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Rolltreppe (c) STADTBEKANNT
Rolltreppe (c) STADTBEKANNT

Der Wiener Rolltreppen Führerschein

10. August 2011 • Skurriles1 Kommentar zu Der Wiener Rolltreppen Führerschein

Rechts stehen, links gehen!

Einfacher könnte es kaum sein und trotzdem scheitern tagtäglich Menschen daran. Die Benützung einer Rolltreppe soll gelernt sein. Damit sich aber einheitliche Rolltreppenbenützungsstandards durchsetzen und in die Überwachung dieser Standards kontrolliert vorgeht, wird nun ein professioneller Rolltreppenführerschein gefördert.

 

Das liebe Landei

Die klassischen KandidatInnen für kolossales Versagen auf der Rolltreppe sind Menschen vom Land, die die Stadt nur vom Hörensagen und dem einmal in zehn Jahren absolvierten Wien-Ausflug kennen. Wenn dann aber die Tochter oder der Sohn das Studium in der Hauptstadt aufnimmt, wollen die Eltern sie natürlich besuchen kommen. Denn man weiß ja nicht, welche Gefahren in der großen Stadt, diesem balkanischen Sündenpfuhl ohne Recht, Anstand und Moral lauern.

 

Faszination U-Bahn

Ihre armen Seelen, dem Moloch des Wiener Liniennetzes anvertraut, sind sie von der architektonischen Pracht des U-Bahnbaus meist völlig gefesselt. Gebannt starren sie auf Tunnel, Röhren, Menschenströme und Kunst im öffentlichen Raum. Zwar kann man durchaus verstehen, dass man von der logistischen Leistung, zehntausende Menschen nahezu gleichzeitig, mittels komplexer Leitsysteme von A nach B zu bringen, fasziniert ist, aber alles hat seine Grenzen. Denn der/die WienerIn, gehetzt von den Anforderungen des Alltags, bringt meist nur wenig Verständnis für die LandbewohnerInnen auf, die minutenlang auf der falschen Rolltreppenspur stehen und fasziniert dem allgemeinen, geschäftigen Treiben zusehen.

Mag es an der Faszination für die U-Bahn liegen, am Unwissen über die Usancen der Rolltreppenbenutzung oder an der, der Landbevölkerung zugeschriebenen Starrsinnigkeit, jedenfalls ist es ein Problem.

 

Einführung des Rolltreppen-Führerscheins

Gut zureden, beleidigen, schimpfen, ignorieren, auf den Strukturwandel im ländlichen Raum hoffen, das hat alles nichts gebracht. Wie eh und je wird das Recht auf ungehindertes Gehen auf Rolltreppen, im wahrsten Sinne des Wortes, mit Füßen getreten. Die Not macht aber bekanntlich erfinderisch und so sollte das seit langem gehegte Vorhaben eines Wiener Rolltreppen-Führerscheins endlich tatsächlich in die Tat umgesetzt werden. Die Landbevölkerung sollte an den Einfahrtstraßen und den Bahnhöfen abgefangen werden und einem Führerscheinintensivkurs unterzogen werden. Unter Anleitung fachkundiger BeamtInnen, wird den Tölpeln und TölpelInnen die Verwendung dieses Meisterwerks der Ingenieurskunst nahe gebracht.

Daraufhin werden Führerscheine ausgeteilt, die dringend als Punkteführerscheine zu verstehen sind. Bei einmaliger Zuwiderhandlung soll eine Ermahnung ausgesprochen werden, bereits beim zweiten Verstoß ein Bußgeld und spätestens beim dritten ein mehrwöchiges Benutzungsverbot verhängt werden.

 

Die Rolltreppenpolizei

Die Einhaltung dieser Regelungen, wird von einer neu zu schaffenden Behörde, der Wiener Rolltreppenpolizei,  kontrolliert werden. Diese hätte neben ihrem allgemein positiven Einfluss auf das Klima in der Stadt und die Qualität der Rolltreppenbenutzung, auch einen positiven Beschäftigungseffekt. Wenn es dann irgendwann einmal funktionieren sollte mit der Rolltreppenbenutzung und das Motto „links gehen rechts stehen“ endlich auch der/die Letzte internalisiert hat, können wir uns abschließend dem letzten großen Rätsel der Rolltreppenkunde widmen: Warum nämlich immer die viel dringender benötigten Rolltreppen aufwärts beschädigt sind.

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  1. Eva sagt:

    Dein Artikel hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert! ☺

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