Kultur – Film / TV

Fear and Loathing in Las Vegas
Fear and Loathing in Las Vegas

Der Rausch im Film

31. Jänner 2013 • Film / TV

Hollywood im Drogenwahn

Abends steht ein Filmabend an, die Freunde stehen schon in den Startlöchern, doch euch fallen partout keine Streifen ein, bei denen Alkohol, Kokain und andere Drogen ein zentrales Thema spielen? STADTBEKANNT hat die rettenden Tipps:

 

Barfly

Hätte ein Mensch der Menscheit beibringen müssen sich zu betrinken, es wäre wohl Charles Bukowski gewesen. Ebenso wie sein Schöpfer gießt sich Bukowskis Alter Ego Henry Chinaski regelmäßig einen auf die Lampe dass es nur so zischt. Mit Mickey Rourke, der den Henry Chinaski in Barbet Schroeders biographisch angehauchtem Drama „Barfly“ verkörpert, schließt sich der Kreis der Trunkenbolde nun. Rourke, der in zuvor als einer der kommenden jungen Stars in Hollywood gehandelt wurde soff sich nur wenig später recht rückhaltlos und vollständig um jeden schauspielerischen Erfolg.

Im Film findet er als Henry in der ebenso trinklustigen Wanda (Faye Dunaway) seine Seelenverwandte und gemeinsam richtet man sich flüssig zu Grunde.

 

Fear and Loathing in Las Vegas

Ich glaube man kann es ruhig so sagen: Wenn man mit einem Dinosaurierschwanz am Hinterteil in einem überfluteten Hotelzimmer aufwacht, dann sollte man sich entweder ernsthafte Gedanken über seinen Drogenkonsum machen oder seinen Anwalt konsultieren. Hunter S. Thompson (Johnny Depp) wählt in Terry Gilliams quietschbunten und herrlich schrägen Film-Drogen-Rausch klarerweise zweitere Variante. Damit liegt er voll auf der Wellenlänge des wirklichen Hunter S. Thompson, auf dessen gleichnamigen Roman der Film beruht. In diesem Sinne:

„Wir hatten zwei Beutel Gras, fünfundsiebzig Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, ’nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und ein ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher … sowie ’nen Liter Tequila, ’ne Flasche Rum, ’ne Kiste Bier, ’nen halben Liter Ether und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ’ne ernsthafte Drogen-Sammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden.“

 

Leaving Las Vegas

Die „Sin City“ mitten in der Wüste Arizonas ist etwas ganz Besonderes für Freunde der gepflegten Bewusstseinserweiterung. Nicht von ungefähr fährt also der alkoholkranke und sowohl privat als auch beruflich gescheiterte Drehbuchautor Ben Sanderson genau dorthin, um sich dort zu Tode zu trinken. Bevor er seinem Leben so ein Ende setzen kann lernt er die ebenfalls vom Leben enttäuscht Prostituierte Sera (Elisabeth Shue) kennen. Kurzerhand beschließt man gemeinsam der Lebensmüdigkeit zu frönen. Der Deal lautet: Sie darf ihn nicht vom Selbstmord auf Raten abhalten, während er sich nicht in ihr Geschäft einmischen darf. Nie war Selbstzerstörung schöner und romantischer.

 

Casablanca

Viele werden jetzt fragen: Was soll denn dieser Schmachtfetzen in der Liste? Doch wer Casablanca auf die Liebesgeschichte zwischen Rick (Humphrey Bogart) und Ilsa (Ingrid Bergman) reduziert, der hat nicht verstanden, dass es hier vor allem auch um einen lebensmüden Trunkenbold geht. Allein seine Selbstbeschreibung rechtfertigt die Aufnahme in die Reihe der Alkoholiker-Filme:

Major Strasser: What is your nationality?
Rick: I’m a drunkard.
Captain Renault: That makes Rick a citizen of the world.

 

Naked Lunch

Ähnlich wie Charles Bukowski war William S. Burroughs zeitlebens einer der Propheten des Schwipses. Die wohl traurigste Episode aus seiner Trinker- und Junkie-Karriere stellt wohl der Tod seiner Ehefrau dar, der er im Suff einen Apfel vom Kopf schießen wollte. Leider war Burroughs nicht mit der Treffsicherheit eines Wilhelm Tell gesegnet und erschoss seine Frau bei dem Versuch.

Die Tötung seiner Ehefrau im Vollrausch versucht auch der Schädlingsvernichter William Lee (Peter Weller) in David Cronenbergs Filmversion von Burroughs Hauptwerk „Naked Lunch“ zu vergessen. Er sucht Zuflucht in der Scheinwelt „Interzone“ am Hafen von Tanger, wo er immer tiefer in seine wahnhaften Vorstellungen und seine Drogensucht hineinrutscht – sprechende Kakerlaken und Kakerlaken-Schreibmaschinen inbegriffen.

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