Wien – Grätzltipps – 11. Simmering

Friedhof der Namenlosen Weg (c) stadtbekannt.at
Friedhof der Namenlosen Weg (c) stadtbekannt.at

Der Friedhof der Namenlosen

15. Februar 2015 • 11. Simmering, Gut zu wissen

Die letzte Ruhestätte von Wiens Wasserleichen

Nicht nur in Wien ist es ein wunderbares Lebenswerk, ehrenamtlicher Totengräber zu sein. In Wien aber ist es natürlich besonders wunderbar. Josef Fuchs (1906–1996) machte es sich über sechzig Jahre lang zur Aufgabe, den Friedhof der Namenlosen nahe dem Alberner Hafen zu pflegen. Er wurde für diese stille, im Stillen verübte Tätigkeit mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet.

Friedhof der Namenlosen Gewässer (c) stadtbekannt.at

Friedhof der Namenlosen Gewässer (c) stadtbekannt.at

Auf dem kleinen, familiär wirkenden Friedhof herrscht eine seltsame Stimmung. Die schmucklosen Gräber mit den identen schmiedeeisernen Kreuzen ruhen im Lärm des benachbarten Hafenbetriebes. Auf manchen liegen Blumen und Kränze, auf den meisten ist ein Täfelchen mit den Worten „Unbekannt“ oder „Namenlos“ angebracht. Hier wurden knapp sechshundert Wasserleichen bestattet. Vor der Hafenregulierung 1939 wurden sie hier von einem besonderen Wasserstrudel an Land geschwemmt. Seit 1940 werden Tote, die die Donau freigibt, am Zentralfriedhof bestattet.

 

Bevor die Sonne aufgeht

Der Friedhof ist ein selten besuchtes, aber lohnendes Ausflugsziel. Weil der Tod vielleicht nirgends in Wien schöner ist. Wegen der guten Küche im angrenzenden Gasthaus „Zum Friedhof der Namenlosen“ (Wintersperre von Jänner bis März). Wegen der Abgeschiedenheit in diesem äußersten Winkel Wiens, wo das Auwald- und Wiesengebiet die Stadt berührt, wo sich der Alberner und der Lobauer Hafen über das letzte Zipferl der Donauinsel zärtlich zuzwinkern. Wo die vor Wien filetierte Donau wieder zum gemächlichen Strom wird, wo sich der Hauptstrom wieder mit Donaukanal, Neuer und Alter Donau vereint. Einige Touristen verirren sich hierher, weil sie vor ihrem Wienbesuch den Hollywoodfilm „Before Sunrise“ gesehen haben.

Friedhof der Namenlosen Gebäude (c) stadtbekannt.at

Friedhof der Namenlosen Gebäude (c) stadtbekannt.at

Jeden ersten Sonntag im Monat findet um 15 Uhr 30 eine Messe in der Einsegnungskapelle statt. Man erreicht den Friedhof mit dem Auto über folgende Wegstrecke: Handelskai – Hafenzufahrt – Freudenauer Hafenstraße – Seitenhafenstraße – nach der Brücke über den Donaukanal bei der Ampel links – Margetinstraße – in die Alberner Hafenzufahrtstraße bis zum Frachtenbahnhof Alberner Hafen, wo ein grüner Pfeil zum Friedhof der Namenlosen weist – entlang den Silos immer geradeaus bis zum Friedhof. Oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln U3 Enkplatz – Autobuslinie 76A bis zum Alberner Hafen – von dort zehn Minuten Fußweg.

Ob der Friedhof einen erreicht, hängt vom Gemüt ab.

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