Kultur – Musik

Schallplatte Vinyl (c) STADTBEKANNT Hofinger
Schallplatte Vinyl (c) STADTBEKANNT Hofinger

Depeche Ambros

29. Mai 2010 • Musik

„Für mich ist Synth-Pop meine Punkbewegung“.

Depeche Ambros, das neue Projekt rund um Clemens Haipl, Peter Pansky und Hannes Duscher, bringt zwei völlig konträre Musikrichtungen der 1980er Jahre unter einen Hut: nämlich das Liedgut des Austro-Pop mit den Sounds und der Klangästhetik des 80er-Synthpops alá Depeche Mode. Clemens Haipl im Gespräch mit stadtbekannt.

Leider ist es wieder mal ein verregneter Nachmittag, als ich Clemens Haipl in einem Beisl im 4. Bezirk treffe. Eigentlich haben wir uns das Lokal ausgesucht, weil wir gemütlich draußen sitzen wollten um uns ein wenig über „Depeche Ambros“ zu unterhalten – weil der Mai dieses Jahr dem Wiener gegenüber aber nur wenig Gnade zeigt, sitzt Haipl – mit seinen Hauptarbeitsgeräten, dem Macbook und dem Iphone, bereits drinnen und doktort ein wenig an den Sync-Funktionen des I-Cal, des Mac-Kalendars, rum, als ich reinkomme. Ich habe mit Clemens vor nicht allzu langer Zeit anlässlich seines aktuellen Buchs ja ausführlich gesprochen (klick!), in dem Gespräch haben wir das „Depeche Ambros“-Projekt zwar schon kurz angeschnitten, sind aber aufgrund von zahlreichen anderen Themen nur ganz rudimentär darauf eingegangen – nachdem aber im Mai die Depeche Ambros Single „Da Hofa“ auf I-Tunes erschien und auch die ersten Live-Termine der Band konkret wurden, war es mehr als logisch sich noch mal zusammenzusetzen.

Vor dem Flex sind sie gestanden, Haipl, Michael Martinek und Peter Zirps, und haben über den Austropop der 1980er Jahre und dessen, euphemistisch gesprochen, doch eher eigentümliche Klangästhetik diskutiert, und woran diese gelegen haben könnte. Der internationale Zeitgeist kann’s jedenfalls nicht gewesen sein.

Haipl: „Zur gleichen Zeit, als sie bei uns irgendwelche Schrummel-Sachen gespielt haben auf Ö3, hat es in England schon New Order und Depeche Mode gegeben, eben gut produzierte Sachen, und wir haben uns gedacht, das liegt nicht an der Zeit, sondern dass es in Österreich war. Und nachdem jetzt der ganze Aufnahmeprozess ja demokratisiert ist, kann ja jeder einen guten Elektrosound zusammenbringen“.

Ein gutes Jahr ist das mittlerweile her, und am selben Abend wurde eben auch die Idee geboren: dass das eigentlich leiwand wäre, wenn man sich ein paar Austro-Hadern hernehmen würde und diese eben im 80er-Synth-Gewand – Haipls musikalischer Präferenz – ausproduzieren würde.

Haipl: „Da war Depeche Ambros eben der logische Name. Der Ambros steht als Synonym für Austropop und Depeche Mode steht als Synoym für Synthie Pop. Aber das Projekt ist weder auf Ambros noch auf Depeche Mode beschränkt. Wir haben jetzt zum Beispiel „Life is Live“ von Opus mit dem Sound von Soft Cell’s „Tainted Love“ gemacht“.

Ein Spaßprojekt ist das ganze keineswegs, und auch wenn Haipl jetzt nicht der große Austropop-Fan ist und bei sich zu Hause zu Stefanie Werger-Songs endorphingeladen durch die Wohnung rockt („die Herausforderung ist ja, etwas zu nehmen dass mir nicht so gefällt und daraus was zu machen, was mir gut gefällt“), ist das ganze auch nicht ironisch oder den Austropop belächelnd gemeint.

Haipl:„Es ist nicht ironisch, es ist nicht lustig gemeint.. Wenn man Synthie-Pop mag, dann merkt man das. Auch wenn der Ambros Depeche Mode scheiße findet, ich würde einfach sagen, es ist einfach eine Hommage: wir finden dich leiwand, wir finden Depeche Mode leiwand. Es ist aus dem tiefsten Herzen ehrlich und leiwand gemeint“.

Depeche Ambros besteht neben Haipl mittlerweile aus Peter Pansky (der auch die Label- und Öffentlichkeitsarbeit macht) und Hannes Duscher (bekannt u.a. von der Band „When The Music’s Over“). Haipl produziert rough mixes zuhause am I-Mac per Ableton, tüftelt an den Sounds, Samples und Backing Tracks herum und bringt die Sachen dann ins Studio, wo dann noch an den Vocals und am Mix gearbeitet wird.

