Montags mal blau machen?!
Angeblich kommt der blaue Montag aus dem Färbewesen. Früher war bei Indigofärbungen eine Lufttrocknung notwendig, während derer die Färber nichts zu tun hatten. Während des Trocknens entstand erst die blaue Farbe, die Färber machten also nichts und dennoch blau.Von dieser ursprünglichen Bedeutung ist das Blau machen schnell auch in die Arbeitswelt vorgedrungen und bezeichnet die eigenmächtige Erwirkung von Urlaub durch Absenz - in der Regel begründet mit Krankheitssyndromen.
In den wilden 70ern, als die ArbeiterInnen gut organisiert waren, die Lust ein Leben in der Fabrik zu verbringen aber stark nachließ, nahm das Krankfeiern bzw. blaue Montage begehen fast endemische Ausmaße an. Vielerorts wurden gar illegale Schenken in den Fabriken eröffnet, um die trostlose Fabriksarbeit erträglicher zu machen.
Seither hat sich viel getan. Der Fordismus kam in die Krise, die meisten ArbeitnehmerInnen arbeiten längst nicht mehr in Fabriken, neue Managmentmethoden und der starke Konkurrenzdruck drängten die blauen Montage zurück.
Die ArbeitnehmerInnen nehmen immer weniger Krankenstände in Anspruch, der Umkehrschluss, dass auch das Krankfeiern immer weniger stattfindet ist wohl ebenso zulässig. Dennoch findet das Blau machen nach wie vor statt. Manchmal macht sogar eine ganze Stadt mit. Als Liverpool zuletzt die Championsleague gewann, blieben am daurauffolgenden Tag angeblich große Teile der Stadtbevölkerung zu Hause.
Der blaue Montag ist aber zuallererst einmal ein Kündigungsgrund. Wer ihn aber dennoch begeht, wird zuerst feststellen, dass ein Montagvormittag in Wien sich kaum von einem Sonntag unterscheidet. Sobald ArbeitnehmerInnen und SchülerInnen an ihre Wirkstädten verbracht sind, herrscht auf den Straßen und in den Öffis gähnende Leere. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man sich überlegen, wie man den blauen Montag begehen möchte.
No go´s:
Facebook: Fröhlich Status Updates in die Welt hinaus senden, während man vorgeblich schwer krank im Bett liegt, hat mancherorts schon zu Kündigungen geführt. Auch wenn das eher unwahrscheinlich ist, zumindest ChefIn und Belegschaft sollten die Status Updates besser nicht zu Gesicht bekommen. Vor allem dann nicht, wenn sie einen beispielsweise bei Aktivitäten zeigen, die mit der eigenen Krankheit nicht vereinbar sind. Als Faustregel kann gelten: Wer Status Updates vom blauen Montags-Exzess von der einen großen Party postet, während einen vorgeblich das Fieber plagt, spielt mit der Kündigung.
ArbeitskollegInnen einladen: Das eigene Arbeitsumfeld gleicht einer Schlangengrube. Sollte es nicht so sein, wird entweder hinter dem Rücken über einen geredet, oder man hat unglaubliches Glück. Wenn man die ArbeitskollegInnen schon zum Grillen einlädt, sollte man sichergehen, dass diese auch blau machen. Denn ein geteiltes Verbrechen führt zu Omerta´.
Dem / der ChefIn begegnen: Man meide Orte, die auch der/die ChefIn aufsucht. Ist diese/r passionierte/r KirchengängerIn, meide man den Stephansdom. Ist diese/r mit an sicherlich grenzender Wahrscheinlichkeit bei der Party heute Abend, dann gehe man nicht hin. Isst diese/r immer im selben Lokal zu Mittag dann gehe man dort ebenfalls nicht hin.
Profitipp: Profis überlegen sich vorab Erklärungen für zufällige Begegnungen.
Zum AMS gehen: Es mag ja sein, dass man mit dem eigenen Job höchst unzufrieden ist. Ausgerechnet am freien Montag nach Alternativen beim AMS fragen, ist jedoch definitiv keine gute Idee. Andererseits, wer kommt auf so eine Idee?
