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Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT
Stephansdom Wienblick (c) STADTBEKANNT

Der Surrealismus bin ich!

22. Juni 2011 • Kultur1 Kommentar zu Der Surrealismus bin ich!

Um Dalí geht es also in der neusten Ausstellung in der Kunsthalle Wien – und so manchem entlockt diese Ankündigung nur ein müdes Gähnen. Ausgelutscht, totgeritten und mittlerweile eigentlich Inbegriff des Ikea-Kunstdrucks in der Zahnarztpraxis wurde mit Salvador Dalí schon viel Schindluder getrieben – ob sich das der geniale Selbstdarsteller und Vermarktungsstratege nun selbst eingebrockt hat oder nicht.

So befürchtet man also, dass eine Dalí Ausstellung das bietet, was sich viele vielleicht wünschen würden: eine Abfolge von allen Dalí Hauptwerken nebeneinander, so dass man die berühmten Bilder also endlich auch mal in echt gesehen hat. Nun ist die Kunsthalle aber nicht die Albertina, wo solche Mega-Ausstellungen ohne Mehrwert ihre Heimat finden, und so bleibt noch die zweite Befürchtung: wird hier aus Geldnot mit ein paar Dalí-Grafiken aus dem Depot und viel Füllmaterial eine Ausstellung wahllos zusammengewürfelt, um diese dann unter dem Markennamen „Dalí“ zum Verkaufsschlager werden zu lassen?

Tatsächlich kann man allerdings beruhigt sein: die Kunsthalle hat es tatsächlich geschafft, ein, wenn auch nicht bahnbrechendes, dann zumindest stringentes Konzept ansprechend zu präsentieren, und so wirklich mehr aus Salvador Dalí herauszuholen ohne dass der Mangel an großen Werken des Künstlers überhaupt auffallen würde. Das Prinzip: mit Markus Schinwald, Louise Bourgeois, Glenn Brown und Francesco Vezzoli werden vier künstlerische Positionen denen von Dalí gegenübergestellt – künstlerische Positionen, die verschiedene Aspekte von Dalís Malerei rezipieren, aufgreifen, weiterentwickeln und offen legen. Etwa die Themen „Bildwelten des Unbewussten, Kunstgeschichte und Maltradition, das Phänomen der Berühmtheit und die Rolle von Kunst und Künstler in Gesellschaft und Populärkultur“ werden so in den vier spannend durchchoreographierten und inszenierten Räumen der Halle 2 thematisiert, um damit auch aktuelle Tendenzen des Surrealismus im Vergleich mit dessen (selbsternannten) Urvater zur Diskussion zu stellen.

Die erste künstlerische Position wird von Markus Schinwald vertreten, der sich mit Dalís Projekt für die Weltausstellung 1939 beschäftigt hat und in Bezug auf diese von lebenden Nixen animierte „Wasser-Erlebniswelt“ ein Aquarium mit zwei lebenden Welsen in einer absurden Theaterbühnen-Umgebung zeigt – der schwarze Bart der Fische gemahnt dabei nicht zufällig an den Meister selbst. Louise Bourgeoise und ihre Skulpturen vertreten einen Raum weiter die Auseinandersetzung mit dem Unbewusstem und der Psychoanalyse, der sich Dalí ebenfalls gewidmet hat, und Glenn Brown macht Dalís Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte und Maltradition zum Thema, indem er Werke des Künstlers direkt verändert und verfremdet. Etwas plakativer geht es dann bei Francesco Vezzoli zu, der sich mit dem Personenkult und dem Phänomen der Berühmtheit Dalís beschäftigt.

Die Werke von Schinwald, Bourgeoise und Co sind dabei wesentlich stärker als die siebzig originalen Dalís, die als Referenzpunkte in den Räumen die aktuellen künstlerischen Positionen kontrastieren und den Blickwinkel, aus denen sie zu betrachten sind, bestimmen – und gerade deshalb ist Dalí in seiner fast-Abwesenheit die leere Mitte, um die die Ausstellung kreist.
(rmd)


Le Surrealisme, c’est moi

Kunsthalle Wien, Halle 2
22. Juni – 23. Oktober 2011

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kunsthalle wien



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  1. lauterbach sagt:

    fein!
    hat gefallen – ich komme wieder!

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