen „ ćuš ” („tjusch”) ableitet, einem Ruf, mit dem in Bosnien-Herzegowina zu noch nicht motorisierten Zeiten Lasttiere angetrieben wurden. Als die österreichisch-ungarische Armee im Jahr 1878 das Land okkupierte, hörten die Soldaten die „ ćuš ” – Rufe der Viehtreiber und nannten bald die ganze Bevölkerung Tschutschen bzw. Tschuschen.

Nicht immer ist das Wort allerdings eine Beschimpfung: Die selbstironisch Wiener Tschuschenkapelle getaufte Band rund um Sänger Slavko Ninić beweist, dass Volksmusik vom Balkan, traditionelle österreichische Klänge und sogar das Wienerlied wunderbar zusammenpassen.

 

Praktischer Guide

Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieser Guide, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche – all das ist in dem STADTBEKANNT-Guide Schimpfen wie ein echter Wiener enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.

 

Cover Schimpfen wie ein echter Wiener

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

« »