Der blaue Montag in Wien
Menschen die montags blau machen begegnen vornehmlich SchülerInnen, StudentInnen und PensionistInnen. Vor allem von ersteren kann man über den blauen Montag viel lernen. Denn im Gegensatz zum blauen Montag, kommt das Schule Schwänzen wohl nie aus der Mode. Als Faustregel kann daher gelten, dass alles was man früher beim Schule schwänzen gemacht hat, sich genau so gut für den blauen Montag eignet.
Ins Kaffeehaus gehen: Der Klassiker unter den blauen Montags Aktivitäten. Es heißt zwar immer, dass was Hänschen nicht lernt, Hans nimmermehr lernt, beim Kaffeehaus sollte man da aber eine Ausnahme machen. Spätestens zum Ende der Schulzeit sollte man verstanden haben, dass das Kaffeehaus neben der Schule nicht der beste Platz zum Blau machen war. Die Betriebskantine eignet sich für Erwachsene ebenso wenig.
Wer ganz sicher gehen will, sollte Kaffeehäuser aufsuchen, die ArbeitskollegInnen weder in der Mittagspause, noch sonst irgendwie zufällig aufsuchen. Wenn man selbst in einer hippen Creative Industries Schmiede im schönen Neubau arbeitet, empfiehlt sich ein Kaffeehausbesuch auf der Simmeringer Hauptstraße. Dem/der ChefIn wird man dort nicht begegnen.
Beim Libro Nintendo spielen: Als SchülerIn das Highlight jedes geschwänzten Schultages: Konsolenspielen im Libro, oder einem vergleichbaren Geschäft. Inzwischen etwas aus der Übung muss man leider lernen, dass die eigenen Fähigkeiten stark nachgelassen haben. Da normalerweise immer das Prinzip gilt, dass der/die SiegerIn am Platz bleibt, kommt man wohl höchst selten zum Spielen. Absolut unfair und nur für Leute zu empfehlen, die den Blockwart in sich wecken wollen ist es, VerkäuferInnen darauf hinzuweisen, dass der/die SchülerIn, der/die die Konsole schon so lange blockiert, ja womöglich ein/e SchulschwänzerIn ist. Alternativ kann man ja auch Tischfussball spielen.
Mit den Öffies im Kreis fahren: Irgendwann kommt der Moment da einem/r keine neuen Aktivitäten mehr einfallen. Wer ein Wiener Linien Ticket sein/ihr Eigen nennt, kann immer noch mit den Öffis im Kreis fahren. Das ist zwar eine trostlose Sache, aber besser als nichts.
Donauinsel: die Donauinsel ist ein beliebter Ort zum Blau machen. Wenn das Wetter mitspielt, lässt sich der Tag dort ganz wunderbar verleben. Man sollte dabei jedoch immer an die BlaumacherInnen Zeitrechnung denken, denn spätestens wenn andere Feierabend haben, ist es für den/die BlaumacherIn Zeit sich zu verdrücken. Ebenfalls ist bei diesen Temperaturen auf ausreichenden Frostschutz zu achten. Nach dem Krankenstand mit Frostbeulen zu erscheinen, ist nämlich definitiv sehr dämlich.
Kunst und Kultur: Wien hat zahlreiche Museen, die man vermutlich noch nie gesehen hat. Warum also nicht den freien Tag nutzen, um sich zu bilden? Sofern man nicht selbst im Museum arbeitet, ist das wohl eine der besten Möglichkeiten um sich zu beschäftigen.
Bei Humboldt den Werkmeister machen: Schon mal überlegt, warum man mit Humboldt die anderen locker einholt und woher diese Menschen die Zeit haben? Nun sie machen wohl öfter mal blau. Bildung schadet letztlich nie und wer weiß wozu man den Werkmeister noch brauchen kann.
