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Wie lustig ist Werner Failmann?
Die Sternstunden des österreichischen Kabaretts liegen in den 90er und frühen 00er Jahren. Seither gewinnt man immer stärker den Eindruck, dass die besten Witze schon gemacht wurden. Es mag daran liegen, dass sich Geschichte zwar als Tragödie wiederholt, dann aber schon als Farce wahrgenommen wird, und die Verhöhnung der Farce allzu leicht selbst zur Farce wird.Ein Beispiel: Die schwarz-blaue Regierung und ihre Folgen brachten das Beste im heimischen Polit-Kabarett zum Vorschein. Widerständig, zornig und voll schwarzem Humor, so muss Polit-Kabarett sein, das bereit ist, den Finger in offene Wunden zu legen und damit eben auch weh zu tun.
Die ewige Wiederkehr als beherrschendes Topos der österreichischen Gegenwartspolitik, als eine ewige Abfolge von rechtspopulistischen Tabubrüchen, Auf- und Abstiegen der FPÖ und sich immer wieder wiederholenden Ausländerdebatten, machten scheinbar jedoch selbst die Widerständigsten und Zornigsten mürbe. Eine Publikumsbeschimpfung im besten Sinne aber, wie sie der geniale, kürzlich verstorbene Georg Kreisler pflegte, hätte das Kabarett notwendigerweise aus dem Mainstream katapultiert, in dem es sich spätestens seit den 90ern befand. Etwas, was sich dann fast niemand traute; aber auch das ewige Predigen zu den ohnehin Bekehrten verlor mehr und mehr an Witz.
Die Skandalrepublik und ihre HumoristInnen
Ein Glück, dass vor einigen Jahren in der österreichischen Innenpolitik ein neuer Topos, der Skandal, auftauchte. Im Zuge der Aufarbeitung der schwarz-blauen Koalition kam einiges zu Tage, was gar übel roch. Seither ist kein Halten mehr, die Skandalrepublik wurde zum geflügelten Wort und Skandale wurden in fast allen politischen Parteien aufgedeckt oder vermutet.
Beim von der Krise und ihren Folgeerscheinungen ohnehin schwer verunsicherten Publikum fiel die Skandalchronik auf einen fruchtbaren Boden, bestätigte es doch die weit verbreitete „alles VerbrecherInnen“-Haltung, mit der große Teile des Publikums sympathisieren. Wohl am besten symbolisiert in der „Kaiserfigur“, die ob ihrer Rolle unantastbar, den „Mächtigen“ ungestraft die Stammtischleviten lesen darf.
Mit Facebook gibt es zusätzlich seit einiger Zeit eine Verteilungsplattform, die seinem Publikum jeden Schmäh rasch und zielgenau zuführt. Zugleich ist der ideale Nährboden für Diskussionen zum Thema „alles VerbrecherInnen“ gegeben. Volkes Mund tut zwar nicht notwendigerweise Wahrheit kund, aber unmoderierte und gerne in großer Zahl versammelte, zur jeweiligen politischen Einstellung passende, Stammtischweisheiten.
Da ein einzelner Gag auf Facebook zwar möglicherweise viele Likes erzeugt, aber die Debatte nicht prolongiert, bleibt ein Witz selten alleine. So haben sich die zahlreichen Anti-Grasser und Anti-Strache Seiten zu Gagschleudern verwandelt, bei deren Gags einem des öfteren das Lachen im Hals stecken bleibt. Denn es ist primär eine „alles VerbrecherInnen“ Stimmung, die über diese Kanäle verbreitet wird. Statt Finger in Wunden zu legen, um eine Reflexion über den Politbetrieb einzuleiten, wurden und werden die Vorurteile des Publikums verstärkt.

Bruder ROFL...
Was dabei mehr und mehr abhanden kommt, ist die Differenzierung, dass nämlich mit „alles VerbrecherInnen“ der österreichische Politbetrieb nicht ausreichend differenziert beschrieben wird und zugleich alle Grau- und Farbtöne verwischt werden. Es wird eine Antipolitikstimmung erzeugt, die eine Differenzierung zwischen schwersten Verfehlungen, leichten Verfehlungen, gar keinen Verfehlungen und vermuteten Verfehlungen mehr und mehr unmöglich macht.
Genau jenes Klima also, dass die herrschenden oder noch schlechtere Zustände herbeiführt. Denn unter lauter RäuberInnen muss man noch nicht einmal der Einäugige unter Blinden sein, um für das Publikum glaubhaft den Räuberhauptmann (oder die Räuberhauptfrau) zu geben.
Werner Failmanns Griff in die Witzkiste
In diese Großwetterlage fällt auch die Geburtsstunde von Werner Failmann. Ähnlich wie schon zuvor bei Grassers jede Bescheidenheit vermissen lassender Briefe-Lesung, war es ein Leichtes, sich über den Kanzler und seinen gelinde gesagt grottenschlechten Social Media Start lustig zu machen.
Mit der lockeren Unverkrampftheit einer k.u.k. Beamtenstube in der Kommunikation und einer, gemessen an den Kosten, katastrophalen Beratung, musste man für Spott nicht extra sorgen. Dazu kamen dann noch falsche Freunde, Fake-Likes und so weiter und so fort. Eh alles längst bekannt und ausreichend belacht.

