Kultur

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Der stadtbekannt Off- und Newspace Guide. Teil 2.

2. November 2011 • Kultur

In einem früheren Offspace-Guide haben wir euch schon einmal einige wichtige Räume für zeitgenössische Kunst vorgestellt. In Wien existiert eine lebendige junge Szene an KünstlerInnen und KuratorInnen, die in sehr kreativer Art und Weise „Orte im Abseits“ zu nutzen weiß und diese mit spannender Kunst bespielt. Wir stellen euch daher in einem zweiten Teil einige zusätzliche Off- und Newspaces in Wien vor.

Wem Off- oder sogenannte Newspaces keine Begriffe sind, dem sei kurz erklärt: Offspaces sind unabhängige, nichtkommerzielle Ausstellungsräume von und für junge zeitgenössische KünstlerInnen. Diese Kunsträume distanzieren sich von den großen Kunstinstitutionen mit all ihren politischen, ökonomischen und ideellen Konnotationen. Sie befinden sich oft in den Ateliers der KünstlerInnen selbst, in leerstehenden Industrieräumen, aber auch in Privatwohnungen. In Offspaces sind oft zu allererst die neuesten künstlerischen Tendenzen ablesbar, denn diese subkulturellen Räume trauen sich aufgrund ihrer Unabhängigkeit und Flexibilität kontroverse Diskussionen auszulösen oder diese zu führen – etwas, das die großen Institutionen oft nicht (mehr) leisten wollen oder können.

 

 

Flat1

Das Flat ist dem Namen nach erst einmal genau das, was andeutet: eine ehemalige Hausmeisterwohnung. Dort werden seit 2009 regelmäßig Ausstellungen von jungen KünstlerInnen inklusive Performances, Musik und Filmvorführungen gezeigt – zeitgleich mit den Ausstellungsvernissagen der Galerien in der Schleifmühlgasse. Initiiert wurde das Flat1 von einer Gruppe bildender KünstlerInnen, die einerseits einen Ort zur Präsentation von spannender zeitgenössischer Kunst abseits des Galeriebetriebs schaffen wollten, andererseits ihr eigenes künstlerisches Tun um die kuratorische Komponente erweitern wollten.

 

Pro Choice

Die beiden KünstlerInnen Lucie Stahl und Will Benedikt betreiben seit drei Jahren den Raum Pro Choice. Bereits während des Studiums begannen beide Ausstellungen in den jeweils eigenen vier Wänden zu realisieren: Stahl in Frankfurt, Benedikt in Los Angeles. Im Zentrum ihres Programms steht die Präsentation junger internationaler KünstlerInnen, in Verbindung mit dem Austausch mit anderen Offspaces und Projekträumen in anderen Städten, etwa Paris oder Berlin. Neben den Ausstellungen gestalten die eingeladenen KünstlerInnen oft auch Editionen, die erworben werden können und mit denen Pro Choice einen Teil ihres Budgets bestreiten können. Seit kurzem musste der im ersten Bezirk ideal gelegene Offspace einem Modehaus weichen. Jetzt präsentiert man Ausstellungen in der Prater Hauptalle 2a.

 

Saprophyt

Der von den KünstlerInnen Barbara Kapusta und Stephan Lugbauer organisierte Raum „Saprophyt“ wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Ein leerer, bis dato unbenutzter Raum, bildete den Rahmen für künstlerische Interventionen, die jeweils auf die Strukturen von vorangegangenen Präsentationen reagieren: Nach Ende der jeweiligen Projekte wird der Raum nicht in den Zustand eines white cubes rückverwandelt, die nachfolgenden KünstlerInnen adaptieren den vorhandenen Raum vielmehr für ihre eigenen Arbeiten. Ein Austauschprogramm mit Offspaces aus Mexiko ist Teil des Konzepts. Beim Saprophyt handelt es sich also nicht nur um einen Ausstellungsraum – es ist gleichzeitig auch ein Experiment, aus dem eine endlos ausbaubare „Social Sculpture“ hervor gehen soll.

 

Salon für Kunstbuch

Der 2007 von Bernhard Cella initiierte und gestaltete Ort, hat seinen Sitz in der Mondscheingasse in Wien-Neubau. Vordergründig ist es ein Modell einer Buchhandlung im Maßstab 1:1, eine Art Studienraum, in dem sämtliche Veröffentlichungen zu Ausstellungen und aktuellen künstlerischen Tendenzen versammelt und öffentlich gemacht werden. Dahinter steht gleichzeitig die Idee eines Kunstprojekts, Themen und Interessen über das Medium Buch verhandelbar zu machen. Neben der Präsentation von Neuerscheinungen werden regelmäßig KünstlerInnen, HerausgeberInnen, VerlegerInnen und AutorInnen eingeladen.

 

PS Artspace

Einer der jüngsten Spaces ist der im Umfeld der Pratersauna organisierte PS ArtSpace. Die Ausstellungen sind unabhängig vom Club-Betrieb organisiert, mit der Fusion von Club und Kunstraum sollen aber neue Impulse innerhalb der Szene Wiens gesetzt werden. Gezeigt werden Projekte und Ausstellungen im Rahmen von Kooperationen mit renommierten KünstlerInnen, Institutionen sowie externen (Kunst-)Festivals. Aufgrund des noch sehr jungen Alters des PS Artspace, befindet sich das Programm, Team und konkrete Ausrichtung noch im Aufbau – man darf daher auf die Entwicklung des ambitionierten Vorhabens gespannt sein!

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