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Kreuz (c) stadtbekannt.at
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Der Tod muss ein Wiener sein!

15. Februar 2014 • Skurriles

A Bankl reißn, die Patschn streckn, die Bock aufstön…

Im wienerischen Idiom gibt es eine bunte Sammlung an Ausdrücken, die den Moment des Dahinscheidens beschreiben. Gemeinhin wird ja behauptet, die WienerInnen hätten eine besonders liebevolle Beziehung zum Tod.

Ob Vorurteil oder nicht, angesichts herrschender Witterungsverhältnisse denkt man etwas öfter ans Sterben als sonst. Aus diesem Grund machen wir uns ein paar (mit einem Augenzwinkern zu verstehende) Gedanken über geeignete Orte zum Sterben. Vielleicht sind es nicht die schönsten, aber Sterben kann man ja bekanntlich überall – und in Wien eben besonders gut.

 

In der „Raucherkabine“ am Flughafen

Der Abgang am Flughafen Schwechat in der „Raucherkabine“ besticht durch seinen anklagenden Charakter. Verweist er doch mit einer gehörigen Portion Zynismus auf die gute alte Zeit, als man noch quasi überall dem qualmigen Laster frönen durfte. Besonders beruhigend hier der vorbereitende Charakter: In der Hölle kann es unmöglich stickiger sein als in den Räucherkammern des Flughafens!

 

Vor dem „gerade renovierten“ Stadthallenbad

Eine gute Wahl ist sicher auch der letzte Auftritt vor dem „gerade renovierten“ Stadthallenbad. Mit in kindlicher Vorfreude zusammengepacktem Rucksack auf dem Rücken, gestorben vor Enttäuschung ob des verleideten Schwimmvergnügens. Weil in Wien eine Tragödie selten allein kommt und wir ohnehin einen Hang zur Theatralik ganz gerne haben.

 

In der Warteschlange beim BILLA

Ein Ort, an dem wohl jede/r von uns schon den Tod herbei gesehnt hat, ist sicherlich die Warteschlange beim BILLA. Kleingeldzählende Omas waren gestern, heute haben wir Bankomatkarten! Und sein Cola mit ebendieser zu bezahlen scheint besonders bei jungen Menschen unheimlich en vogue zu sein. Viele Wartende sehen da nur zwei Optionen. Und weil ein Amoklauf nicht nur einiges an Vorbereitungszeit kostet und darüber hinaus auch noch unheimlich mühsam ist, legt man sich am besten direkt aufs Förderband und gibt auf – endgültig.

 

In der Bim

In der Bim (besonders stilvoll in den alten Garnituren) stirbt es sich besonders schön: Am besten fatal (und letal) stolpern, weil hin und wieder sind wir WienerInnen auch selbstlos. Schließlich gibt es für unsere Mitmenschen nichts Schöneres, als das Unglück der anderen zu kommentieren, es grundsätzlich „immer schon g’sagt“ zu haben und sich daran zu erfreuen, dass es einem nicht selbst passiert ist. Schön, wenn man anderen eine Freude bereiten kann!

 

Am Kinderspielplatz

Auch sehr zu empfehlen ist es, das Zeitliche am Kinderspielplatz zu segnen. Am Besten durch Steckenbleiben in der Tunnelrutsche. Das erfüllt eine typisch wienerische Mission in Reinkultur: die Mieselsucht. Denn so verleidet man auch aus dem Jenseits sicherlich vielen Kindern das Spielvergnügen. Das ist ein besonderer Erfolg, denn in Wien ärgert man sich ja über kaum etwas so sehr, wie über fröhliches Kinderlachen. Vorsicht ist hier jedoch geboten: Bloß nicht aus Versehen in der Hundezone abtreten, denn die lieben Hundsviehcherl haben das wirklich nicht verdient!

 

In diesem Sinne halten wir es mit dem hochgeschätzten Georg Kreisler, wenn wir annehmen: Der Tod muss ein Wiener sein!

Nadja Pospisil

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