Wien – Grätzltipps – 1. Innere Stadt

Mölkerbastei

Die Stadt in der Stadt

10. Juli 2013 • 1. Innere Stadt, Grätzltipps, Stadtspaziergänge

Wie eine Stadt in der Stadt liegen sie im Verborgenen und das mitten im Herzen der Stadt. Die verwinkelten Innenhöfe, meist abseits der touristischen Pfade gelegen, an denen dennoch städtisches Leben stattfindet. Wie an der Freyung, im Innenhofsystem des Schottenstifts oder bei der Mölker Bastei, wo man das Gefühl hat in der Biedermeierzeit gelandet zu sein und natürlich auch die freiwilligen Durchgänge, wie jener im Palais Ferstl. Wir haben uns für euch auf Stadtsafari durch diese Teile des ersten Bezirks begeben.

Mölker Bastei

Wir beginnen unsere Entdeckungsreise bei der Mölker Bastei, die gut versteckt schräg gegenüber des Universitätsgebäudes der Universität Wien liegt und ein Überbleibsel der alten Stadtmauer ist. Teile der Befestigungsanlage der Mölker Bastei stammen noch aus dem 14. Jahrhundert, als sie noch den Namen Schottenbastei trug.
Wer sich zu Beginn des Stadtspaziergangs stärken möchte, dem empfiehlt sich ein Besuch im Restaurant Schubert. Dort kann man, im Biedermeier-Ambiente, Wiener Schmankerl und mediterrane Küche genießen. Mehr über das Restaurant findet ihr in unserem Lokaltipp.

Auf den Spuren von Schubert und Beethoven

Wir beginnen unsere Entdeckungsreise beim Pasqualati-Haus, einem klassizistischem Wohnbau, in dem ein Stück Wiener Musik- und Literaturgeschichte beheimatet ist, die Beethoven-Wohnung, in der der Komponist die Oper Fidelio schrieb. Heute ist dieser Ort eine Gedenkstätte, im selben Haus verlebte auch Alma von Goethe (Goethes Enkelin) ihre letzten Tage. Gleich nebenan befindet sich das Dreimäderlhaus, wo Schubert angeblich seiner Muse und Liebe beschwor.
Ums Eck findet man aber auch einen Schuster, bei welchem man noch handgefertigtes Schuhwerk erwerben kann. Der Handwerksbetrieb Ludwig Reiter wird übrigens schon in der vierten Generation betrieben. Das edle und teure Schuhwerk ist so begehrt, dass es sogar bis nach Japan exportiert wird.

Nach dem Handwerksbetrieb gelangt man in das Herz der kleinen Stadt entlang der Stadtmauer. An diesem historischem Ort vergisst man die Gegenwart und meint in einer Zeit gelandet zu sein, in der es noch Pferdefuhrwerke gab und man noch mit „Gnädige Frau“ angesprochen wurde.
Durchquert man das Ensemble gelangt man zum Mölkersteig, welcher zur Schottengasse führt. Wir gehen die Schottengasse entlang bis zur Freyung und stehen nun vorm Schotterstift.

Entdeckungsreise entlang der Freyung

Mitten im Herzen des Ersten Bezirks, bei der Freyung, befindet sich eine von der Außenwelt abgeschottete Insel der Seligen – das Schottenstift. In einem riesigen zusammenhängenden Komplex von Innenhöfen, die alle Teil des altehrwürdigen Schottenstifts sind und auch das Schottengymnasium beherbergen, befinden sich auch vom Kloster verwaltete Wohnungen und Büros.
Also falls ihr schon immer wissen wolltet, wie es sich in der Inneren Stadt so lebt, und die Stille und Abgeschiedenheit genießen wollt, solltet ihr euch diesen Stadtspaziergang nicht entgehen lassen.

Das Labyrinth in dr Stadt – das Schottenstift

Man gelangt in dieses Labyrinth in der Stadt über den Eingang bei der Freyung, wo sich die Schottenkirche (Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten) befindet, in den großen Schottenhof, wo man nicht nur die klassizistischen Fassaden entdecken, sondern sich auch ein kühles Bier im überwucherten Gastgarten des Wirtshaus Zattl gönnen kann. Geht man durch den Hof, gelangt man in den kleinen Schottenhof, der neben wunderschönen alten Eichen, einen Kinderspielplatz, Büros und Wohnungen beherbergt.

Verwinkelte Innenhöfe im Schottenstift

Wer sich bis in das Innerste des Schneckenhauses wagt, wird dort den Gymnasium Hof vorfinden. Nach dieser kleinen Entdeckungsreise kann man wieder zur Freyung zurückkehren und einen italienischen Espresso in der schicken neuen Splendid Bar Italia (von Kraftfood) gönnen und sich vom Farbenspiel der Bar berauschen lassen. Das Interieur wirkt ein wenig so, als ob der dafür verantwortliche Designer (RCM design GmbH ) unter LSD-Einfluss gestanden wäre. Fest steht jedenfalls, das nicht alles hip ist, was schrill und bunt mit klassischen Stilelementen mischt.

Die Passage Palais Ferstel

Wir überqueren die Freyung und betreten das Palais Ferstel. Hinter einigen Wiener Hauseingängen verbergen sich freiwillige Durchgänge, die oft aus einem komplexen System an Innenhöfen bestehen, vergleichbar mit den freiwilligen Durchgangs im 7. Bezirk in der Lerchenfelderstraße, oder in der Stiegengasse. Einen ganz anderen Typus repräsentiert die Passage im Palais Ferstel, obwohl man am Eingang „bis auf Widerruf gestatteter Durchgang“ liest, handelt es sich hier um eine Einkaufspassage, die in der Pariser Tradition der großen Passagen steht. Das Palais wurde vom Architekten Heinrich von Ferstel im romanischen Historismus entworfen und war ehemals ein Bank- und Börsengebäude. Ferstel kombinierte die venezianisch-florentinischen Trecento-Architektur mit dem klassischen Werksteinbau.

Um die Jahrhundertwende war es ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Die Passage im Palais war ein Anziehungspunkt für die gehobene Wiener Gesellschaft, wo man gustierte, flanierte und konsumierte. Ein Spaziergang durch die Passage führt den Besucher in eine andere Epoche und erinnert an die großen Pariser Passagen des 19. Jahrhunderts. Im Zentrum der Einkaufspassage befindet sich der sechseckige Licht-durchflutete Basarhof der den Donaunixenbrunnen beherbergt.

Das Café Central

Wir beenden unseren Spaziergang durch den freiwilligen Durchgang, mit einem Besuch in einem der großen Wiener Kaffeehäuser. Das Café Central, wo sich Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Politik im 19. Jahrhundert ein Stelldichein gaben: etwa Arthur Schnitzler, Sigmund Freud oder Leo Trotzki waren hier anzutreffen. Auch heute kann man im Central noch die Kaffeehausklassiker genießen, wenn auch umgeben von Touristen.

 

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