„Der Peter ist halt der Vollblutmusiker, der hat halt ein Gespür für Sachen wie ´da nimm die Hi-Hat raus, da mach das Intro länger, et cetera’. Ich komm halt von der technischen Seite, ich tu gerne Kastln herumschieben, spiel mit dem Sequencer – dann aber, beim gesamten musikalischen Aufbau da ist es gut jemanden wie den Peter zu haben. Außerdem ist er unvoreingenommen – weil er erstens kein Depeche Mode-Fan ist und zweitens die Demos auch nicht produziert. Außerdem hat der Peter beim Wolfgang Ambros Bass gespielt, und in seiner früheren Band hat Christian Eigner [Depeche Mode-Drummer, Anm.] Schlagzeug gespielt. Der Peter ist also der personifizierte Depeche Ambros“.

Alan Wilder, Ex-Depeche Mode Mitglied, stand bereits per Mail mit gutem Rat zur Seite und erklärte gewisse Sounds (man nehme: einen Staubsauger und eine Gitarrensaite). Wolfgang Ambros wiederum hat es sich bis dato, wie er behauptet, nicht anhören können: zwar hat er das Mp3 bekommen, konnte es aber nicht öffnen. Im Interview mit Dominic Heinzl meinte Haipl damals, er hätte das Mail wahrscheinlich ausgedruckt und in den Kassettenrecorder gelegt – kann aber natürlich auch sein, erzählt er mir, dass Ambros nur höflich sein wollte. Im Ambros Fanforum wusste man nicht genau, wo man das ganze jetzt einordnen möge, „ob das jetzt leiwand oder ein Sakrileg ist, im Depeche Mode Forum Deutschland fängt jetzt gerade das gleiche an“.

Jetzt stehen erstmal ein paar Live-Termine an, im Sommer geht es ans Arbeiten an den nächsten Tracks und im Herbst, sollte alles gut laufen, steht das erste Album an. Im Laufe des Gesprächs – gute zwei Stunden sitzen wir da – sprechen wir auch viel über den technischen Aspekt vom Musik machen. Sein Live-Setup möchte er so klein wie möglich halten, Ableton live übers Macbook (im besten Falle muss ein einziges herhalten, die Frage ist allerdings halt, so Haipl, wie es der Prozessor packt), daneben läuft ein Sequencer, daneben noch Bass und eben Gesang. Bei Synth-Pop kommt’s eben nicht darauf an, dass die Band mit zwanzig Keyboards und allerlei Instrumenten auf die Bühne geht, sondern eher um die Show an sich.

”Wie das Technische abläuft is ja völlig powidl. Bei Rammstein glaubt ja auch keiner, dass das alles live ist. Das ist vollkommen irrelevant. Eine Musik, die sich definiert, dadurch dass sie eben nicht menschelt, sondern maschinenhaft ist, so im Kraftwerk’schen Sinn, kann ma nicht live wiedergeben, das ist idiotisch. Das is so, wie wenn man live zum Löten anfängt.“.

Das bringt uns dann dazu, ein wenig über die Synth-Pop Ästhetik und Clemens’ Zugang dazu zu sprechen:

„Vier menschliche Roboter, die Knopferl drucken. Es soll ja nicht schwitzen und rocken, nach Bier stinken und nach Schweiß, weil das ist Rock und Rock is Oasch. Zumindest in dem Zusammenhang. Für mich ist Synth-Pop meine Punkbewegung. Ich komme aus einer Generation wo die älteren Brüder in Rockbands gespielt haben, und wo es cool war, ein bisschen Punk zu spielen, und für mich war Punk halt schon ein bisschen vorbei. (ironisch) ´Hearst oida, was is das für a Revolution, is ja urarg, Bass, Gitarre, Schlagzeug!’. Da hab ichs viel ärger gefunden einfach nur einen Computer herzunehmen. Punk war „Drei Akkorde und scheiß auf Art Rock“. Synth-Pop war halt scheiß auf Punkrock. Dass Synth-Pop dann Mainstream und Plastik geworden ist, ja blöd, aber es wird alles immer überholt. Es ist jetzt aber so lang her, dass es schon fast cool ist. Es ist jetzt fast so, als hätte man vor zehn Jahren Bill Haley nachgespielt (lacht)“.

Depeche Ambros spielen am 29.Mai am Wiener Stadtfest, am 24. Juni im Aera und am 26. Juni am Donauinselfest auf der Fm4-Bühne. Weitere Termine gibt’s auf myspace.com/depecheambros. Die Single „Da Hofa“ ist zum Download auf I-Tunes erhältlich.

Ich danke für das wieder einmal sehr nette und ausführliche Gespräch.

(Markus Brandstetter)

 

Fotocredit: Thomas Zeidler

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