Narrenturm (c) Wikipedia Gryffindor
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Narrenturm (c) Wikipedia Gryffindor

Irres Wien - Der Narrenturm

Etwas versteckt, im letzten Winkel des Uni Campus, da findet man ihn. Den Gugelhupf. Da wo sie früher die Irren, Tobenden und Verrückten eingesperrt haben. Man erzählt sich die wildesten Geschichten. Gegründet im Jahre 1784 vom Reform – Kaiser Josef II haben sich dort fortan gleichzeitig bis zu 139 geistig abnorme Menschen auf jeweils 13m2 aufgehalten.

Natürlich birgt ein Ort der mit einer dermaßen außerordentlich bedrückenden Geschichte und Aura aufgeladen ist, wie der Narrenturm, auch besondere Mythen und Legenden. So erzählte man sich, hinter vorgehaltener Hand, dass sich hier Josef II im sogenannten Oktogon, einen Aufbau welcher auf alten Stichen noch zu sehen ist aber, so glauben die Verschwörungstheoretiker zu wissen, im Zuge der Umbauarbeiten abgetragen wurde, hier mit Freimaurern getroffen haben soll.

Der Gugelhupf, wie die Irrenanstalt liebevoll im Wiener Volksmund genannt wird, erhilet seinen Namen durch seine Architektur. Aber auch aus archäologischer Sicht birgt der Bau kleine, zeithistorische Schätze in sich. So findet man dort befestigt etwa die Reste des wahrscheinlich ältesten noch erhaltenen Blitzableiters der Welt.

Blitzableiter (c) Wikipedia JOADL

Narrenschau

Jene gefährlichen Insassen, welche man üblichweise als die „Tobenden“ bezeichnete, waren einst in ihrem Zimmer angekettet, die anderen, friedlichen und harmlosen Patienten hatten das Privileg sich frei zu bewegen. Natürlich gab es auch neugierige Spatzen, welche versuchten einen Blick auf die Irren zu erhaschen. Dem Voyeurismus der „Gesellschaft“ schob man schlussendlich aber einen Riegel vor indem man eine Mauer rund um den Gugelhupf errichtete.

Bis heute steht er da, wie ein Mahnmal aus einer vergangenen Epoche, als man gerade erst anfing sich mit der Seele, dem Geist, der Psyche des Menschen losgelöst von Mystik und Religion zu beschäftigen. Transferiert ins Hier und Jetzt. Ein Mahnmal, welches aber auch Unbehagen auslöst, verstört und einen irgendwie vor Ehrfurcht erstarren lässt. Bis heute ist der Narrenturm ein Ort mit einer besonderen Aura, einer Aura welche selbst den am härtest gesottenen unter uns, schon einmal einen Schauer über den Rücken laufen lässt.

Hof (c)  Towerofpower www.narrenturm.at

( Hof (c) Tower Of Power 2011 / www.narrenturm.at )


Was ist denn eigentlich schon normal

Wer sich davon selbst überzeugen möchte, für den gibt es die Möglichkeit dazu. Heute befindet sich, unter der Leitung von Dr. Beatrix Patzak, die Pathologisch-anatomische Sammlung innerhalb der Wände des Narrenturms. Nach wie vor können sich hier die Besucher selbst ein Bild machen davon, was denn eigentlich normal ist, und sich im Selbstversuch dem Diskurs stellen, welche Vorstellungen einer Norm wir eigentlich besitzen. Was gilt in einer Gesellschaft denn schon als Norm und was als Abnorm, was ist schon „krankhaft“ und was vielleicht gerade noch „normal“. Den Besuchern werden diese Fragen nicht aufgezwängt, sondern man kommt selbst irgendwann an den Punkt wo einem diese Frage bewusst wird.

Jedoch: Menschen die zur spontanen Entleerung ihres Mageninhalts neigen, sollten sich die Tour noch einmal durch den Kopf gehen lassen, denn die Führung ist nichts für schwache Gemüter. Neben historischen Überresten und Artefakten, wie medizinischem Werkzeug, lassen sich nämlich auch in Formaldehyd eingelegte Körperteile begutachten. Vom Ausschlag zerfressenen Leichenteilen bis hin zum deformierten Baby.

Seinerzeit für das „Sichtbarmachen“ medizinischer Sonderfällle dient es heute mehr der „Faszination am Ekel“ wie es Dr. Beatrix Patzak in ihrem Buch nennt. Welche Führungen es gibt und wann sie angeboten werden erfährt ihr hier

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