Wien – Leben

Maronistand in Wien (c) STADTBEKANNT Nohl
Maronistand in Wien (c) STADTBEKANNT Nohl

Die Maronistände sind wieder da!

28. Oktober 2016 • Leben

Maronistände in Wien

Was dem Frühling das Eisgeschäft, das dem Herbst der Maronistand …

Kaum beginnt es kalt zu werden findet man auf Wiens Straßen einen Maronistand nach dem anderen. Um die 200 Standln sind jedes Jahr in der Stadt registriert und bieten neben den köstlichen Edelkastanien meist auch Erdäpfel in Form von Scheiben, Puffer oder Wedges an.

 

Vom Eisgeschäft zum Maronistand

Gerade hat man noch den Eisgeschäften nachgetrauert, da mischt sich auch schon langsam der wohlig warme Duft von Maronis unter die immer kühler werdende Stadtluft. Wie aus dem Nichts stehen da plötzlich die Standln mit den großen Maronibratern und ergänzen das herbstliche Wien. Hat denn jemand schon einmal beobachtet, wann die sich ins Bild geschlichen haben? Eben! Vermutlich werden sie irgendwie hergebeamt oder so.

Maronistand Innere Stadt (c) STADTBEKANNT

Maronistand Innere Stadt (c) STADTBEKANNT

Lieblingsstand!

Dabei gibt es in Wien gar nicht einmal so wenige von Ihnen! Ok, wie viel würden Sie schätzen? Ich hätte ja auf zwei oder drei pro Bezirk getippt, im ersten vielleicht noch mehr, insgesamt so um die 70 etwa. Aber weit gefehlt! Es sind fast 200 Standln in der Stadt registriert (die meisten im dritten und sechsten!)! Welcher der beste ist, wird vermutlich eine rein subjektive Entscheidung sein. Obwohl es qualitativ schon Unterschiede gibt. (Meiner Meinung nach sind die besten bei der Peterskirche!). Vielleicht ist aber auch der wohnortnächste Stand der Favorit, weil man da von der Oma immer neun statt nur sechs Maroni rausschlagen konnte. Möglicherweise war’s auch der Maronimann, der zu den neun Stück immer eines draufgelegt hat, damit man sich mit der Schwester nicht streiten musste. Vielleicht gab’s auch einen Lieblingsstand beim Weihnachtsshoppen, bei der die Maroni als relativ günstige Handwärm- und Stärkungsfunktion eingesetzt werden können.

Maronistand (c) STADTBEKANNT

Maronistand (c) STADTBEKANNT

Maronilotto – wie viele waren schlecht?

Ein paar verdorbene Maroni müssen übrigens nicht unbedingt auf einen schlechten Stand hinweisen. Das zimperliche Früchtchen wird schon einmal ganz gerne von Würmern angefressen oder vertrocknet in der Schale. Manch’ eine ist auch gar nicht erst hinauszubekommen oder kann nur mühevoll von der Schale gekletzelt werden. Das Marktamt toleriert übrigens laut den Bestimmungen des Österreichischen Lebensmittelbuches eine Toleranzgrenze von 20 Prozent an nicht der Verbrauchererwartung entsprechenden Früchten. Zwei von zehn Maronis dürfen also schlecht sein. Wenn es mehr sind, darf man das Marktamt einschalten.

Maroni (c) STADTBEKANNT

Maroni (c) STADTBEKANNT

Nervennahrung

Die gesunden Maroni, die man daran erkennt, dass sie nicht hohl sind, keine Flecken aufweisen und eine glatte Schale haben, sind neben Ihrer Funktion als Handwärmer und Sattmacher außerdem auch sehr gesund. Hildegard von Bingen empfahl es bei Trockenheit im Gehirn und einem schwachen Kopf, vor und nach dem Essen Maroni zu sich zu nehmen, um die Nerven zu stärken. Verschwörungstheoretiker mögen an dieser Stelle bitte überlegen, wieso die Maronistandl so strategisch in der ganzen Stadt verteilt sind und wie man bitte überhaupt auf die Idee gekommen ist, die Edelkastanien an der Straße zu verkaufen!

Erdäpfel (c) STADTBEKANNT

Erdäpfel (c) STADTBEKANNT

Gesellige Erdäpfel

Achja, es wird wohl auch jedem bekannt sein, dass sich zu den Maronis auch zumeist Erdäpfel in Form von Scheiben, Puffer oder Wedges hinzugesellen. Und irgendwie ist die Frage nach Maroni oder Erdäpfel (Maroni!) wohl genauso Welten trennend wie jene nach Katze oder Hund (Katze!). Bei einer Sache ist man sich aber meistens dann doch einig: den Punsch trinkt doch irgendwie jeder gerne dazu – und wenn man genug von all’ dem hat, dann machen ja die Eisgeschäfte bald wieder auf!

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