... und Schwester LOL
Wie dieses kluge Kommentar feststellte, damit hätte man es auch gut sein lassen können. Aber getreu dem Motto „einmal gelacht, nie mehr gestoppt“ musste, was begonnen wurde, offenbar auch fortgesetzt werden. Das Publikum will Gags, Gags, Gags, und die bekommt es auch weiterhin. Ein wahnsinnig lustiges Liedchen und täglich etliche Status-Updates garantieren Lachen, bis es weh tut.
Zwar hat man auch in der SPÖ das PR-Desaster mittlerweile eingesehen und Änderungen versprochen - das Ziel, wenn es denn eines gegeben hat, wurde also eigentlich erreicht - aber wer wäre schon so dumm, ein einmal gefundenes Publikum aufzugeben? Eben!
Dagegen lässt sich auch wenig sagen. Täglich Gags, Gags, Gags erzeugen beim Publikum „ROFLs“ und LOLs“, bis es der Sache überdrüssig wird und eine neue Gagschleuder die alte ersetzt. Soll sein, jeder lacht schließlich über die Witze, die er/ sie verdient. Aber klar sollte schon sein, es sind Gags with, for and by the audience. Mit einer kritischen, humoristischen Auseinandersetzung mit dem österreichischen Politbetrieb hat es genau deshalb auch überhaupt nichts zu tun. Denn gute Polit-Satire kann notwendigerweise kein Konsensprojekt des kleinsten gemeinsamen Lachers sein.
In diesem Sinne erinnert Werner Failmann an den späten Grissemann und Stermann. Auch ihr Witz hat längst die Spitze der Kritik verloren, stattdessen gibt es: Gags, Gags, Gags.
Schön, dass es Gags gibt, die andere Seite der Medaille, die Polit-Satire, die ihre Geschäftsgrundlage ernst nimmt, geht nur leider ab. Ist sie spätestens seit „Die 4 da“ unbekannt verzogen und hat das Land verlassen? Eigentlich eine echte Marktlücke, die mal jemand füllen könnte....
![]() | Daniel Steinlechner Mit Fug und Recht: Über Sinn und Unsinn |















































Ich habe auch schon
Simon Sonntagsfliege 2011-11-28 15:37:44
mehr gelacht als über Failmann und Konsorten. Wenn sie wenigstens das singen lassen würden.
Werner Failmann
Charles 2011-11-28 15:57:18
ist halt auch ein Fail und nicht unbedingt der geborene Polit-Kabarettist.
Der einzige der noch unlustiger
Clara 2011-11-28 16:18:49
als der Failmann ist, ist der Faymann selber ;-)
Ich weiß nicht.
Natalie Imbruglia 2011-11-28 16:28:45
Fidne das ganz witzig. Außerdem es ist doch nur eine Facebook Seite, ist doch alles halb so dramatisch. Im schlimmsten Fall ist es eben eine unlustige Facebook Seite.
halb unlustig?
rote rapunzel 2011-11-28 16:35:58
also am anfang fand ich das ganze noch wirklich originell, aber seit 1. sich dort rechtsrechte bösmenschen breitmachen und 2. leute wie zb laura rudas persönlich angegriffen werden auf unterstem niveau, spätestens seitdem mag ich die seite nicht mehr. ich bin auch kein rudas-fan (im gegenteil, wohlgemerkt), aber ein fake-playboycover mit ihrem bild und darunter beleidigende kommentare, das muss echt nicht sein. und noch ein grund warum mir failmann missfällt: wer profitiert denn (politisch) davon? sicher nur zu einem kleinen teil andere progressive parteien (grüne) und zum großteil die freiheitlichen. und das sollte nicht das ziel von satire sein :(
@Rote Rapunzel
Daniel Steinlechner 2011-11-28 19:16:59
Danke für das Kommentar, dem möchte ich mich inhaltlich vollkommen anschließen.
Dei 4da war auch Ksäe
MAscha 2011-11-28 20:20:54
sonst aber ein treffender Kommentar, failmann und Co. sind einfachs ehr sehr unlustig.