Wien – Stadtspaziergänge

Esterhazygasse Nacht (c) STADTBEKANNT
Esterhazygasse Nacht (c) STADTBEKANNT

Die Sauftour durch den Sechsten

28. Oktober 2017 • Stadtspaziergänge

Nächtlicher Stadtspaziergang

Theater, Museen, Ausstellungen – in Wien kann man permanent der Hochkultur frönen. Aber ein echter Wiener kann sich genauso gut ab und zu ordentlich umschießen. Das geht in kaum einem Bezirk so schön wie in Mariahilf. Der Vorteil liegt hier in der Lokaldichte: Wem das Wort „Tour” nun schon den Angstschweiß in Erwartung eines mühsamen Marathons durch die Wiener Gassen auf die Stirn treibt, den können wir beruhigen. Hier fällt man quasi von einer Bar in die nächste.

Die Anreise zur Tour erfolgt am besten per U-Bahn: Bei der Station Pilgramgasse angekommen kann man gleich gegenüber bei der Würstelbox einkehren. Das ist keine Bar, sondern ein Wiener Würstelstand, aber wer aufgepasst hat weiß, dass auch bei solchen gerne getrunken wird. Mit fettiger Kost kann man sich hier auf den ambitionierten Abend vorbereiten und dank des kleinen Sitzbereichs im „Gastgarten” noch einmal Kraft tanken.

 

Down Under

Weiter geht´s hundert Meter den Anstieg hinauf und in die schöne Magdalenenstraße hinein. Im Sommer sitzen sicher schon Leute vor dem Down Under. Hartgesottene Wiener begeben sich dennoch nach drinnen, lassen den neuen, viel zu schicken Nichtraucherbereich rechts vom Eingang links liegen und marschieren stattdessen in den versifften Raucherbereich. Dort begrüßt einen, egal wann man hingeht, immer derselbe Kellner (wir haben es getestet, es stimmt wirklich) und serviert australisches oder österreichisches Bier. Was an dem Lokal außer dem Bier und ein paar Deko-Gegenständen australisch sein soll, haben wir nicht herausgefunden. Extrapunkte gibt es aber für Wagemutige, die sich in den Keller namens „Snakepit” hinunter trauen, wo manchmal Bands spielen und DJs Hits von vor zwanzig Jahren auflegen.

 

Miranda

Miranda Bar (c) STADTBEKANNT

Miranda Bar (c) STADTBEKANNT

Beim nächsten Stopp im Miranda müssen wir uns wieder zusammenreißen, denn hier treffen wir ein vollkommen anderes Publikum an. Jeder Hipster der Stadt trinkt hier seit einiger Zeit seine Cocktails, der Barkeeper wurde kürzlich ausgezeichnet, die Drinks schmecken tatsächlich extra fein. Drinnen ist es allerdings ordentlich verraucht, sauerstoffreicher sitzt man draußen auf der wunderschönen Esterhazygasse.

Nach dem Besuch im Miranda müssen wir nur die Straße überqueren, um uns im Hafenjungen ein Astra Bier zu bestellen. Die Hamburger Zweigstelle in Wien kennen wir schon vom vorigen Kapitel, wir ersparen uns einen weiteren Kommentar, denn hier ist es trotz oder wegen der Hamburger Köstlichkeiten einfach leiwand.

 

Tanzcafé Jenseits

Auf uns wartet nun der längste Fußmarsch der Tour: Etwa zweihundert Meter geht es die Gumpendorfer Straße hinunter bis zur Nelkengasse. Dort wird beim Tanzcafé Jenseits mutig auf die Türklingel gedrückt und um Einlass in das ehemalige Bordell gebeten. Achtung: Normalerweise findet man sich hier erst zu späterer Stunde ein (ab 2:00 Uhr Früh geht’s los) und bewegt sich dann bis zum Morgengrauen nicht mehr weg. Wir allerdings bleiben bei einem Zwischenstopp – schließĺich gibt es noch so viel zu entdecken!

Die Sauftour durch den Sechsten (c) STADTBEKANNT

Die Sauftour durch den Sechsten (c) STADTBEKANNT

Jazzcafé Einhorn

Das Musik- und Jazzcafé Einhorn in der Joanelligasse ist der erste wirkliche Härtetest der Tour. Mittlerweile sollten wir schon ziemlich illuminiert sein, und auch an diesem Ort besteht vehemente Gefahr, picken (kleben) zu bleiben. Nichtraucher sollten den Stopp auslassen, denn die Lüftung funktioniert seit Jahrzehnten nicht mehr. Dafür gibt es ein wirklich interessantes und diverses Publikum samt anarchistischem Flair. Ein Gespräch mit dem Sitznachbarn an der Bar ist ausdrücklich erlaubt, nur vor dem Untergeschoß sollte man sich fern halten. Wer es trotzdem versucht: Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.

 

Marea Alta

Marea Alta Schaufesnter (c) stadtbekannt.at

Marea Alta (c) stadtbekannt.at

Wir wanken die Joanelligasse zurück auf die Gumpendorfer Straße und kehren dort gleich ins Marea Alta ein. Das ist eigentlich ein Schwulen- und Lesbenlokal, aber definitiv für Menschen jeglicher sexueller Ausrichtung eine großartige Erfahrung. Oben im Barbereich geht es relativ zivilisiert zu, im Untergeschoß ist aber jedes Wochenende Rambazamba angesagt.

 

Ra’mien Bar

Achtung: Jetzt folgt wieder ein ganz harter Schnitt. Die Ra’mien Bar wird uns mit Sicherheit den Rest geben, sollte tatsächlich noch jemand stehen können. Hier gehen Wiens Asiaten hin zum Feiern, und die Stimmung liegt irgendwo zwischen Ballermann und einer Kellerbar in Shanghai. Die Cocktails sind brutal, die Musik eher quälend, aber man muss das einfach einmal in seinem Leben gesehen haben!

 

If Dogs Run Free

Wir haben es fast geschafft, und der letzte Stopp ist harmlos: Im If Dogs Run Free genießen wir ganz gesittet noch ein, zwei Cocktails und reden mit den anwesenden Gästen über Sartre und ihr Wochenendhäuschen am Neufelder See. Hier passiert nie etwas, aber die Atmosphäre ist ideal für hippe Menschen, die sich auf ein paar gute Drinks treffen möchten, und das Lokal wurde immerhin schon von der NY Times erwähnt.

Von dort torkeln wir dann Richtung U-Bahn oder Taxistand – es war eine harte Tour, das wissen wir. Für den Kater am nächsten Tag oder eventuelle andere Spätfolgen können wir leider keine Haftung übernehmen!

 

Würstelbox
Pilgramgasse

Down under
Magdalenenstraße 32

Miranda
Esterhazygasse 12

Hafenjunge
Esterhazygasse 11

Tanzcafé Jenseits
Nelkengasse 3

Café Einhorn
Joanelligasse 7

Marea Alta
Gumpendorfer Straße 28

ra’mien Bar
Gumpendorfer Straße 9

If Dogs Run Free
Gumpendorfer Straße 10

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