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Stadtbekannt Kontrovers: das Anti-Fondue-Raclette-Manifest

Silvesterzeit ist Fondue- und Raclettezeit – auch heuer werden in den Heimen dieser Welt wieder literweise heißes Fett oder Käse erwärmt und geschmolzen, und sogar einige Restaurants bieten ihren Gästen diese Art von Erlebnis an. Aber was ist dran am (Fett-)Fondue und (Käse-)Raclette?

Die Einladung zum Raclette-Abend

Das „Wir laden euch zum Essen ein!“ klingt ja noch freundlich und aufregend – das darauf folgende „Es gibt Fondue/Raclette“ darauf aber wie ein Schlag in die Magengrube: man bekommt nämlich damit perfiderweise eine Einladung, sein Essen bei den Gastgebern selbst zu kochen. Denn bekocht wird man beim Racletteabend ja nicht, der Gastgeber stellt zwar die Zutaten und das Geschirr, tut sich aber sonst nichts an – außer vielleicht ein paar Saucen oder Salat vorzubereiten. Niemand würde auf die Idee kommen, die Gäste mit den Worten „Es gibt heute Schweinsbraten mit Knödel, die Küche ist die dritte Türe links, die Zutaten sind im Kühlschrank – ruft mich wenn es fertig ist“ empfangen. Während diese Aufforderung wohl eher für lange Gesichter sorgen würde ist die Raclette-Einladung völlig in Ordnung.

Das Fondue und Raclette-Essen selbst

Sitzt man erst einmal bei Tische – vor einem selbst entweder ein Topf mit heißem Fett und ein paar Fondue-Gabeln oder ein lächerlicher kleiner Elektro-Grill für den Raclettekäse – dann kann die „Geselligkeit“ also endlich beginnen – was vor allem eines bedeutet: Stress. Denn wie beim Kochen einer vollen Mahlzeit muss man genau aufpassen, was man tut: Denn wer mehrere Fonduegabeln benutzt, muss den Überblick behalten und hat damit großen Stress: Welches Fleisch kann ich wann essen? Wo steckt welches Stück Fleisch, und welches war jetzt schon lang genug in der Brühe? Ist der Käse jetzt schon weich genug, noch zu kalt oder gar schon verbrannt? Und welche Fonduegabel gehört überhaupt mir? Da bleibt kaum Zeit oder Aufmerksamkeit für Geselligkeit oder zum Plaudern, da wird der Dinnertisch zum Schlachtfeld: denn es heißt strategisch vorgehen! Am besten man übt das Ganze schon einige Tage vor dem großen Abend zu Hause.

Wer nur eine Fonduegabel sein Eigen nennt muss hingegen fünf Minuten auf ein Miniatur-Fleischstück warten, welches weder satt, noch glücklich macht – und will man einmal mehr als nur ein Stück auf einmal, dann hat man nach zwanzig Minuten ganze vier Ministeaks, die dafür aber kalt sind. Und womit füllt man sich dann zwischen zwei Fleischstücken den Magen? Mit Brot und Essiggurkerl – die wohl traurigste Jause die man sich vorstellen kann.

Fazit

Sind nach einem Raclette- oder Fondueabend dann alle satt (was etwa nach einer Zeitdauer von vier bis fünf Stunden der Fall ist) wird es Zeit für ein Fazit: trotzdem man kaum etwas zu sich genommen hat, schmerzt der Bauch danach meist schrecklich: zu viel Brot, Käse und zu viele Essiggurkerl – und meistens auch zuviel Bier. Denn fünf Stunden sind eine lange Zeit, und wenn man nichts zum Essen bekommt, muss man sich eben betrinken. Prost.


signatur_raphael Raphael Maria Dillhof

„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss." (Agamben)
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+/-

..****.. 2010-12-29 12:48:26

da hat wohl jemand schlechte erfahrungen gemacht...
mag sein, dass das image von fondue und raclette nicht das modernste und hippste ist...
Allerdings "muss man zu Sylvester doch etwas machen" weil sonst... das geht doch nicht...
mag man also in einen club, wo man an diesem tag das doppelte an einritt bezahlt - nachdem man mal eine stunde schlange gestanden ist - und dann noch horrende summen für getränke zu zahlen und sich von den hunderten anderen leuten zerdrücken zu lassen... weil zum tanzen kommt man aus platzmangel selten...
ob da ein abend im kreise seiner freunde nicht doch netter ist...
ob bei raclette/fondue oder Pizzaservice - eigentlich auch egal...
hmmm...

