Wien – Leben

Trachtengeschaeft (c) Felix Herzer
Trachtengeschaeft (c) Felix Herzer

Die geheimnisvolle Unterwelt von Wien

18. April 2014 • Leben, Wien

Tour durch die Wiener Unterwelten

Der Wiener Wind macht seinem Ruf an diesem Nachmittag alle Ehre und peitscht mir heftige Böen kalter Luft entgegen. Daher war es wohl goldrichtig mich heute auf eine spannende Reise durch das unterirdische Wien entführen zu lassen. Die nächsten zwei Stunden wird unsere zwanzig Kopf starke Gruppe von der Unterwelten-Führerin Gabriele Lukacs durch drei Keller geleitet werden. Wir werden bis zu 4 Stockwerke tief in das Wiener Erdreich eindringen, wo Temperaturen bis +25°C herrschen.

In der Schottengasse 3 a im 1. Wiener Gemeindebezirk verlassen wir die Oberfläche und betreten die Kellerräumlichkeiten des Wiener Trachtengeschäfts „Tostmann Trachten“. Zunächst wird uns die Bedeutung von Kellern für Menschen vermittelt. Denn vor dem Beginn des elektronischen Zeitalters mit Kühlschränken und Co. waren diese ja die einzige Möglichkeit Lebensmittel zu kühlen. Nach den einführenden Worten von Frau Lukacs begeben wir uns tiefer hinunter in den mittelalterlichen Keller. Dort versammelt sich die Gruppe vor einer Mauer, die keinem von uns zunächst so richtig markant vorkommt. Es ist ein Teil der alten Wiener Stadtmauer, wie uns jetzt zu Ohre getragen wird und diente schon 1529, als Verteidigungsanlage gegen die anstürmenden Truppen des Osmanischen Reiches. Dann verteilt sich die Gruppe und ich flaniere noch ein wenig durch die Räumlichkeiten des Kellers, bis wir nach einigen Minuten leider schon wieder ans Tageslicht zurückkehren müssen.

Die ersten Schritte in die Wiener Unterwelt (c) Felix Herzer

Die ersten Schritte in die Wiener Unterwelt (c) Felix Herzer

Auf dem Weg zum zweiten Keller wird die offizielle Tour kurz unterbrochen. Wir versammeln uns um den Eingang eines kleinen Schachts, wie er vor einigen Häusern im 1.Bezirk noch zu sehen ist. Frau Lukacs erklärt uns, dass es sich um den Zugang zu einem alten Luftschutzkeller handelt. Diese wurden besonders zum Schutz der Zivilbevölkerung gegen Bombenangriffe im 2. Weltkrieg angelegt. Bis in 1950er Jahre hinein waren noch viele dieser ehemaligen Luftschutzkeller miteinander verbunden und somit weite Teile des 1. Bezirks auch unterirdisch begehbar.

Der teilweise einbetonierte Zugang zu einem ehemaligen Luftschutzkeller im 1. Bezirk (c) Felix Herzer

Der teilweise einbetonierte Zugang zu einem ehemaligen Luftschutzkeller im 1. Bezirk (c) Felix Herzer

Das römische Tor

Kurz danach betreten wir das Spezialitätengeschäft von Familie Haas und können noch nicht ahnen auf welch alten Fundamenten wir stehen. Nachdem wir zahlreiche Treppenstufen hinabgestiegen sind, vorbei an einem alten römischen Brunnen, befinden wir uns fast 20 Meter unter der Erde. Die Gruppe versammelt sich und wir blicken auf original 2000 Jahre alte römische Ziegel – das Fundament des Stadttors von dem ehemaligen römischen Lager Vindobona. Nun spüre ich auch die angekündigten +25 °C, die ich zunächst für einen Scherz hielt. Ich beginne zu schwitzen und entledige mich deshalb meiner Jacke während ich mir die antiken Ziegel genauer betrachte. Dann führt uns Frau Lukacs schon wieder zurück ins kühle Wien im Jahr 2014.

 

Abschied nehmen im Laurenzer Keller

Im letzten Keller unserer Tour, dem Laurenzer Keller, kann ein besonders guter Eindruck gewonnen werden, wie es gewesen sein muss durch die engen, dunklen Gänge zu laufen. Hier ist es nämlich noch möglich sich einige Schritte in mittelalterliche Tunnel hinein zu wagen. Zum Abschluss versammelt sich die Gruppe noch einmal und wir lauschen den abschließenden Worten von Frau Lukacs, welche dann eine Flasche Rotwein zückt und die ganze Gruppe zum Abschied auf einen Schluck einlädt.

Wer Wien und das Leben seiner früheren sowie heutigen Bewohner von einer ganz anderen Seite entdecken möchte, dem sei eine der Touren der Wiener Unterwelten sehr empfohlen.

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