Kultur – Film / TV

Kino (c) STADTBEKANNT
Kino (c) STADTBEKANNT

Die Schönheit der Sekunde

30. November 2011 • Film / TV

Eeeeeinuuundzwaaanziiig – so lange oder so kurz dauert bekanntlich eine Sekunde. Dass diese Zeitspanne allerdings reicht, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen, zeigt jetzt ein Online-Filmfestival, bei dem man noch bis 13. Dezember seine Ein-Sekunden-Filme einreichen kann. Eigentlich als Werbe-Aktion für Montblanc-Uhren erdacht, bietet die Webseite nun viele faszinierende Momente.

Wie kurz eine Sekunde ist, ist einem eigentlich gar nicht so richtig bewusst: anfangs ist man die Kürze der Filme so erstaunt, dass man eher denkt, dass der Film nicht ganz geladen wurde. Wenn man sich allerdings auf das unkonventionelle Format einstellt, dann kann in einer Sekunde mehr passieren, als in 90 Minuten. Klar, Geschichten erzählen kann ein Film in einer Sekunde keine – allerdings können die kurzen Bilder Eindrücke hervorrufen, die im Kopf noch lange nachwirken, denn das wirklich Interessante ist meistens sowieso das, was nicht gezeigt wird: Pietro Malegoris „Encounter“ etwa, bei der sich eine Frau langsam die Schleife des Hemdes öffnet, knistert vor Erotik und Spannung, oder „A Perfect Shot“, der Beispielfilm von Vladislav Talmazan, bei der eine Bowlingkugel auf die Kegel zurollt, und der Film im entscheidenden Moment abbricht.

Auch der große Wim Wenders selbst, den man als Juror gewinnen konnte, ist mit fünf Filmen vertreten: ein Lächeln, Augen, ein Marienkäfer, der Nacken einer Frau und der Berliner Fernsehturm stehen bei ihm im Mittelpunkt.

One Second Story

Ewigkeiten kann man sich durch die (eher langsam ladende) Webseite klicken, und die kurzen Clips ansehen, die in Kategorien wie „Art“, „Freedom“, „Speed“ oder „Nightmare“ eingeordnet sind. Manche sind zwar eher einfach und fast banal, viele sind aber spannend und kreativ und lassen sich auf das ungewöhnliche Format ein. Manche deuten Geschichten an, die sich im Kopf zusammensetzen, manche zeigen einfach faszinierende Bilder und sehen das ganze eher als erweiterte Photographie.

Einreichen und voten kann jede/r – die Formatvorgabe ist klar: eine Sekunde und 16:9 sind die einzigen beiden Regeln, sonst ist alles egal, ob Handyvideo oder auf Film, alles ist willkommen – bis zu zehn Filme kann man einreichen, aus den 60 Filmen mit den meisten Votes wird dann von Wim Wenders der Beste ausgewählt. Dem Sieger oder der Siegerin winkt Ruhm und Ehre, eine Reise zur Berlinale 2012 und eine Uhr des Sponsors Montblanc.

Playlists

Sind die Filme dann aber doch zu kurz oder möchte man lieber doch nichts einreichen, kann man sich als Zuseher aus mehreren Filmen seiner Wahl eine Playlist zusammenstellen, diese mit Musik unterlegen und sie dann für andere veröffentlichen – auch aus diesen Playlists wird von Wim Wenders später die Beste ausgewählt.

http://www.montblanconesecond.com/

, , , , , , ,

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »