Wien – Leben

Foto: STADTBEKANNT
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Dem Bienensterben auf der Spur

13. Mai 2014 • Leben

Regional verschwinden immer mehr Bienenvölker, vor allem aber Wildbienen und alle Arten Blüten bestäubender Insekten. Schon komplette Landstriche sind vollkommen bienenfrei.

 

Als sich im vorigen Jahr der damalige ÖVP Umweltminister Nikolaus Berlakovich gegen ein geplantes EU Verbot von Pestiziden stemmte, bekam er den Beinamen „Bienenkiller“. Einmal mehr stand das Bienensterben im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Vor allem seit den späten 1990er Jahren berichten Imkereien von einer sehr hohen Sterberate der Bienenvölker. Das weltweit beobachtete Bienensterben liegt vor allem an der zunehmend industrialisierten Landwirtschaft, an den Monokulturen, verbunden mit hohem Chemie-Einsatz. Parasiten, Krankheiten und der Klimawandel verstärken das Problem.

 

Die Carnica-Biene und das Dritte Reich

Und dann gibt es noch die unter Imkern stark diskutierte Frage, ob die Carnica-Biene – die in Österreich verbreitetste Rasse, gezüchtet auf Produktion und einfache Handhabung hin – für moderne Herausforderungen wie Abgase, Handystrahlen und Pflanzengifte am geeignetsten ist. Im Dritten Reich wurde beschlossen, dass nur noch eine bestimmte Zuchtbiene weitergezüchtet werden dürfte. Die Gattung Carnica wurde als die leistungsfähigste angesehen. Bis in unsere Zeit folgten Imkerbünde dieser Vorgabe, was zur beinahe Ausrottung der ursprünglichen heimischen Wildbienenart zur Folge hatte. Studien zufolge gelten Zuchtbienen als Hauptgefahr für das Überleben der so wichtigen Wildbienen (90 Prozent der Blüten und Pflanzen werden von Wild-, nicht von Zuchtbienen bestäubt!). Geschwächte Zuchtbienen hinterlassen Viren in Blüten, an denen sich Wildbienen dann anstecken. Durch die übertragenen Krankheitserreger werden die Flügel deformiert und immer mehr Wildbienen sterben in weiterer Folge daran.

 

Starke Bienen in der Stadt

In Wien leben etwa 5.300 Bienenvölker, die von rund 600 Imkern betreut werden. Mit „Stadt-Imker“ gibt es einen auf die besonderen Ansprüche urbaner Bienenvölker spezialisierten Verein, der Standplätze organisiert und betreut. Ziel des Projektes ist es, für die Bienenforschung und Bienenzucht regionalspezifische, widerstandsfähige Bienenrassen und Wildbienen-Populationen zu erhalten. Deshalb wird den Völkern, bei denen es möglich ist, nur wenig Honig entnommen.
In Wien sind Bienenvölker an prominenten Orten angesiedelt. Bienenstöcke gibt es auf dem Dach der Staatsoper, der Secession, beim Naturhistorischen Museum und auf den Terrassen des AKH. Trotz ihrer Schlüsselfunktion für den Menschen, scheinen den Bienen nicht alle wohlgesonnen zu sein, was der Vorfall am Südwestfriedhof unlängst gezeigt hat. Dieser Standort beherbergte insgesamt sechs Stöcke. Unbekannte sprühten Gift in die Stöcke, ein Flugloch wurde verschlossen. Auf diese Weise kamen mehr als 140.000 Bienen zu Tode. Die Stadt kann für Bienenvölker aber auch ganz „offiziell“ zur Todesfalle werden. Nämlich dann, wenn ein Volk an Orten siedelt, an denen es Stadtbewohnern in die Quere kommt, auf Balkonen oder Spielplätzen zum Beispiel. Alle eingesammelten Bienenvölker, für die in kurzer Zeit kein Abnehmer gefunden wird, können nur vernichtet werden.

 

Imkerkurse ausgebucht

Die Imkerei erfährt in den letzten Jahren immer größere Beliebtheit. Die Menschen suchen Alternativen zu industriellen Produkten und setzen immer mehr auf Selbstversorgung. Das geht soweit, dass Imkerkurse momentan vielerorts ausgebucht sind. Imkerverbände stehen diesem Trend teilweise kritisch gegenüber. Denn die Bienen, die bei uns in Stöcken angesiedelt werden, sind Züchtungen und als solche sind sie ohne den Menschen kaum überlebensfähig. Nur richtige Schulung vermittelt das nötige Know-How hinsichtlich Pflanzenkunde, Bestäubung und Einwinterung. Imkern lediglich zur massenhaften Honigerzeugung ist reine Tierquälerei.

 

Tipp: Bienentag. Im Arkadenhof des Wiener Rathauses. 13.5. 9-18 Uhr

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