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Ein Stück Stadtgeschichte: Das älteste Haus Wiens
Unsere historischen Stadterkundungen führen uns diesmal in die Griechengasse in den ersten Bezirk und nach Wieden in die Heumühlgasse, wo sich die beiden ältesten noch erhaltene Profanbauten Wiens befinden.Auf der Suche nach dem ältesten Gebäude der Stadt
Unsere Suche nach dem ältesten noch erhaltenen Gebäude Wiens haben uns bislang schon an den Stadtrand in den 14.Bezirk zum Fuhrmannhaus geführt, welches das Gebäude mit den ältesten Grundmauern Wiens ist, die noch aus der Römerzeit stammen. Wenn es aber um den ältesten noch erhaltenen Profanbau Wiens geht, führt unsere Suche an zwei verschiedene Orte, in die Innere Stadt ins Griechenviertel und nach Wieden in die Heumühlgasse.
Die morphologische Stadtgestalt der Inneren Stadt
Wer sich im ersten Bezirk auf die Suche nach dem Profanbau begibt, sollte sich dafür Zeit und Muße nehmen – diese Suche könnte nämlich etwas länger dauern, was mit der Verschönerungs- und Bauwut ehemaliger RegentInnen zusammenhängt. In Wiens Alt-Stadt findet man nämlich vorrangig Bauten aus der Barrockzeit und dem Klassizismus.
Wiens Stadtbild war bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts von mittelalterlichen Bauten und Gebäuden aus der Renaissancezeit geprägt. Bis zur Regentschaft von Kaiserin Maria Theresia, deren Reformwillen sich auch dahingehend zeigte, dass sie das Bild der Stadt erneuern wollte. So wurden viele Bauten aus vergangen Tagen „geschliffen“ und durch neue repräsentative Prunkbauten ersetzt. Diese Stadterneuerung fanden mit Blick nach Frankreich statt. Soll heißen - man ließ sich von der französischen Architektur beim Bau der neuen Stadtpalais inspirieren.
Die zweite große Stadterneuerungswelle in Wien war die sogenannte „Gründerzeit“, in dieser wandelte sich die morphologische Stadtgestalt Wiens nochmals sehr stark – wie in vielen europäischen Metropolen zu jener Zeit. Zur Zeit der Regentschaft von Kaiser Franz Josef wurde nämlich zum einen die Stadtmauer geschliffen und zum anderen große Teile der Stadtstruktur der Inneren Stadt verändert. Johann Strauß schrieb aus diesem Grund auch in den 1862 die Demolirer-Polka.
Wer sich also auf die Suche nach dem ältesten Gebäude der Stadt in den 1.Bezirk begibt, der wird erst nach längerem Stöbern fündig. Wir haben jedenfalls zwei Gebäude entdeckt, die als die beiden älteste Profanbauten der Stadt identifiziert werden können.

Der Steyrerhof
Mitten im Griechenviertel und der gleichnamigen Griechengasse 4 befindet sich der Steyrerhof. Die Fassade des Gebäudes ist ein steinerner Zeitzeuge der verschieden Epochen. Der älteste noch erhaltene Teil ist auf das 13. Jahrhundert zurückzuführen, bei einem Blick auf das Bild ist aber auch die Jahreszahl 1613 unschwer zu erkennen, was auf die Teile der Fassade aus der Renaissance verweist. Besonders ist auch, dass auch immer wieder die Fenster versetzt wurden. Über die Jahrhunderte haben sich im Steyererhof so einige historisch relevante Fehden zugetragen. So war 1595 der Steyrerhof Schauplatz einer Soldatenrevolte. Es handelte sich dabei um den Teil eines gotischen Wohnturms, der über die Jahrhunderte immer wieder adaptiert wurde. 1986 wurde das Gebäude übrigens vom stadtbekannten Architekten Harry Glück umgebaut und die mittelalterliche Fassade freigelegt. Baugeschichtlich betrachtet handelt es sich um vier verschieden Häuser, deren Bausubstanz bis ins Hochmittelalter zurück reicht.
Der Steyrerhof ist auch im Wiener Kulturgut Kataster und dem darin befindlichen Baubalterplan zu finden.

Die Heumühle
Wer sich auf die Suche nach dem ältesten erhaltenen Profanbau Wiens macht, wird auf die Heumühle im 4. Bezirk in der Schönbrunnerstraße 2 stoßen. Wobei man dabei sowohl in Architekturführern, als auch bei der Online-Suche auf die Zuschreibung „wahrscheinlich“ stößt. Das hat den Grund, dass es sehr schwierig ist, Dokumente über die Errichtung von Gebäuden aus dem Mittelalter zu finden, wie dem Steyerhof oder auch dem Fuhrmannhaus. Einige der Bauteile der Heuhmühle, die zur Zeit ihrer Errichtung Teil des Bürgerspitals waren, gehen auf die Zeit um 1326 zurück, welche davon bleibt unklar, da die Mühle auch einigen Bränden trotzen musste. Wer mit aufmerksamen Blick durch das Freihausviertel geht, dem wird auffallen, dass sich in dieser Gegend eine Reihe von Straßennamen befinden, die so klingende Namen wie Schönbrunner Straße (ein Verweis auf einen Brunnen), Heumühlgasse oder Schleifmühlgasse haben. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, weil bis ins 19. Jahrhundert – zur Zeit der Regulierung des Donaukanals - in der Gegend einige Mühlen betrieben wurden. Die Heumühle wurde vom Mühlbach, einem Seitenarm des Donaukanals, gespeist. Heute ist die Heumühle in Mitten von Wohnbauten verortet und der Firmensitz einer Einrichtungskette. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 2008 saniert. Wer einen Blick auf die Heumühle werfen möchte, kann das tun, denn der Innenhof des Wohnbaus ist öffentlich zugänglich.
| Cornelia Dlabaja Verloren in der Stadt: Auf Entdeckungsreise im Asphaltdschungel |
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