Fussball Public Viewing (c) STADTBEKANNT
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Die Fußball-Welt ist noch nicht rund

28. Mai 2010 • Allgemein

In genau einem Monat geht‘s los. Am 11. Juni startet mit dem Spiel des Gastgebers Südafrika gegen Mexiko die  FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2010.

Es geht um viel. Gilt es doch bei der Premiere der WM-Endrunde auf dem afrikanischen Kontinent einiges zu beweisen. Für die afrikanischen Teams gilt es den Ruf als ewige Papierfavoriten zu besiegen. Dass nördlich und südlich der Sahara großartiger Fußball gespielt wird ist schon länger bekannt. Doch ebenso regelmäßig wie spielerisch beeindruckende afrikanische Fußballmannschaften an internationalen Turnieren teilnehmen, scheitern sie auch zumeist spätestens nach der Vorrunde.

Mit wie viel Vorschusslorbeeren waren beispielsweise die Éléphants von der Elfenbeinküste in das vergangene Turnier in Deutschland gestartet, um dann schon nach der Gruppenphase wieder im Flieger nach Hause zu sitzen? Auch die spielerisch glänzende Equipe der 1990er aus Nigeria, gespickt mit internationalen Top-Stars ihrer Zeit wie Sunday Oliseh (Ajax Amsterdam, Juventus Turin),  Jay-Jay Okocha (Paris St. Germain),  oder Victor Ikpeba (AS Monaco). Einzig bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta konnten die Super Eagles ihre Klasse auch in Zählbares ummünzen und sich mit einem 3:2 Finalerfolg über Argentinien Gold um den Hals hängen.

Doch nicht nur für den afrikanischen Fußball stellt die kommende Endrunde in Südafrika eine Bewährungsprobe dar. Auch Südafrika als ganzes Land steht im Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit – wieder einmal. Nach der dunklen Zeit des Apartheid-Regimes in der Kap-Republik ist es nun zwar ein wohlwollenderer Blick, doch ganz will man augenscheinlich weiter nördlich noch nicht an einen völlig reibungslosen Ablauf des größten Sportereignisses der Welt in einem afrikanischen Staat glauben. Vor allem Sicherheitsaspekte sind es, die Kritiker gegen den Ausrichter ins Feld führen.

Und tatsächlich liegt Südafrika mit 37 Morden je 100.000 EinwohnerInnen im vergangenen Jahr im traurigen internationalen Spitzenfeld. Vergessen werden dabei jedoch zwei Aspekte. Zum einen ist diese Zahl in der noch recht kurzen Geschichte des freien Staates Südafrika stark rückläufig und sind Gewaltverbrechen in einem Land, das es schaffte nach einer jahrzehntelangen Diktatur und Unterdrückung des überwältigenden Teiles der Bevölkerung, mit immer noch sehr großen sozialen Unterschieden, diese auch noch ohne Bürgerkrieg zu überwinden kein internationaler Einzelfall. Auch in Russland und Brasilien, einstigen Unterdrückeregimes ohne starke rassistische Komponente, sind Gewaltverbrechen keine Einzelfälle.

Andererseits jedoch hat auch Südafrika das Recht am selben Maß gemessen zu werden wie jede andere Nation, die eine Weltmeisterschafts-Endrunde ausrichtet. Und dies kann nicht der Sicherheitsaspekt sein. Offensichtlich wird dies, wenn man sich die Vergabegeschichte der FIFA nur ein bisschen genauer ansieht. 1950 fand die Fußballweltmeisterschaft  in Brasilien statt und das tut sie auch 2014 wieder. Einem Land, in dem laut einem Bericht der Welt, Mord die Todesursache Nummer 1 unter Jugendlichen ist. Einem Land , das in der Mordstatistik nur wenige Plätze hinter Südafrika rangiert. Einem Land in dem auch, in dem 2016 die Olympischen Spiele ausgetragen werden. Am Olympischen Frieden ist augenscheinlich noch zu arbeiten.

Den Zuschlag für die Fußball-WM 1986 erhielt Kolumbien. Ein Land das leider neben dem Kokainhandel auch für Guerilla-Krieg und unzählbare Morde bekannt ist. Als Kolumbien von seiner Bewerbung zurücktrat ging die Weltmeisterschaft nach Mexiko. Ein wunderschönes Land in dem leider auch zu viele Menschen nicht die Chance haben an Altersschwäche zu sterben. Die WM 1990 in Italien wurde zur Zeiten des blutigsten Mafiakrieges der jüngeren Geschichte vergeben.

Davon, dass die Fußball-WM 1994 in dem Land mit der höchsten Rate an Gefängnisinsassen auf der Welt das deshalb doch wohl auch nicht ganz ungefährlich sein kann, stattfand soll hier nur am Rande die Rede sein.

Wenn auch die Vuvuzelas laut und die Stadionatmosphäre für viele Europäer ungewohnt ist, so soll auch den OrganisatorInnen der Fußball-WM in Südafrika und den Menschen dort die Chance gegeben werden die Endrunde auf ihre Art zu feiern.

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