Veranstaltungen – Festival

Buskers-Festival 2014 (c) STADTBEKANNT Buchinger
Buskers-Festival 2014 (c) STADTBEKANNT Buchinger

Der Kunst ihre Straße! – Das Buskers-Festival 2014

7. September 2014 • Festival, Musik

Interview mit Buskers

Bereits zum vierten Mal steigt das Buskers-Festival am Wiener Karlsplatz. Bis Sonntagabend wird an sechs verschiedenen Spots gemalt, getanzt, jongliert, musiziert und gezaubert.

Auch heuer erfreuen sich wieder tausende Menschen an diesem bunten Spektakel im Zeichen der Toleranz und des kreativen Austauschs. STADTBEKANNT traf sich mit zwei der Initiatoren, Christian Dzwonkowski und Richard Natiesta, zum Interview.

 

STADTBEKANNT: Seit wann gibt’s Buskers, welche Idee steckt dahinter?
Dzwonkowski: Buskers gibt’s seit 2011. Wir sind ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Straßenkunst, dessen Anliegen es ist, die heimische Straßenkunst-Szene ins Rampenlicht zu rücken. 2010 machte ich eine Reise durch Europa und habe bei einem Barcelona-Aufenthalt das Buskers-Festival live miterlebt, was mich fasziniert hat. Vor allem die Publikumsnähe ist einzigartig.

 

STADTBEKANNT: Also gab es das Projekt „Buskers“ schon, bevor ihr es nach Wien geholt habt?
Dzwonkowski: Das Buskers-Konzept gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten, ohne das ein Dachverband dahinter steckt. Das Prinzip ist weltweit überall gleich: Open Air, kein Eintritt. Die Veranstalter zahlen keine Gagen an die Künstler, sondern nur die Anreisekosten und Logie.

 

STADTBEKANNT: Aus welcher Motivation heraus organisiert ihr dieses Festival? Wieviele Leute zählt das Buskers-Team?
Dzwonkowski: Zum einen war ich schon früher Veranstalter in der Musikszene. Dazu kam die Euphorie nach dem Barcelona-Trip. Ich dachte mir, dass es in Wien so etwas bis dato eigentlich nicht gibt und es durchaus umsetzbar wäre. Die Idee wurde von öffentlicher Seite her sehr positiv angenommen. Was man in Österreich als Vorbild nehmen kann, ist das Pflasterspektakel in Linz. Das gibt’s mittlerweile seit 27 Jahren und ist von den Besucherzahlen das größte Straßenkunstfestival Europas. Außerdem organisiert und finanziert das die Stadt Linz. Im ersten Jahr hatte ich weder Förderer noch Sponsoren, bezahlte das meiste aus eigener Tasche.
Natiesta: Mittlerweile sind wir ein Team von 25 Mitgliedern, wobei ein Kernteam von fünf Leuten das ganze Jahr über ehrenamtlich an der Festivalplanung mitwirkt. An den Festivaltagen selbst arbeiten rund 50 Leute zusammen, die meisten davon sind freiwillige Helfer, ohne die das Fest in dieser Form gar nicht durchführbar wäre.

Das Buskers-Festival 2014 Busker (c) STADTBEKANNT Buchinger

Das Buskers-Festival 2014 Busker (c) STADTBEKANNT Buchinger

STADTBEKANNT: Wie stellt sich das Line-Up zusammen? Wer kuratiert das Festival?
Natiesta: Im ersten Jahr hat man sich natürlich noch auf die Suche nach passenden Artists gemacht. Mittlerweile haben wir zahlreiche Bewerbungen. Die Bewerbungsphase läuft zwischen Februar und Mai. Es wird natürlich immer schwieriger aus zu selektieren, sich anzumaßen wer gut ist und wer nicht. Es ist in erster Linie Gefühlssache.
Dzwonkowski: Die Anmeldungen passieren durch Mundpropaganda. Die Künstler tauschen sich auf ihren Reisen natürlich aus. Es gibt weltweit eine eigene, riesige Community in der Straßenkunstszene. Wien ist eine Hochburg, weil Straßenkunst auch in der Vergangenheit stets mit Wien assoziiert wurde, wenn man zum Beispiel die Orgel- und Leierkastenspieler hernimmt. In den letzten Jahren sind gewisse behördliche Maßnahmen leider immer restriktiver geworden. Der Straßenkunst wird es dadurch immer schwerer gemacht, Öffentlichkeit zu finden. Das führt dazu, dass die talentiertesten Wiener Straßenkünstler die Flucht ergreifen und ihr Glück wo anders versuchen.

 

STADTBEKANNT: Woran scheitert der Dialog zwischen Kunst im öffentlichen Raum und der Politik?
Dzwonkowski: Die Straßenkunst-Verordnung wurde vor drei Jahren neu geschrieben. Es gibt auf ganz Wien verteilt über 60 ordnungsgemäße Straßenkünstlerspots, die markiert sind mit einer Plakette, die ungefähr 2 x 3 cm groß ist. Noch dazu sind diese Plätze oft wahllos an den abseitigsten Plätzen Wiens verstreut, wodurch es für viele Künstler unmöglich ist, gesehen zu werden.
Natiesta: Straßenkunst lebt natürlich von der Zentralität und fühlt sich dort am wohlsten, wo die meisten Leute sind. Die touristischen Flaniermeilen sind da natürlich besonders gefragt. Es macht keinen Sinn, wenn man die Künstler in einen Park in den 22. Bezirk verbannt, weil dort viel zu wenige Leute vorbeikommen.
Dzwonkowski: Wenn du jonglieren willst oder dich sonst wie in der Gruppe künstlerisch betätigen willst, musst du zur Magistratsabteilung und dich dort als Straßenkünstler registrieren. Dort wirst du in eine Datenbank aufgenommen und musst vier Wochen warten, bis du einem Spot zugewiesen wirst. Das geschieht alles völlig willkürlich. Es ist nicht beeinflussbar.
Natiesta: Dieses Anmeldesystem macht natürlich auch die internationale Spontanität kaputt. Wenn jemand aus dem Ausland kommt, der der Sprache nicht mächtig ist – woher soll der wissen, an welches Magistrat er sich zu wenden hat? Erwischt er die Öffnungszeiten? Ist er überhaupt solange in der Stadt, bis er einen Platz zugewiesen bekommt?

Stand Buskers-Festival 2014 Trash Bar (c) STADTBEKANNT Buchinger

Stand Buskers-Festival 2014 Trash Bar (c) STADTBEKANNT Buchinger

STADTBEKANNT: Worauf achtet ihr bei der Organisation besonders?
Dzwonkowski: Vor allem der Dialog mit der Stadt und mit den Gewerbetreibenden muss stimmen.
Natiesta: Die Geschäftsleute in der Umgebung befürchten oft Umsatzeinbußen durch die oft negativ konnotierte Straßenkunst. Ich bin mir aber sicher, dass es oft sogar umgekehrt wirkt. Gewisse Lokalitäten werden durch das Festival erst bekannt gemacht.

 

STADTBEKANNT: Habt ihr abschließend noch eine Sonntags-Empfehlung für unsere LeserInnen?
Dzwonkowski: Die Bandbreite ist enorm. Es ist schwierig, jemanden hervorzuheben.
Natiesta: Wir wollen, dass sich jeder ein Highlight rauspicken kann, und hoffen, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.
Das Buskers-Festival findet vom 5. bis 7. September 2014, jeweils von 14:00 – 22:00 Uhr statt.
Alle Informationen sowie das Programm finden sich auf www.buskerswien.at

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