Platzmangel
Die Verhältnisse sind, wie sie sind, und das heißt vor allem beengt: Brauchbares und Unbrauchbares wird hier gelagert, was das Vorankommen zum reinsten Hindernisparcours macht - zumindest für Ungeübte wie wir es sind. Dazwischen stehen und sitzen immer wieder Menschen, die auf Beratung warten, ihre Post abholen wollen, oder etwas mit Frau Bock persönlich klären wollen oder müssen.An mehreren Tischen beraten MitarbeiterInnen des Vereins ihre KlientInnen, es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Es fehlt an geschlossenen Räumen, in denen man ungestört die oft sehr persönlichen Probleme bearbeiten könnte.
Ute Bock selbst sitzt in einem abgetrennten Büro, das sie sich mit einem weiteren Mitarbeiter, einer Katze (von den MitarbeiterInnen übrigens liebevoll „Bocki“ genannt) und einem überquellenden Lager teilt. Ihr Büro wirkt, als stünde es kurz davor von Akten, gespendeten Materialien und Papier verschlungen zu werden. Frau Bock, wie auch die anderen MitarbeiterInnen, kommen jedoch einigermaßen mit den beengten Platzverhältnissen zurecht, auch Unterlagen die benötigt werden, scheinen sofort auffindbar zu sein - was uns ehrlicherweise erstaunt.
Neben Frau Bock, der Beratungsstelle, einem improvisierten Internetcafe und dem Meldeservice gibt es im Gebäude auch Wohnungen, in welchen Familien untergebracht werden. Im ersten Stock befinden sich die Fundraising- und PR- MitarbeiterInnen des Vereins sowie die Buchhaltung. Hier arbeiten auch einige hochmotivierte Zivildiener, die alle auch wirklich genau hier arbeiten wollen – sie mussten ein Bewerbungsverfahren durchlaufen, denn der Verein ist als Zivildienststelle sehr beliebt.
Zivildiener übernehmen hier vielfältigste Arbeiten, einer von ihnen führt beispielsweise kleinere Reparatur- und Instandhaltungen in den Wohnungen durch. Ein anderer kümmert sich um die Wartung der Homepage. Zu tun gibt es genug. Von der möglichen Abschaffung des Zivildienstes ist auch das Flüchtlingsprojekt betroffen. Ob es auch für das Flüchtlingsprojekt Ute Bock einen Ersatz für die Zivildiener geben wird? Im Verein bezweifelt man das.
An Samstagen findet im Verein zusätzlich Rechtsberatung statt und auch Deutsch-, Alphabetisierungs-, EDV- und andere Bildungskurse werden regelmäßig angeboten. In der Engerthstraße, ebenfalls im zweiten Bezirk, gibt es auch noch eine eigene Stelle für die Kleiderausgabe.
In Zukunft mehr Platz?
Hans Peter Haselsteiner, der den Verein auch bisher großzügig unterstützt hat, wird dem Verein dauerhaft Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Das ehemalige Erziehungsheim Zohmanngasse, in dem Ute Bock selbst lange als Erzieherin gearbeitet hat, ist eine der möglichen Optionen.
Solange das Prekarium in der Sperlgasse noch genutzt werden kann, sind in den zahlreichen Wohnungen des Gebäudes Familien untergebracht. Hier und in etlichen anderen Wohnungen in den verschiedensten Ecken der Stadt werden zurzeit insgesamt 348 Personen untergebracht. Sie leben in 116 Wohnungen, viele davon sind Prekaria, andere, wie beispielsweise im Kabelwerk, werden mit Spenden angemietet.
Die untergebrachten AslywerberInnen befinden sich zu ca. 75 Prozent im Asylverfahren, die anderen sind entweder Konventionsflüchtlinge, EU-BürgerInnen, oder verfügen über ein Visum. Wer zum Verein kommt und um eine Wohnung ansucht, landet zumeist auf einer Warteliste. Wenn nicht gerade eine Familie mit Kindern ohne Wohnung dasteht, muss in aller Regel bis zu sechs Monate gewartet werden, denn Wohnungen sind nie genug da. Am längsten muss auf glühenden Kohlen sitzen, wer eigentlich die Grundversorgung in einem Bundesland in Anspruch nehmen könnte. Frau Bock und ihre MitarbeiterInnen betonten zwar, dass es viele in der Einöde nicht aushalten, aber wer absolut keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten hat, muss bei der Wohnungssuche klarerweise bevorzugt werden.
Schwierig ist es auch mit alleinstehenden Männern, der größten AsylwerberInnengruppe. Zumeist muss man sie in WGs unterbringen, Animositäten und Konflikte zwischen den unfreiwilligen Mitbewohnern sind an der Tagesordnung und somit auch Teil des Arbeitsalltags der VereinsmitarbeiterInnen. Da AsylwerberInnen auch bloß Menschen sind und solcherart nicht frei von Vorurteilen, gestaltet sich die Vergabe von Wohnplätzen an Einzelpersonen und die Überlegung, wen man mit wem zusammenwohnen lassen kann, häufig sehr kompliziert.
















































Eine Reportage über Ute Bock
Lucia 2011-02-25 13:46:14
Eine Reportage über Ute Bock, wow. Stadtbekannt wird wirklich immer lesenswerter!
bock
clementine 2011-02-25 13:58:44
ein großes lob an frau bock, die großartige arbeit leistet. wann kommt denn das interview?
@Clementine
stadtbekannt 2011-02-25 14:02:51
Das Interview kommt voraussichtlich am Sonntag.
@stadtbekannt
clementine 2011-02-25 14:13:57
ah super. schöne sonntagslektüre. freu mich schon!
Das ist eine gut gemachte Reportage finde ich
Clara 2011-02-25 15:06:00
sehr berührend und informativ.
@clara
andreas 2011-02-25 15:13:49
da kann ich nur zustimmen. wirklich gelungen. danke!
schlimm
karin 2011-02-25 16:19:24
dass frau bock in so einem vereinslokal untergebracht ist. da muss einfach mehr platz her! bzw. wie kann sich der staat dieser verantwortung so entziehen, dass leute wie frau bock und ihre mitarbeiter einspringen müssen? zum schämen...