Fondue

Vany 2010-12-29 13:35:08

Bei uns gibt es heuer auch Fondue. Mein Fondue (kein Käsefondue) besteht aber aus viel mehr Beilagen - div. Saucen, Gemüse, Salate, Kartoffeln,... jedoch ohne Essiggurken :)

amen.

Omegaman 2010-12-29 14:20:01

DU SPRICHST MIR AUS DER SEELE - DANKE!

:)

kaktus 2010-12-29 14:38:00

lustig geschrieben! kann ich nachvollziehen

mir schmeckts

Julia 2010-12-29 15:02:10

Das ist also das Manifest eines Fleischfressers, nicht? Ich esse kein Fleisch und keine Tomaten (die ja in so gut wieder Fleischalternative enthalten sind), für mich ist ein Essen, zu dem eine große Auswahl von Beilagen und Saucen gehört, die reinste Freude.
Abgesehen davon habe ich garnicht so viel dagegen, mit Freunden und Familie mal länger beim Essen zu sitzen.

Essigkurkerl und Bier klingen allerdings echt nicht so verlockend.

Vielleicht wär Shabu Shabu eine Alternative? Kochen in Wasser statt brodelndem Fett und ein bisschen schneller geht's auch noch

liebe julia

rmd 2010-12-29 15:06:21

ich esse kein fleisch - und auch keinen käse. vielleicht mag ich auch deshalb kein fondue/raclette ;))

ne ernsthaft: ich bin vegetarier, das manifest ist reine theorie.

Sauvez la raclette!!!

maduixeta 2011-07-05 08:05:12

Ein gutes Fondue-Essen hängt unter anderem von den Beilagen ab, aber natürlich auch von der Bereitschaft in so einem Setting zu essen ... Ich finde es recht angenehm, weil man im Vorhinein weiß, was es geben wird und dann so isst, wie man möchte (z.B. viel Salat wenn man nicht so der Fleischliebhaber ist oder keine Bauchschmerzen vom vielen Käse haben will). Außerdem finde ich so ein Essen immer sehr entspannt und lustig, nicht so "gesetzt".
Mich hat bis jetzt Fondue auch noch nicht begeistert, lag eigentlich auch an den einfallslosen Beilagen. Allerdings bin ich von Raclette begeistert. Es ist besonders einfach, weil man eigentlich nur die Käsescheiben schmelzen lassen muss (kein Kochzeitproblem). Der herzhafte Raclette passt besonders gut zu Erdäpfeln, aber auch zu vielen anderen Gemüsesorten, die man auf der Grillplatte grillen kann. Salat kann man noch dazu machen. Mehr braucht man nicht! Es ist also verhältnismäßig gesund und gut verdaulich, weil man hauptsächlich Gemüse dazu isst. In frankreich reicht man auch Schinken, Speck usw. dazu, kann man aber ruhig weglassen, der Raclette hat allein schon genug Geschmack.

naja so ist es nicht...

Sabine 2011-12-29 14:47:08

Fondue und Raclette erfordert für den Gastgeber, wenn er sich Mühe macht, durchaus einiges an Vorbereitungszeit mit verschiedenen Soßen, Salaten, Gemüsedips etc. Ich finde oft "normales" kochen weniger aufwendig als Gastgeber und das lange Zusammensitzen bei Fondue oder Raclette ist schon sehr nett.

Zeit ist ein GEschenk

Diedra 2011-12-29 17:39:43

nicht nur die Tradition sondern die Zeit die man sich gegenseitig schenkt wenn alle das Feste gemeinsam an einem Tisch feiert machen einen Abend mit Raclett/Fondue und Co zu etwas besonderen - denn wer kennt es nicht ist der Mund voll redet´s sich schwer und ist der Teller leer der Abend bald zu Eden ;)
Ps: by the way die Vorbereitungen - wenn man alles selbst macht - Vorspeise, Saucen,Beilagen Salate, Nachspeise stehen einem 5 Gänge Menü in nichts nach doch man genießt gemeinsam....

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