Auf EinbrecherInnen warten: EinbrecherInnen überraschen ist ein seltsamer Sport, aber durchaus eine Möglichkeit den blauen Montag zu verbringen. Das Enttäuschungspotential ist aber hoch, denn so oft wird letztlich auch wieder nicht eingebrochen. Außerdem kann sich ein solch harmloser Sport rasch zur ausgewachsenen Paranoia entwickeln.
In die Lugnercity gehen: Wir haben nachgewiesen, dass sich dort durchaus ein ganzer Tag verbringen lässt.
Sportwetten: Egal ob albanische Liga, Pferde- beziehungsweise Hunderennen, oder die Duelle der Bangkoker Kreisliga, auf alles lässt sich wetten. Dabei ist man sicher nicht allein, die Chance zu gewinnen ist gering, aber der Zeitvertreib garantiert.
Einen Ausflug machen: Um Wien gibt es viele schöne Ausflugsziele. Montagvormittags ist da nicht viel los, denn gewöhnliche Werktätige haben dafür nur am Wochenende Zeit.
Shoppen gehen: In Wien lässt es sich hervorragend shoppen. Am Montagvormittag wird das ungestörte Einkaufsvergnügen nur von SchülerInnen beeinträchtigt. Die kann man aber notfalls wegen Schwänzens verpetzen.
Ein/e Querulantin sein: Sonst eher unter PensionistInnen beliebt, bietet sich für den blauen Montag das Querulantentum an. Vom Fenster aus die Vorgänge in der Nachbarschaft zu beobachten und auffällige Dinge sofort der Polizei zu melden, ist dabei nur die Einstiegsdroge. Profis legen sich Tempomesser zu und arbeiten als VerkehrspolizistInnen. Die Nachbarkinder wegen Lärmbelästigugn anzeigen ist hingegen die Championsleague des Querulantentums.
TV, Bier und Österreich: Langzeitarbeitslosigkeit ist eine schlimme Sache, führt sie doch neben der ökonomischen, zunehmend auch zu sozialer Deprivation. Ein Ausflug in die Welt der Gerichtsshows kann an einem blauen Montag dennoch durchaus unterhaltsam sein. Auch über Schlagzeilen wie „Ausländer bekommen jetzt Staatssekretär“ lässt es sich amüsieren und das eine oder andere Bierchen kann dabei nicht schaden.
Gartenarbeit: Garten- bzw. Balkonarbeit kann etwas Schönes sein. Ausgerechnet am blauen Montag muss man aber keinen Gemeinschaftsgarten starten.
Frühstücken: Brunchen ist zwar Montagvormittags nicht so leicht, wie am Sonntag. Aber es gibt doch viele Lokale, die ein ausgiebiges Frühstücksangebot haben. Der stadtbekannt Lokalführer hilft weiter.
Prater: Nicht nur die Kinder aus "Teenager werden Mütter" verbringen dort den ganzen Tag. Denn im Prater lässt es sich gut leben und es gibt viel zu entdecken. Einzig die Gesellschaft von Patrick und Yvonne sollte man meiden.
Park: Wiens Parks sind fantastisch. Es gibt sehr viel Auswahl und die Seele kann man wunderbar baumeln lassen. Aber auch für die Parks gilt, dass der Tag des/der Blaumachers/in endet, wenn die Freizeit der ArbeitskollegInnen beginnt.
Profitipp: Nach dem blauen Montag ausgiebigst nachjammern wie schlimm es einen nicht erwischt hat, zerstreut auch den kleinsten Verdacht. Mit etwas Glück lässt sich dafür sogar noch Mitleid erhaschen.
Anmerkung der Redaktion: Alle beschriebenen Szenarien entstammen der überspannten Phantasie der Redaktion. Vom Blau machen im realen Leben müssen wir uns jedoch wegen der Sorge ums Bruttosozialprodukt und den drohenden Konsequenzen für die armen Sünderinnen, distanzieren.














































